Produktion der Industrie stagniert im Sommer

Die deutsche Industrie hat ihre Gesamtproduktion im Juli nicht steigern können.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die Herstellung des verarbeitenden Gewerbes insgesamt auf dem Stand des Vormonats, berichtet die dpa. Analysten hatten dagegen einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Die Stagnation folgt auf einen Rückgang um 1,1 Prozent im Juni. Die reinen Industriebetriebe konnten ihre Produktion im Juli um 0,3 Prozent steigern.

„Die Indikatorenlage spricht dennoch für eine Fortsetzung der positiven Industriekonjunktur“, schrieb das Statistische Bundesamt. „Allerdings dürfte das Expansionstempo mit Blick auf die Auftragseingänge geringer ausfallen als in der ersten Jahreshälfte.“

Von Reuters befragte Beobachter bescheinigen der Wirtschaft weiter eine gute Form, obwohl sich einschlägige Indikatoren eingetrübt hatten. „Wir gehen davon aus, dass die Juli-Zahlen eher eine Eintagsfliege sein werden“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Insgesamt werde das Wachstum im Sommerquartal etwas schwächer ausfallen als zuletzt – „aber es wird solide weiter aufwärtsgehen“. Im Frühjahr war das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent gestiegen.

Auch der Chefökonom der ING-Diba, Carsten Brzeski, hält Zweifel an der Stärke der Wirtschaft für weitgehend unbegründet. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Produktion durch die Ferien verzerrt worden sei, argumentierte er.

Das Kieler IfW-Institut warnt unterdessen vor einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft. „Eine Hochkonjunktur fühlt sich gut an, sie ist aber gesamtwirtschaftlich schädlich“, erklärten die Forscher und Regierungsberater am Donnerstag. Sie erhöhten ihre Wachstumsprognose für 2017 auf 2,0 (bisher: 1,7) Prozent und für nächstes Jahr auf 2,2 (2,0) Prozent. Für 2019 erwarten sie einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,1 Prozent.

„Die deutsche Wirtschaft steigert ihre Leistung schneller, als ihr guttut.“ Dies lasse eine „schmerzhafte spätere Korrektur wahrscheinlicher“ werden. „Die konjunkturelle Dynamik der deutschen Wirtschaft nimmt zu und mit ihr die Gefahr einer deutlichen Überhitzung mit entsprechendem Rückschlagpotenzial.“

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  1. samba sagt:

    Der letzte Absatz in Ihrem oben gen. Artikel trifft den Nagel auf den Kopf.
    Durch die schrödersche Steuerpolitik haben die Kapitalgesellschaften nach Auszahlung der Shareholder, Bezahlung aller Fälligkeiten, Tätigungen aller Anschaffungen(Umstellung auf Industie 4.0/ New Economy) noch Kapitalüberschüsse, welche letztlich an den Aktienmärkten investiert werden.
    Doch was nützen die Investitionen, wenn die Produkte nicht abfießen, da der Abnahmemarkt (z.B. der Endverbraucher) durch die Geldpolitik der Banken danke Basel 6/7, sich in der Kreditvergabe zurück hält.
    Die Regeln der Kreditvergabe, die von den Banken aufgestellt worden sind, sind für die Konsumenten, Klein und Mittelstandsbetriebe sehr hoch. Das bereitgestellte Geld kommt nicht an den Stellen an!
    So wird die korrekte Geldschwemme der EZB zur Belebung der Verbrauchermärkte leider verpuffen und nicht den gewünschten Effekt haben.