Altbacken und von gestern: Der Brief dankt ab

Der klassische Postbrief verabschiedet sich schleichend aus dem Alltag. Immer mehr Menschen kommunizieren digital - über E-Mail, soziale Netzwerke, Mitteilungs-Dienste. Die Post will gegensteuern.

Eine Postkarte von Rügen, schriftliche Urlaubsgrüße aus dem Allgäu oder eine Auftragsbestätigung von einem Geschäftspartner per Post – alles Schnee von gestern. Wer heute Briefe schreibt oder eine Postkarte verschickt, gilt als altmodisch, uncool und von gestern. Das Vordringen des Digitalen in alle Bereiche von Beruf und Freizeit lässt die Menschen immer weniger zu Kugelschreiber und Füller greifen. Das bekommt auch die Deutsche Post seit Jahren mit rückläufigen Sendungsmengen massiv zu spüren.

Zwar haben die Portoerhöhungen zwischen 2013 und 2016 die Einbußen erträglich gemacht, doch der klassische Brief gilt längst als Auslaufmodell. «Wir gehen weiterhin von einem Rückgang der Briefvolumina von zwei bis drei Prozent jährlich aus», resümiert Konzernsprecher Alexander Edenhofer nüchtern.

Ein Blick zurück zeigt, dass die Post im klassischen Briefgeschäft seit vielen Jahren an Boden verliert. Im Geschäftsjahr 2006 wurden noch im Schnitt 70 Millionen Briefe pro Werktag zugestellt, zehn Jahre später waren es noch 59 Millionen. Die reine Briefkommunikation schrumpfte 2016 bei den Sendungsmengen um 3,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Stück, bei der Werbe- und Infopost, von der Post als Dialog Marketing bezeichnet, lagen die Einbußen ähnlich hoch.

Der Wandel kündigte sich bereits vor einigen Jahrzehnten an, als es Wissenschaftlern in den USA gelang, zwei weit auseinander stehende Großrechner miteinander zu verbinden und Mails hin- und herzuschicken. Das war 1969. Der Totengräber des Briefes war geboren. Rund 30 Jahre später schlug er wuchtig zu und drängte den Klassiker des Postgeschäfts allmählich ins Abseits.

Dabei hat der Brief eine lange Tradition. Schon die alten Ägypter sollen im dritten Jahrtausend vor Christus beschriebene Papyrus-Rollen über den Nil auf die Reise geschickt haben. Da war es noch ein langer Weg bis zur Erfindung der Briefmarke im 19. Jahrhundert und zur Entwicklung eines Massengeschäfts.

Wie kaum ein anderes Instrument der Kommunikation unter Menschen hat sich der Brief über Jahrhunderte fortentwickelt und in alle Bereiche des Lebens eingefräst, in Politik, Literatur, Wirtschaft, Kultur: Die berühmten Briefe von Goethe an Charlotte von Stein, Rosa Luxemburgs Briefe aus dem Gefängnis oder auch der bewegende Abschiedsbrief des Schriftstellers Gabriel Garcia Marquez sind nur wenige Beispiele.

«Briefe haben die Macht, unser Leben zu erweitern. Sie enthüllen Motive und vertiefen das Verständnis», schreibt der britische Journalist Simon Garfield in seinem 2015 erschienenen Buch «Briefe!» Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Brief. Denn: «Eine Welt ohne Briefe wäre eine Welt ohne Sauerstoff».

Noch atmet die Welt und auch Briefe werden weiterhin verschickt. Doch das Digitale ist nicht mehr aufzuhalten. Das hat auch die Post erkannt und mit Produkten wie der ePost, dem Messenger-Dienst Simsme und dem online-getriebenen Paketgeschäft dem rückläufigen Brief-Trend einen Kontrapunkt gesetzt.

Während sich die Paketsparte längst zu einer umsatzstarken Sparte etabliert hat, kommt der elektronische Zwillingsbruder des Briefes allerdings erst allmählich in Fahrt. Seit 2010 ist das Unternehmen mit dem ePost am Start. Inzwischen erfreut sie sich vor allem unter Geschäftsleuten einer wachsender Beliebtheit.

Kommentare

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  1. Das glaube ich kaum! sagt:

    Der Brief als solcher wird immer noch gut genutzt. Das kann ich jeden Tag sehen.