Deutsche Produktion nimmt an Fahrt auf

Die Zahlen legen nahe, dass sich die Lücke zwischen guten Stimmungsdaten und mäßig „harten“ Daten allmählich schließt.

In Deutschland läuft die Produktion auf Hochtouren: Im Mai legte die Fertigung im verarbeitenden Gewerbe zum fünften Mal in Folge zu. Der Zuwachs habe bei 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Experten hatten nur einen leichten Anstieg um 0,2 Prozent erwartet. Während Stimmungsdaten aus der deutschen Wirtschaft bereits ein äußerst positives Bild zeichnen, sehen Ökonomen jetzt auch die „harten“ Daten aufschließen. Mit Blick nach vorn zeigen sich einige jedoch auch eher skeptisch.

Die enger gefasste Industrieproduktion stieg den Statistikern zufolge im Mai um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zuwächse gab es bei der Produktion von Investitions- und Konsumgütern, während etwas weniger Vorleistungsgüter produziert wurden. Die Energieerzeugung legte zu, während die Produktion im Bausektor zurückging. Den gesamten Produktionszuwachs im Vormonat April revidierten die Statistiker zwar nach unten, allerdings nur geringfügig. Im April war die Produktion demnach um 0,7 Prozent im Monatsvergleich gestiegen und nicht wie zuvor geschätzt um 0,8 Prozent.

Die Mai-Daten seien ein erneuter „Knall“ seitens der deutschen produzierenden Unternehmen, kommentiert Andreas Rees, Experte bei der Bank Unicredit. Für die deutsche Wirtschaft zeichne sich damit weiter ein starkes zweites Quartal ab. Grund dafür sei auch eine Erholung beim Welthandel seit dem Jahresbeginn. Die jüngsten Produktionsdaten seien eine Mahnung an all jene, „die immer noch denken, dass die deutschen Stimmungsdaten im Höhenflug eine Art Fata Morgana oder zumindest eine Übertreibung“ seien.

Zwar seien die Zahlen durch statistische Effekte wegen der Osterfeiertage im April leicht nach oben verzerrt, was sich auch in den Juni-Zahlen noch niederschlagen könnte, schreibt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank Ing-Diba. Dennoch legten die Zahlen nahe, dass sich die Lücke zwischen guten Stimmungsdaten und mäßigen „harten“ Daten allmählich schließe. Der viel beachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts war zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen und auch die Unternehmensstimmung – gemessen anhand der sogenannten Einkaufsmanagerindizes – ist äußerst positiv.

Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank, bleibt allerdings skeptisch mit Blick nach vorn. Er verweist auf die zuletzt verhaltene Entwicklung der neuen Aufträge der Unternehmen. Sollten die Auftragsbücher nicht wieder voller werden, drohe künftig ein Rückschlag bei der Produktion, der im dritten Quartal das Wirtschaftswachstum insgesamt bremsen könnte.

Beim Bankhaus Lampe rechnet man jedoch auch in der zweiten Jahreshälfte weiter mit einer positiven Entwicklung. „Ein Indiz hierfür ist die Entwicklung bei den Investitionsgütern, die eine weitergehende Investitionsbelebung für das zweite Halbjahr nahe legt“, schreibt Chefökonom Alexander Krüger. Daher habe man die Wachstumsprognose für 2017 jetzt von 1,4 Prozent auf 1,6 Prozent angehoben.

Auch aus anderen Ländern im Euroraum gab es am Freitag positive Daten zur Produktion. Die französischen Industrieunternehmen haben ihre Herstellung im Mai gegenüber dem Vormonat um 1,9 ausgeweitet und damit deutlich die Erwartungen übertroffen. In Spanien fiel der Zuwachs mit 1,2 Prozent ebenfalls überraschend stark aus.

 

 

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