Chaos bei Rastatt wird Problem mittelständischer Spediteure

Verluste erwartet / Verzögerungen in der Lieferkette

Die Verwirrung, die durch die Unterbrechung der Bahnstrecke zwischen Basel und Karlsruhe entstanden ist, trifft die Logistikbranche hart. Dauere die Situation noch länger an, drohten laut Robert Breuhahn, dem Geschäftsführer der Kombiverkehr AG, sogar Produktionsstillstände in Italien.

Neben verschiedenen europäischen Logistikverbänden setzt sich vor allem die Kombiverkehr KG für die betroffenen Unternehmen ein, um eine Insolvenz-Welle zu vermeiden. Sie ist ein logistisches Dienstleistungsunternehmen, das ein europaweites Netz für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße entwickelt, organisiert und vermarktet. Das Angebot richtet sich an Speditionen und Transportunternehmen. Zu den Erfolgsfaktoren, die Kombiverkehr zum europäischen Marktführer gemacht haben, zählen Qualität und Wirtschaftlichkeit, Kompetenz und Kundennähe. 2016 verlagerte das Unternehmen 1,97 Millionen TEU beziehungsweise 985.424 LKW-Sendungen von der Straße auf die Schiene und entlastete so die deutschen Straßen.

Im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten äußert sich Breuhahn über die Schwierigkeiten, die das Unglück von Rastatt auf mittelständische Spediteure und Unternehmen hat.

Bereits am 12. August kam es bei Tunnelarbeiten auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Basel bei Rastatt zu einer Senkung des Erdreichs unterhalb der Bahnschienen. Aufgrund dessen sei der komplette Bahnbetrieb im Personen- und Güterverkehr auf diesem Streckenabschnitt eingestellt worden. Mittlerweile sei die entstandene Senke zwar komplett mit Beton aufgefüllt worden, doch die Freigabe der Strecke sei noch längst nicht erteilt. Der Bahnbetrieb könne voraussichtlich erst am 07. Oktober wieder aufgenommen werden, so Breuhahn.

Um das Problem zu umgehen, gebe es natürlich bereits Ausweichstrecken, doch die betroffenen Eisenbahngesellschaften haben mit weiteren Herausforderung in Folge des Unglücks zu kämpfen. Der Betrieb der Umleitungsverkehre via Singen, Frankreich oder Brenner sei in Sachen Kapazitäten, Lokführer, Loks, Baustellen, Elektrifizierung oder auch Grenzkontrollen erheblich gestört. Oft würden Züge erst mit tagelanger Verspätung ihren eigentlichen Bestimmungsort erreichen. Ein Großteil des regulären Zugangebotes im Italienverkehr via Gotthard, aber auch Zugleistungen via des Leitungsweges Brenner, könnten von den Operateuren derzeit nicht angeboten werden. Im nationalen Verkehr zwischen Hamburg beziehungsweise Köln sowie Wuppertal und Basel biete Kombiverkehr daher alternative Ersatzverkehre von und nach Karlsruhe an.

Unter den angesprochenen Problemen leiden insbesondere mittelständische Speditions- und Logistikunternehmen, die ihre Basisverkehre auf die Schiene verlagert haben. Als Alternative zur Schiene böte sich der LKW-Verkehr an, zu dem die Spediteure praktisch längerfristig gezwungen würden. Doch der Mehraufwand der LKW-Einsatzplanung sowie die erhöhten Trucking-Leistungen und Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der Lieferfristen seien immens. Hinzu kämen zudem Mehrkosten für Loks und entsprechendes Personal bei der Nutzung der Umleitungsstrecken.

Der Schaden geht jedoch über die Spediteure hinaus. Denn die Umstellung des Schienengüterverkehrs auf den Straßentransport setze eine längerfristige Planung voraus. Es sei daher zu befürchten, dass bisherige Leistungsangebote im umweltfreundlichen intermodalen Verkehr nach Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts bei Rastatt aufgrund fehlender Transportmengen nicht mehr angeboten werden könnten.
Die tagtäglich anfallenden Kosten seien noch nicht absehbar. Die Kombiverkehr KG habe sich jedoch für eine Soforthilfe über 250 Millionen Euro aus der Staatskasse eingesetzt. Diese Summe solle es allen betroffenen Unternehmen zu ermöglichen, das bisherige Leistungsprogramm weiterhin gewährleisten zu können. Man überdenke zudem noch die Möglichkeit, Schadensersatz zu fordern.

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