Schweizer Textilbranche: Automatisierung, wo es sinnvoll ist

Starker Franken erfordert Fokus auf hochmoderne und hochtechnische Nischenanwendungen.

Die Herstellung von raffinierten Spitzen und Stickerei in Dessous, Abendkleidern und Brautkleidern ist die Art von Detailarbeit, die zunehmend nach Asien ausgelagert wurde. Emanuel Forster macht es in der Schweiz, wie das Nachrichtenportal Bloomberg berichtet.

Forster ist Co-CEO der Forster Rohner AG, einer 113 Jahre alten Firma in St. Gallen, die Stoffe produziert, die Tausende von Franken pro Meter kosten können. Unter anderem fertigte die Foster-Rohner-Gruppe den wundervollen Stoff, den Pippa Middleton im Mai als Hochzeitskleid trug.

Forster Rohner gehört zu den Dutzenden Schweizer Textilproduzenten, die es geschafft haben, zu überleben und zu gedeihen. Trotz der Löhne, die zu den höchsten in Europa gehören und einer Währung, die seit 2008 um 50 Prozent gegenüber dem Euro gestiegen ist. „Es ist klar, dass wir nicht glauben, ein starker Franken sei großartig“, sagt Forster, ein Urenkel des Firmengründers. „Aber unsere kreative Brainpower kommt wirklich von unserem Standort in der Schweiz.“

Der Schlüssel des Erfolgs ist die Kombination der Geschichte des Landes und seiner Tradition mit der hochwertigen Verarbeitung und der Verbindung mit Innovation: Automatisierung, wo es sinnvoll ist und nur die kompliziertesten Teilstücke in Handarbeit. Dazu kommt der Export von Stoffen niedrigeren Werts auf weniger teure Absatzmärkte.

Das Unternehmen beschäftigt 250 Mitarbeiter in St. Gallen und verfügt über 640 Arbeitskräfte in Produktionsstätten wie China und Rumänien für kostengünstige Stücke.

Trotz seiner A-List-Kunden und der fortschrittlichen Technologie bleibt der Textilsektor der Schweiz unruhig. Im Jahr 2016 sank der Umsatz von Material um 9 Prozent auf 573 Millionen Franken, während die Hersteller von Fertigwaren einen Rückgang von 8 Prozent auf 335 Millionen Franken verzeichneten.

Seit 2000 ist der Wert der Textilbranche um ein Drittel gesunken. Gleichwohl betonten dreiviertel der Mitglieder des Textilverbands Swiss Textiles im März, dass das Geschäft gut oder zufriedenstellend sei – die erste positive Bilanz in fünf Jahren – da Unternehmen in der gesamten Wirtschaft die Kosten gesenkt, die Produktion im Ausland erhöht und die Technologie verbessert haben.

„Wird es in Zukunft noch eine schweizerische Textilindustrie geben?“ Andreas Sallmann, Inhaber der Bodyware ISA Sallmann AG, sagte im Frühjahr anlässlich einer Rede auf einem Symposion des Textilverbands Swiss Textiles: „Ja. Aber es wird anders sein“. Der starke Franken wird einen „Fokus auf hochmoderne und hochtechnische“ Nischenanwendungen erfordern.

 

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