Einzelhändler mit größtem Umsatz-Rückgang seit Jahren

Umsätze im Einzelhandel in der Eurozone im August zurückgegangen / Dennoch ungebrochene Kauflust der Deutschen

Die Einzelhändler in der Euro-Zone haben überraschend den zweiten Umsatzrückgang in Folge verbucht. Ihr Absatz sank im August um 0,5 Prozent zum Vormonat und damit so stark wie seit Oktober 2015 nicht mehr, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet.
Bereits im Juli waren die Erlöse um 0,3 Prozent gefallen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Erlöse im August um 1,2 Prozent. Auch das lag jedoch unter den Erwartungen.

Im Urlaubsmonat August spürten insbesondere Tankstellenbetreiber Gegenwind, da die Umsätze mit Kraftstoffen um 0,9 Prozent zurückgingen. Zudem gaben die Bürger für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren weniger aus: Hier lag das Minus bei 0,3 Prozent. Auch Elektrogeräte und Möbel waren nicht mehr so gefragt wie im Vormonat.

Die ungebrochene Kauflust der Deutschen und der Online-Boom stimmen den Einzelhandel jedoch zuversichtlich. Im achten Wachstumsjahr in Folge schickt sich die Branche an, erstmals die Umsatzmarke von 500 Milliarden Euro zu knacken, wie der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth, bereits Mitte September in Düsseldorf in Aussicht stellte. Er erwartet, dass der Wirtschaftszweig mit seinen über drei Millionen Beschäftigten 2017 die Erlöse um drei Prozent steigern wird. Bislang lag die Prognose bei plus zwei Prozent.

„Wir glauben an die Stärke des zweiten Halbjahres. Es gibt gute Anzeichen. Wir bleiben in unseren Erwartungen aber konservativ“, zitiert Reuters Genth. Auch für 2018 sei er positiv gestimmt. Wegen der Rekordbeschäftigung seien die Rahmenbedingungen gut. Im ersten Halbjahr stieg der Branchenumsatz um 4,5 Prozent, preisbereinigt um 3,1 Prozent.

„Online-Handel ist das Top-Thema“, sagte Genth. Die dynamische Entwicklung des Segments komme inzwischen auch im Lebensmittelbereich an. Der HDE rechne hier mit einem Plus von 20 Prozent. Insgesamt erwarte der HDE einen Anstieg im Online-Geschäft um zehn Prozent auf rund 49 Milliarden Euro.

Genth berichtete ferner, die Schere zwischen großen und kleinen Handelsfirmen gehe immer weiter auseinander. „Weniger investitionsstarke Betriebe fühlen sich vom Wachstumstrend abgehängt, während große Unternehmen vom Boom des E-Commerce profitieren“, erläuterte er. Vielen kleinen Unternehmen fehlten sowohl das Know-how als auch die finanzielle Ausstattung, um an die Digitalisierung Anschluss zu finden. Gewinner seien vor allem die Betriebe, die sowohl im stationären Einzelhandel unterwegs seien wie auch über das Internet ihre Waren verkauften. Genth bekräftigte seine Prognose, im Zeitraum von 2015 bis 2020 insgesamt 50.000 Handelsstandorte verschwinden dürften.

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