Algen vs. Baumwolle – Textilbranche vor dem Umbruch

Kleidung 4.0: Textilbranche setzt auf Nachhaltigkeit.

Im Zuge der Fokussierung auf erneuerbare Energien und Rohstoffe macht auch die Textilbranche keinen Halt vor Innovationen. Studierende der TU Berlin haben in einem Projekt mit nachhaltigen Materialien geforscht, die sich als Baumwollersatz eignen.

„Alternative Fasern sind die Zukunft unserer Kleidung“, sagt Dr. Josephine Barbe, Dozentin am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin. Auf die Idee, Braunalgen zu verwenden, kam die Dozentin in Kuba, wo sie ebenfalls lehrt und forscht. Ganze Strände werden dort von der Pflanze überspült.

Das Material sei nach der Verarbeitung nicht nur besser kompostierbar, sondern habe auch medizinische Eigenschaften , berichtet das Innovationsportal Trends der Zukunft: „In Algen gekleidet, schwitzt man nicht“, sagt Josephine Barbe. „Sie speichern Sauerstoff, sind entzündungshemmend, enthalten Mineralien und Spurenelemente.“ Dabei sehen die Entwürfe nicht anders als herkömmliche Kleidung aus – die Studenten tragen sie sogar selbst. Der Algenanteil beträgt 4 Prozent – der Rest besteht vor allem aus Bambus.

Das Unternehmen Vivobarefoot geht in der Nachhaltigkeit noch einen Schritt weiter und stellt ab diesem Monat ein neues Modell an Schuhen vor – fast ausschließlich basierend auf Algen.

Für die Fabrik-Produktion ist der Schuhspezialist eine Kooperation mit dem Umweltunternehmen Bloom aus Kalifornien eingegangen. Bloom ist darauf spezialisiert, Süßwasser-Reservoirs von Algen zu befreien und diese zu einem verwertbaren Rohstoff umzufunktionieren – als Alternative zu Kunststoffen wie Ethylen-Vinylacetat (EVA), die in der Regel auf Erdöl basieren. Bloom entwickelt aus der Biomasse der Algen einen Schaum, der dem neuen Sneaker als Grundmaterial dient. Dabei arbeitet das Unternehmen insbesondere mit Firmen zusammen, die unter der zunehmenden Verschmutzung durch die Wasserpflanze leiden. Das vermehrte Auftreten von Blau- und Braunalgen ist bedingt durch das Überdüngen der Böden in der Landwirtschaft. Die neue Technologie des US-Unternehmens reagiert auf dieses Problem und bringt den gewonnen Rohstoff wieder in einen neuen Zyklus.

Da sowohl Herstellung als auch Entsorgung des herkömmlichen Kunststoffs die Umwelt belasten, legen beide Partner einen besonderen Wert auf die Umweltverträglichkeit ihres Produkts: Nach eigenen Angaben werden durch die nachhaltige Produktion eines einzigen Paares rund 216 Liter Wasser wieder in das Ökosystem zurückgeführt.

„Die erste pflanzen-basierende Technologie ist ein echter Fortschritt in der Textilbranche gegenüber den herkömmlichen Kunststoffen“, so Galahad Clark, Gründer und Direktor von Vivobarefoot. „Wir sind stolz darauf, dies mit Bloom umsetzen zu können.“

 

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