Die Abwärtsdynamik am Mini-Bondmarkt lässt nach

Mehrfach wurde der Mark für Mittelstandsanleihen schon für tot erklärt.

Zuletzt kamen die Pleitefälle Alno und Rickmers in die Schlagzeilen. Bei der Hamburger Reederei Rickmers hatte die HSH Nordbank die Zustimmung zur Sanierung der Reederei Rickmers verweigert. In der Folge erhielt ein Bieterkonsortium um die Bremer Zeaborn-Gruppe unter Beteiligung des früheren Rickmers-Alleineigners Bertram Rickmers den Zuschlag für die Übernahme des weltweiten Schiffsmanagements.

2016 bestimmten Unternehmens-Insolvenzen wie die von KTG Agrar und German Pellets die Schlagzeilen. Doch der Markt für Mittelstandsanleihen zeigte sich in den vergangenen Monaten durchweg betriebsam. Nur zwei Emittenten misslang die Kapitalisierung. Dagegen konnte sich eine Vielzahl von Unternehmen, deren Anleihen in der nächsten Zeit auslaufen, am Markt behaupten und sich somit problemlos neu finanzieren.

Mithin zeigen sich die Finanzierungsbedingungen für deutsche Unternehmen nachgerade als ideal. Zumindest legt dies eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft Capmarcon nahe. Sie zeigt auf, dass sich die Neuemissionstätigkeit erholt – gleichwohl auf Grundlage eines niedrigen Niveaus. Die Studie verweist auf die Fülle von Eigen- und Fremdkapital, die Unternehmen zur Verfügung stehen. Grund sei neben der hervorragenden Lage hinsichtlich der Absatzmärkte auch die Nullzins-Politik der EZB sowie deren Anleihekäufe.

Summa summarum sorgt dies dafür, dass die Liquidität für Unternehmen nicht nur sprudeln, sondern auch günstig sind. Laut der Capmarcon-Studie (Grundlage waren eigene Berechnungen sowie Statistiken der Deutschen Bundesbank) sind die Kreditzinsen im vergangenen Jahr um etwa 0,15 Prozentpunkte gesunken. Die Banken erweiterten ihre Kredite im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf rund 900 Milliarden Euro. Von Jahresbeginn bis zur Jahresmitte verringerte sich der Umlauf von Unternehmensanleihen von 3,3 Milliarden auf insgesamt 293,3 Milliarden Euro, dies jedoch deshalb, da die Tilgungen mit 30,3 Milliarden höher waren als die Neuemissionen von 27,0 Milliarden Euro.

Betrachtet man dagegen die Neuemissionen, so zeigt sich, dass Finanzchefs beträchtlicher Zurückhaltung ausgesetzt sind. Denn von neun neuen Titeln wurden vier begeben, um demnächst auslaufende Bonds wiederum abzulösen.

Indessen zeigt sich der Markt aufnahmebereit. In Erinnerung ist sicherlich der Holz-Werkstoff-Verarbeiter Homann. Im Juni konnte Homann innerhalb kürzester Zeit 50 Millionen Euro einwerben und somit etwa 50 Prozent der im Dezember fälligen Anleihe refinanzieren. Für die neue Anleihe bot Homann einen Aufschlag auf den Referenzzins von 5,1 Prozentpunkten – unter dem Stricht etwa einen Prozentpunkt weniger als 2012.

Festzuhalten bleibt, dass die Neuemissionen nicht so zufriedenstellend sind, um den sich abwärts bewegenden Trend zu durchbrechen. Das Volumen noch nicht leistungsgestörter Papiere fiel laut Capmarcon zwischen Anfang des Jahres und August leicht von 2,64 auf 2,55 Milliarden Euro. Dennoch erreichen die Anleihen mit durchschnittlich 99,5 Prozent wieder die Höhe ihres Nennwerts. Gegen Ende des Jahres 2016 hatten Fachleute diese Bonds noch mit Abschlägen bis zu 12 Prozent eingeschätzt.

Zwar gehen Insolvenzen inzwischen deutlich zurück, doch bleibt es bei einem insgesamt hohen Wert von 45 Prozent und lässt Investoren auf Abstand gehen. Andererseits geht der Renditeverfall am breiten Anleihemarkt an den Mini-Bonds noch immer vorbei.

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