Maschinenbauer gründen firmenübergreifende IT-Plattform

Kooperation gleichstarker Unternehmen / 3 Millionen Euro Startkapital pro Gesellschafter

Deutsche Maschinenbauer wollen sich mit einer eigenen Plattform für digitale Anwendungen in Sachen Industrie 4.0 unabhängig von großen Anbietern wie SAP oder Siemens machen. Zusammen mit der Software AG gründen der Werkzeugmaschinenmacher DMG Mori, der Lackieranlagenbauer Dürr und der Optikspezialist Zeiss eine Plattform namens Adamos, wie die Unternehmen mitteilten. Vor allem kleinere Maschinenbauer könnten darüber unter eigener Marke ihren Kunden Applikationen etwa für Wartungsdienste oder Zubehörverkauf anbieten, ohne alles selbst entwickeln zu müssen oder sich von externen Softwareanbietern abhängig zu machen.

„Es ist eine Kooperation auf Augenhöhe“, erklärte DMG-Chef Christian Thönes in Frankfurt, warum sich die Firmen nicht für den IT-Riesen SAP, sondern den zweitgrößten deutschen Softwareanbieter als Partner entschieden. Die Software AG sei im Unterschied zu den großen Anbietern von Digitalplattformen dazu bereit, nicht selbst an die Endkunden heranzugehen. „Es ist kein Großer dabei, der sagt, er geht nicht an den Endkunden.“

Derzeit seien mehr als 1000 Plattformen für Industrie 4.0 in der Entwicklung, sagte der Chef des Beratungsunternehmens Accenture in Deutschland, Frank Riemensperger, kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Industrie 4.0 steht für die Vernetzung von Maschinen, durch die Produktionsdaten erfasst und zu verbesserter Steuerung, Wartung oder neuen Dienstleistungen genutzt werden können. Neben SAP und Siemens bieten auch Konzerne wie Bosch, MAN, Deutsche Telekom, General Electric oder Microsoft Instrumente an, um die Produktion zu digitalisieren. Wie Riemensperger der Zeitung weiter sagte, könnten sich am Ende wohl zwei oder drei Plattformen je Branche etablieren. Die Maschinenbauer wollen mit Adamos dabei sein, denn sie wollen die Plattform als globalen Branchenstandard etablieren.

In das Joint Venture, an dem sich auch ein Maschinenbauer aus Hongkong beteiligt, flössen zum Start 60 Millionen Euro, erklärte Dürr-Chef Ralf Dieter. Einen Großteil davon trage die Software AG über ihre Programme bei. Jeder Gesellschafter zahle drei Millionen Euro ein. Die Gesellschaft werde ihren Sitz in Darmstadt bei der Software AG haben, die rund 200 Mitarbeiter sind verteilt bei den Plattformpartnern im Einsatz. Ziel sei es, Entwicklungskosten zu senken, indem sich die einzelnen Firmen über die Technik für die Applikationen austauschten und sie gemeinsam nutzten. Konkrete Renditeerwartungen gebe es noch nicht. „Aber es soll schon was bringen. Es müsste von der Logik her eine deutlich höhere Rendite haben als das Servicegeschäft“, sagte Dieter. Industriedienste bringen erfahrungsgemäß operative Renditen zwischen zehn und zwanzig Prozent.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.