Lohn-Dumping: Behörden melden Anstieg der Billigarbeiter

Die Zahl der Arbeitsmigranten ist in Österreich sprunghaft angestiegen.

Finanzpolizei und steirische Wirtschaftskammer warnen: Die Zahl der ausländischen Unternehmen, die für Aufträge Mitarbeiter – oft für Billiglohn – nach Österreich entsenden, sei im ersten Jahresdrittel 2017 „explodiert“. Bis Ende April schickten 310.000 ausländische Unternehmen insgesamt 390.000 Mitarbeiter nach Österreich. Das sind rund zehn Mal so viele wie noch im ganzen Jahr 2013.

Die nach oben geschossenen Zahlen seien nicht nur darauf zurückzuführen, dass nun auch die Transportbranche Meldungen machen muss, sagt die Kammer. Von den bis Ende April gemeldeten Unternehmen waren zwar mit 250.000 der Großteil aus dieser Branche, doch auch die restlichen rund 60.000 sind etwa drei Mal mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt schickten 2016 exakt 81.412 ausländische Unternehmen rund 196.000 Mitarbeiter nach Österreich, geht aus einer Aussendung hervor.

Noch deutlicher wird der starke Anstieg beim Vergleich mit dem Jahr 2013: Damals waren es im gesamten Jahr 30.145 Unternehmen aus dem Ausland, die „Entsendungen von Mitarbeitern“ nach Österreich angemeldet hatten. 2015 waren es dann schon 56.629 Unternehmen gewesen. Diese Zahl wurde heuer bereits nach dem ersten Jahresdrittel erreicht. Rigobert Rainer, Leiter der Finanzpolizei Steiermark und Kärnten, erklärte, dass der Anstieg wohl auch mit den schärferen Kontrollen zu tun habe. Dadurch sei die Meldemoral höher geworden.

Bedenklich sei auch die Zahl der Beanstandungen: Laut Rainer passte bei 70 bis 75 Prozent der Kontrollen bei der „Aktion scharf“ irgendetwas nicht. „Es ist unsere Pflicht als Kammer für mehr Fairness im Wettbewerb zu sorgen“, sagte der steirische Präsident Josef Herk. Wenn Facharbeiter illegal um drei bis vier Euro pro Stunde beschäftigt werden, sei man davon aber weit entfernt. Stärkere Kontrollen sollen künftig Lohn- und Sozialdumping verhindern. Auch ausländische Unternehmen müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich einhalten. Herk forderte außerdem mehr Finanzpolizeikräfte, die angesichts der steigenden Zahlen noch mehr Kontrollen durchführen könnten.

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