EZB bringt Regeln für FinTech-Zulassung auf den Weg

Bankaufseher wollen Überwachung / Neuer Leitfaden für die Zulassung von FinTechs

Regulierungs- und Aufsichtsbehörden müssten auf technologische Veränderungen in der Finanzwelt reagieren, betonte die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy.

Momentan schießen viele junge und noch kleine Unternehmen aus dem Boden, die die herkömmlichen Banken mit neuen Geschäftsmodellen und IT-Lösungen herausfordern oder sie sogar überflüssig machen wollen. Die technischen und finanziellen Hürden sind etwas niedriger und der Markt bestreitbarer geworden, sagte Nouy. Es könnten neue Firmen entstehen, die sehr spezifische Dienstleistungen anbieten und nicht mehr das gesamte Spektrum des traditionellen Bankgeschäfts abdecken. Darauf muss die Aufsicht Nouy zufolge eine Antwort finden.

Europas Bankenaufseher wollen daher den schnell wachsenden Markt junger Finanzfirmen genauer überwachen. Es müsse sichergestellt werden, dass FinTechs, die Bankdienstleistungen anbieten, ordnungsgemäß zugelassen sind und Risiken angemessen abschätzten, erklärte die EZB-Bankenaufsicht. FinTech-Banken müssten den gleichen Standards genügen wie herkömmliche Banken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt („Single Supervisory Mechanism“/SSM). Damit ist EZB auch die maßgebliche Behörde, die über die Gewährung oder den Entzug einer Banklizenz im Währungsgebiet der 19 Staaten entscheidet. Bis kurz vor Weihnachten dieses Jahres wollen die Aufseher ihren Leitfaden für die Zulassung von FinTechs abschließend ausarbeiten.

Mit neuen Geschäftsmodellen und digitalen Angeboten fordern junge Unternehmen traditionelle Banken heraus. In vielen Staaten haben solche Start-ups dabei mehr Freiraum als streng regulierte Finanzinstitute. Darum gibt es in der Finanzbranche seit langem Forderungen, FinTechs genauer auf die Finger zu schauen. Die EZB-Aufseher haben nach eigenen Angaben seit Juli 2016 bis heute sechs FinTechs eine Banklizenz erteilt.

Bankseitig liegen den Aufsehern aktuell mehr als 20 Anträge auf eine Banklizenz im Euroraum vor – wie viele davon mit dem britischen EU-Austritt (Brexit) zusammenhängen, verrieten die Aufseher auf Nachfrage nicht.

Die europäische FinTech-Branche ist im Vergleich zu jener in China und den USA sehr klein. Sie ist zudem in Großbritannien konzentriert, wie Reuters berichtet. Einem Papier des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel zufolge war 2015 der chinesische FinTech-Markt 102 Milliarden Dollar schwer. Auf den US-Markt entfielen demnach 36 Milliarden Dollar. In der EU werde die Branche mit sechs Milliarden Dollar bewertet und wachse langsamer als in anderen Weltregionen. Mehr als 80 Prozent dieses Geschäfts seien im Vereinigten Königreich ansässig. Teile davon könnten zusammen mit Banken und Fondsmanagern nach dem Brexit aus London in die EU abwandern. Die FinTech-Branche außerhalb der EU könnte nach Ansicht von Bruegel noch mächtiger werden, wenn sie sich mit US-Internet-Riesen wie Amazon oder Google verbündet, die weit mehr Daten über Kunden zusammentragen könnten als Banken.

 

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