Immer mehr Studienabbrecher starten Ausbildung

Wachsende Probleme der Betriebe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen.

Immer mehr Studienabbrecher starten nach einem Medienbericht eine betriebliche Ausbildung. 43 Prozent aller Abbrecher hätten 2016 im ersten halben Jahr nach der Exmatrikulation eine Fachausbildung begonnen, berichten die Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ unter Berufung auf eine Studie für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das seien fast doppelt so viele wie 2008 mit 22 Prozent. Konkret waren es im vergangenen Jahr 60 000. Fast jeder dritte Betrieb in Deutschland kann andererseits Lehrstellen aus Mangel an geeigneten Bewerbern nicht besetzen. Wie der DIHK zu seiner Umfrage „Ausbildung 2017“ mit etwa 10 500 Unternehmen berichtete, stabilisierte sich die Quote zuletzt bei 31 Prozent – im Vergleich zu 12 Prozent zehn Jahre zuvor.

„Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb hat noch nicht einmal eine einzige Bewerbung erhalten“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstag in Berlin. „Uns geht der Nachwuchs aus.“ Deutschland müsse daher mehr für seine im Ausland gerühmte duale Ausbildung tun. Am schwierigsten ist die Lage im Gastgewerbe, wo 58 Prozent der Betriebe Lehrstellen nicht besetzen konnten. Besonders stark zugenommen hat der Azubi-Mangel im Baugewerbe mit 42 Prozent (2015: 30 Prozent).

Nach dem Anfang April veröffentlichten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung können auf dem deutschen Lehrstellenmarkt theoretisch derzeit 100 Schulabgänger aus 104 Ausbildungsangeboten wählen. Die Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war zuletzt mit etwa 520 000 ziemlich konstant – allerdings wurden fünf Jahre davor noch rund 50 000 mehr besiegelt. Eine Erklärung ist die demografische Entwicklung mit weniger Jugendlichen in Deutschland, aber auch der Trend zum Studium: Im Wintersemester 2016/17 starteten gut eine halbe Million Menschen in ihr erstes Hochschulsemester.

Eine „zentrale Herausforderung“ für den Ausbildungsmarkt sind dem Regierungsbericht zufolge sogenannte Passungsprobleme – etwa weil Jugendliche mit ihren Abschlüssen nicht den Ansprüchen der Firmen genügen oder weil sie nicht mobil genug sind. Zum Stichtag 30. September 2016 wuchs die Zahl nicht vergebener Ausbildungsplätze im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozent auf 43 500. Zugleich gingen 20 600 Jugendliche leer aus.

DIHK-Chef Schweitzer sagte, es sei nun „umso wichtiger, dass wir vorhandene Potenziale nutzen, insbesondere von Studienabbrechern, Lernschwächeren und Flüchtlingen“. An den Schulen seien die Lehrer „in der Pflicht“: Sie sollten „nicht nur die Chancen der akademischen Bildung aufzeigen, sondern auch die der beruflichen Bildung“.

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