Österreich bereitet hundertjährige Anleihe vor

Methusalem-Papiere / Neues Kapitel der Zinstief-Ära

Österreich will über eine hundertjährige Anleihe mindestens eine Milliarde Euro bei Investoren einsammeln. Es wäre das erste Wertpapier in der Euro-Zone dieser Art. Bislang gab es nur privat platzierte und deutlich kleinere Anleihen mit solch einer langen Laufzeit. „Die Transaktion ist besonders spannend, weil es so etwas noch nie gegeben hat“, sagte ein Banker, der die Emission vorbereite, der Nachrichten-Agentur Reuters. „Bis die Anleihe ausläuft, werden wir alle schon lange tot sein.“

Österreich will die erste Jahrhundert-Anleihe öffentlich am Kapitalmarkt platzieren und lässt sich dabei unter anderem von den Banken Merrill Lynch, Erste Group, Goldman Sachs, Société Generale und NatWest helfen. Den Investmentbankern zufolge gibt es Interessensbekundungen von mehr als sechs Milliarden Euro für das Papier, das der österreichischen Finanzagentur zufolge „Benchmark“-Größe haben soll. Anleihen mit dieser Bezeichnung haben in der Regel mindestens ein Volumen von einer Milliarde Euro. Ersten Indikationen zufolge wird die Anleihe eine Rendite von rund 2,1 Prozent haben. Wann konkret das Papier an den Markt kommen soll, steht noch nicht fest.

Irland und Belgien haben bereits Bonds mit einer Laufzeit von 100 Jahren platziert, jedoch nur bei ausgewählten, privaten Investoren – mit Volumen von 50 bis 100 Millionen Euro und nicht öffentlich am Anleihemarkt.

Im vergangenen Jahr emittierte Österreich bereits eine 70-jährige Anleihe zu 1,53 Prozent. Wer auf die Zwei-Milliarden-Anleihe setzte, verzeichnet inzwischen ein Minus von rund zehn Prozent. Denn solche langlaufenden, festverzinste Papiere haben hohe Risiken, wenn sich der Zinssatz ändert, das Wertpapier aber seinen fixen Kupon beibehält.

Offenbar handelt es sich bei dem „Jumbo“ auch um einen Versuchsballon. Nämlich um die Frage, ob es am Markt eine entsprechende Nachfrage nach Staatsanleihen mit sehr langen Laufzeiten gibt. Die EZB könnte alsbald ihre ultralockere Geldpolitik eingrenzen und die Anleihekäufe beschränken. In der Folge würde dies zu steigenden Bond-Zinsen führen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.