Mittelstand in Österreich noch zu zögerlich bei Digitalisierung

Erfolgreiche Unternehmen setzen deutlich stärker auf digitale Technologie.

Die Wichtigkeit der Digitalisierung scheinen österreichische Unternehmen erkannt zu haben. (Foto: Flickr/Binary Coded Decimal/CC BY-SA 2.0)

Die Wichtigkeit der Digitalisierung scheinen österreichische Unternehmen erkannt zu haben. (Foto: Flickr/Binary Coded Decimal/CC BY-SA 2.0)

Die Digitalisierung bei Österreichs Mittelstandsunternehmen nimmt zu – und lässt die Schere zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Betrieben weiter auseinandergehen: Unternehmen mit aktuell guter Geschäftslage und guter Geschäftsprognose setzen deutlich stärker auf Digitalisierung als jene mit laut eigener Aussage schlechter Geschäftslage und negativen Geschäftsaussichten. Für 65 Prozent der erfolgreichen Betriebe spielen digitale Technologien eine große Rolle. Bei den weniger erfolgreichen Unternehmen geben hingegen nur 51 Prozent an, diesen eine größere Bedeutung zuzumessen.

Generell würden viele Unternehmen in Österreich gerne mehr in die Digitalisierung investieren. Vielen fehlt es dafür aber momentan an Geld und Personal: Für 16 bzw. elf Prozent sind das die beiden größten Hindernisse, mehr in digitale Technologien zu investieren. Neun Prozent fehlt nach eigenen Angaben das nötige Know-how.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young (EY), für die 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich befragt wurden.

„Der österreichische Mittelstand steht am Scheideweg“, so Martin Unger, Partner bei Ernst & Young (EY) Österreich. „Viele Betriebe tun momentan das, was sie schon seit Jahren und Jahrzehnten auszeichnet: Sie passen sich flexibel an neue technologische Möglichkeiten an und schaffen es, ihr Geschäftsmodell durch innovative Produkte weiterzuentwickeln. Einige andere drohen jedoch den Anschluss zu verlieren. Sie investieren nicht genug in die Umstellung auf digitale Technologien oder finden nicht das geeignete Personal. Die Gefahr einer digitalen Zweiklassengesellschaft in Österreich steigt.“

Aus Sicht von Martin Unger erhöhe sich dadurch die Gefahr einer gefährlichen Abwärtsspirale. „Unternehmen mit aktuell schwieriger Geschäftslage fehlt das Geld für Investitionen in digitale Technologien und geeignete Fachkräfte. Gleichzeitig sind jene, die bereits die richtigen technologischen Weichenstellungen für die Digitalisierung gemacht und fähiges Personal eingestellt haben, deutlich erfolgreicher. Für Unternehmen ergeben sich dadurch neue Geschäftsmodelle und Wachstumsmöglichkeiten – wenn sie die Digitalisierung als Chance begreifen. Unternehmen, die zu lange an einem veralteten Geschäftsmodell festhalten, werden zu den Verlierern gehören. Wer jetzt nicht auf den Zug der digitalen Revolution aufspringt, wird auf der Strecke bleiben“.

Für die Mehrheit von Österreichs Betriebe ist das Glas jedenfalls halb voll: Zwei Drittel (66%) der Unternehmen sehen in der Digitalisierung generell eine Chance für sich, 16 Prozent sogar uneingeschränkt. Nur jedes elfte Unternehmen (9%) betrachtet die Digitalisierung als Bedrohung.

Allerdings würden auch hier die Einschätzungen variieren, so Martin Unger: „Die digitale Kluft unter den österreichischen Unternehmen zeigt sich ganz deutlich: Während 70 Prozent der momentan erfolgreich wirtschaftenden Unternehmen die Digitalisierung als Chance begreifen, sind es bei weniger erfolgreichen nur 57 Prozent. Es ist sehr gefährlich, wenn die digitale Transformation als Luxus gesehen wird, den sich nur Unternehmen mit einer aktuell guten Performance leisten können. Die Evaluierung und Anpassung des eigenen Geschäftsmodells an eine digitale Wirtschaftsrealität ist keine Frage des ‚ob‘, sondern des ‚wann‘ – und dabei gilt die Devise ‚je früher desto besser‘“.

Die Wichtigkeit der Digitalisierung scheinen österreichische Unternehmen jedenfalls erkannt zu haben: 83 Prozent erwarten, dass die Bedeutung digitaler Technologien für ihr Geschäftsmodell in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Bei der vorangegangen Befragung im August 2016 gingen lediglich 74 Prozent von einer steigenden Bedeutung aus. Unter den Unternehmen mit guter Geschäftslage und positiven Aussichten rechnen sogar 89 Prozent damit, dass die Digitalisierung noch wichtiger wird – bei den aktuell weniger erfolgreichen sind es hingegen nur 71 Prozent.

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