Krankenkassen fordern stärkere Ausgabenbegrenzung bei Medikamenten

Techniker Krankenkasse stellt Innovationsreport vor / Hersteller wehren sich

Von den Krankenkassen kommen Forderungen nach einer Erhöhung des Herstellerabschlags für Medikamente. Eine Anhebung von sieben auf zehn Prozent sei seiner Ansicht nach angemessen, um den „überzogenen Forderungen der Pharmaindustrie“ kurzfristig etwas entgegenzusetzen, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, in Berlin. Zwar handele es sich bei diesem Instrument eher um einen Knüppel, doch würden andere Methoden zur Begrenzung der Preise von der Industrie elegant umgangen. „Deswegen ist manchmal der Knüppel gar nicht so dumm, der trifft wenigstens“, sagte Baas.

Der Chef der größten deutschen Krankenkasse stellte gemeinsam mit Wissenschaftlern den diesjährigen TK-Innovationsreport vor. Darin wurden 32 der neuen Wirkstoffe des Jahres 2014 daraufhin untersucht, ob sie eine bestehende Therapie verbessern, einen Zusatznutzen für den Patienten haben und ob die Kosten im Rahmen bleiben. Die Medikamente werden dabei nach einem Ampelschema bewertet. Die Universität Bremen konnte jedoch keine einzige grüne Gesamtampel vergeben, 17 der bewerteten Präparate wurden mit „gelb“ bewertet und 15 erhielten eine rote Ampel.

„Der größte Anteil der 2014 eingeführten Mittel war teurer als die Vergleichstherapien“, sagte Baas. „Die Pharmaindustrie versteht sich besser darauf, hohe Preise zulasten der Beitragszahler einzutreiben, als wirkliche Innovationen auf den Markt zu bringen“, fügte Gesundheitsexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen hinzu.

Beim Blick auf den Zusatznutzen erhielten 15 Präparate eine rote Ampel. 17 Arzneien wurden mit „gelb“ bewertet. Dies bedeutet, dass sie für viele Patienten zumindest mit einem Nutzengewinn verbunden sind.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die TK von einer Verdopplung der durchschnittlichen Preise für neue Arzneien berichtet. In diesem Berichtsjahr ist der durchschnittliche Preis pro Packung ihren Angaben zufolge nochmal um etwa 1000 Euro auf rund 2500 Euro gestiegen. Die Umsätze der neuen Medikamente im Jahr nach der Markteinführung hätten sich fast verfünffacht.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wies die Kritik zurück. „Krankenkassen versuchen mit allen Mitteln Innovationen kleinzureden. Das ist unverantwortlich“, sagte Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Der Report sei zu stark auf Kosten fokussiert und ignoriere den Nutzen neuer Arzneien. Im Laufe der Jahre entstehe durch eine Vielzahl neuer Medikamente großer medizinischer Fortschritt. So stiegen etwa die Überlebensraten bei vielen Krebsarten, sagte Fischer.

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