Mittelstand hält Zahl der Azubis gegen den Trend stabil

Mittelstand hält Zahl der Azubis gegen den Trend stabil / Ausbildungsaktivität regional unterschiedlich stark

Die Zahl der Auszubildenden in der deutschen Wirtschaft sinkt weiter und erreicht mit 1,32 Millionen im Jahr 2016 ein neues Rekordtief. Wie eine Vorabauswertung von KfW Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels 2017 zeigt, stellt sich der Mittelstand diesem Abwärtstrend allerdings erfolgreich entgegen: Seit 2012 hat sich die Zahl der Azubis in kleinen und mittleren Unternehmen bei ca. 1,2 Millionen stabilisiert – und auch im Jahr 2016 wird dieses Niveau weiter gehalten. In den 3,76 Millionen mittelständischen Unternehmen bundesweit arbeiten damit zwei Drittel aller Beschäftigten, aber ca. 90 Prozent aller Auszubildenden.

„Für die kleinen und mittleren Unternehmen ist die berufliche Ausbildung von Nachwuchskräften überlebenswichtig. Schließlich sind das die Fachkräfte der Zukunft!“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, die aktuelle Analyse. Noch gelinge es dem Mittelstand, die Azubi-Zahl konstant zu halten, doch es dürfe von Jahr zu Jahr schwieriger werden. „Rückläufige Schülerzahlen und die gleichzeitig zunehmende Studierneigung der jungen Generation sorgen bereits heute dafür, dass vielerorts Ausbildungsplätze leer bleiben. Gerade im ländlichen Raum ist das Problem bereits dringlich.“

Auch wenn der Mittelstand in seiner Gesamtheit den Großteil der Berufsausbildung schultert – bei weitem nicht jedes mittelständische Unternehmen in Deutschland bildet aus. Von den 3,76 Millionen Mittelständlern waren zuletzt 440.000 Ausbildungsunternehmen – das entspricht 11,7 Prozent. Grundsätzlich gilt: Je kleiner ein Betrieb ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Lehrlinge in der Belegschaft hat. Bei den Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten etwa sind nur 5 Prozent ausbildungsaktiv, bei den Mittelständern mit mehr als 50 Mitarbeitern hingegen drei Viertel.

Der Blick auf die Deutschlandkarte zeigt eine unterschiedliche Ausbildungsaktivität im Bundesländervergleich. Spitzenreiter sind Rheinland-Pfalz und das Saarland, wo 18 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen ausbilden, gefolgt von Niedersachsen (inkl. Bremen) mit 17 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 16 Prozent. Die Schlussgruppe bilden die ostdeutschen Flächenländer Sachsen, Thüringen (jeweils 10 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (11 Prozent) sowie die Stadtstaaten Berlin (10 Prozent) und Hamburg (11 Prozent). Die Rangliste lässt sich zum Großteil mit der unterschiedlichen Struktur des Mittelstands in den Ländern erklären: So sind die traditionell in der Ausbildung starken Branchen Verarbeitendes Gewerbe, Bau und Handwerk in Großstädten seltener vertreten, was die hintere Platzierung der Stadtstaaten erklärt. Ein Grund für die Ausbildungsschwäche in Ostdeutschland liegt in der Tatsache, dass es dort mehr Kleinstbetriebe gibt.

„Die regionalen Unterschiede des Mittelstands prägen das Ausbildungsgeschehen in den Bundesländern. Ausbildungsschwache Regionen mit vielen Kleinstunternehmen könnten von mehr Verbundausbildung profitieren, d. h. von der Ausbildung eines Azubis durch mehrere Unternehmen“, sagt KfW-Chefvolkswirt Zeuner. „Dies betrifft die ostdeutschen Flächenländer besonders. Allerdings mangelt es gerade dort durch Bevölkerungsrückgänge auch an Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, nicht nur am Angebot.“

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