Microsoft macht Ethereum-Protokoll für Unternehmen zugänglich

Neue Organisation von Datenstrukturen / Lösungen außerhalb von Blockchain

Microsoft hat ein auf Ethereum basierendes Blockchain-Protokoll mit dem Namen Confidential Consortium Framework (Coco) vorgestellt. Es eröffnet Unternehmen und Behörden die Möglichkeit, auch größere Firmennetzwerke auf der Grundlage von dezentralen Registern aufzubauen, den sogenannten Blockchains.

„Coco bietet einen alternativen Ansatz zur Organisation von Datenstrukturen“, sagte Mark Russinovich, der technische Direktor von Microsoft Azure. Das ist die Cloud-Computing-Abteilung des US-Unternehmens mit einem Marktwert von 561 Milliarden Dollar.

Mit dem Confidential Consortium Framework (CoCo) bringe Microsoft den Unternehmen die nötige Skalierbarkeit, ohne dass dafür die erwartete Sicherheit und Unveränderbarkeit geopfert werden müssten, sagt Mark Russinovich.

In der ersten Live-Demonstration in der vergangenen Woche erreichte CoCo auf einer privaten Version der Ethereum-Blockchain 1.700 Transaktionen pro Sekunde. Das durchschnittliche Volumen beträgt rund 1.600 Transaktionen pro Sekunde. Für die meisten Unternehmensanwendungen ist das deutlich mehr als ausreichend.

Das neue Protokoll bietet ein Governance-Modell, womit berechtigte Mitglieder eines Unternehmens über alle möglichen Variablen und Bedingungen eines Netzwerks abstimmen können. Auf diese Weise können etwa neue Mitglieder hinzugefügt oder entfernt werden.

Ein Vorteil des Coco Framework besteht darin, dass es lokale Hardware-basierte Umgebungen, etwa die Trusted Execution Environment (TEEs) von Intel, zur Verarbeitung und Sicherung von Informationen außerhalb der Ethereum-Blockchain nutzbar macht.

Das frei verfügbare Protokoll läuft nicht nur mit dem Cloud-Angebot von Microsoft Azure, sondern kann laut Microsoft auf jeder Plattform eingesetzt oder direkt vor Ort werden. CoCo ist Teil der Strategie von Microsoft, fortgeschrittene Dienstleistungen für Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die mithilfe der Blockchain-Technologie anspruchsvolle Produkte für die Wirtschaft auf den Markt bringen wollen.

Mit der Verarbeitung von Daten außerhalb der Ethereum-Blockchain stellt Microsoft eine entscheidende Infrastruktur für dezentrale Anwendungen zur Verfügung. Denn nur mit solchen Off-Chain-Infrastrukturen könne Ethereum es Unternehmen ermöglichen, auch größere Datenmengen zu verarbeiten, zitiert Cointelegraph Fred Ehrsam, einen Mitgründer der US-Bitcoin-Börse Coinbase.

Seiner Ansicht nach braucht Ethereum Fortschritte bei der Skalierbarkeit um den Faktor 100. Nur so sei es möglich, dezentrale Anwendungen mit einer bis zehn Millionen Nutzern effizient zu betreiben. „Große Anwendungen können nicht nur auf der Blockchain laufen, und werden es wahrscheinlich auch nicht. Zum Skalieren brauchen sie Lösungen außerhalb der Chain“, so Fred Ehrsam.

Das Coco Framework von Microsoft und andere ähnliche Off-Chain-Plattformen werden die Skalierbarkeit von Ethereum deutlich erhöhen. So werden sie ermöglichen, dass dezentrale Anwendungen auch größere Datenmengen verarbeiten können, ohne im Gegenzug auf Sicherheit verzichten zu müssen.

Hinter diesen Bemühungen steht auch die Enterprise Ethereum Alliance, ein Zusammenschluss einiger der größten amerikanischen Technologieunternehmen, aber auch von Finanzunternehmen wie JPMorgan, Credit Suisse, Mastercard, UBS und ING. Ein Ziel von Microsoft besteht möglicherweise auch darin, mit Blockchain-Lösungen den Amazon Web Services (AWS) Konkurrenz zu machen.

Bei einer Podiumsdiskussion während der Vorstellung von CoCo in der letzten Woche äußerte sich auch die Chefin des Blockchain-Programms von JPMorgan, Amber Baldet. Ihr Unternehmen wolle das CoCo Framework von Microsoft einsetzen, um Unternehmen ein „zusätzliches Maß an Sicherheit und Leistung“ bieten zu können, zitiert sie Coindesk.

Der Vizechef von Intel, Rick Echevarria, erklärte die Teilnahme seines Unternehmens an der CoCo-Initiative damit, dass es bei Unternehmen eine breite Anwendung finden könnte. „Wir beseitigen eine Menge Hindernisse, im Hinblick auf Skalierbarkeit, Privatsphäre und Sicherheit. Unternehmen, die Blockchain-Technologien bauen, können sich jetzt darauf konzentrieren, was einen Mehrwert für ihr Unternehmen hat.“

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