Umfrage: Österreich hinkt bei Digitalisierung hinterher

Mangel an Fachpersonal: Nur 19 Prozent der Finanzchefs sehen ausreichend digitale Kompetenzen in ihrem Team

Auch nach jahrelangen Investitionen und Engagement von Top-Führungskräften kämpfen viele Unternehmen noch immer damit, Mehrwert aus ihren digitalen Investitionen zu erwirtschaften – das ist das Ergebnis der Digital IQ® Survey 2017 von PwC. Die Studie untersucht seit zehn Jahren Technologietrends in Unternehmen, für die aktuelle Ausgabe wurden 2.000 Unternehmen in 53 Ländern befragt. Der „Digital IQ“ dient dabei als Messgröße, wie gut Unternehmen den Wert von Technologie verstehen und wie eng dieser in der Gesamtorganisation verankert ist: Je höher der Digital IQ eines Unternehmens ist und je umfassender die digitale Strategie, umso besser steht es um die finanzielle Leistungsfähigkeit. Aber: Nur 52 Prozent der weltweiten Führungskräfte stufen den Digital IQ ihres Unternehmens als hoch ein.

Heimische Finanzabteilungen hinken bei der Digitalisierung hinterher

Ausschlaggebend für den Digital IQ sind unternehmensinterne Investitionen. Während Bereiche wie Sales, Marketing und IT bereits weitreichend digitalisiert wurden, wird in Technologien zur Standardisierung, Automatisierung und Integration der Finanzfunktion nur sehr zögerlich investiert.

Dies bestätigt auch eine ergänzende PwC-Umfrage unter führenden österreichischen Finanzvorstände (CFOs): Nur 4 Prozent schätzen den aktuellen Digitalisierungsgrad im österreichischen Finanzbereich als hoch ein, 24 Prozent als mittel und sogar 72 Prozent als niedrig. Unter Digitalisierung im Finanzbereich verstehen CFOs in Österreich überwiegend Real-Time Reporting (41 Prozent), gefolgt von Robotics & Predictive Analytics (24 Prozent), Automatisierung (18 Prozent), Biltroller-Fähigkeiten (12 Prozent) und ERP-Innovation (SAP S/4 Hana, 6 Prozent).

Der Finanzbereich hat bei der Digitalisierung aber das höchste Potenzial, erläutert Agatha Kalandra, Partnerin und Digital Finance-Expertin bei PwC Österreich: „Jede strategische Entscheidung basiert auf Unternehmenszahlen. Wenn diese in Echtzeit bereitstehen, werden auch Entscheidungen in Echtzeit getroffen. Finanzabteilungen müssen ihre finanziellen und nicht-finanziellen Daten aus internen und externen Quellen künftig perfekt analysieren können. Sie liefern dem Unternehmen damit verlässliche Zukunftsszenarien, um das Geschäft erfolgreich zu steuern und somit einen strategischen Vorteil.“

Finanzvorstände als Treiber der Digitalisierung

Laut Umfrage sehen es auch mehr als die Hälfte aller heimischen Finanzvorstände (CFOs) als ihre Aufgabe an, das Thema Digitalisierung im Finanzbereich zu treiben (53 Prozent), 37 Prozent hingegen sehen den gesamten C-Level in der Pflicht. Nur rund 11 Prozent der Befragten schreiben diese Aufgabe den Leitern der Informationstechnik (CIO) bzw. Leiter der Digitalisierungsprozesse und -Strategien (CDO) zu.

Auch die Ergebnisse der globalen Digital IQ® Survey zeigen: Das Engagement der Führungsetagen bei digitalen Investitionen ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, aber ein großer Teil des Managements ist immer noch zurückhaltend, wenn es um Veränderungen geht. Auch haben die Investitionen in Technologie zwar zugenommen, jedoch verfügen heute weniger Unternehmen über Teams, die sich der Erkundung von neuen Technologien oder Innovationen widmen.

Fehlende fachliche Kompetenzen bremsen Digitalisierung

Einen Mangel an Fachkräften orten die Finanzchefs auch in Österreich: Nur 19 Prozent geben an, derzeit die richtigen Kompetenzen im Team zu haben, um digital zu arbeiten, immerhin 38 Prozent führen an, diese seien gerade im Aufbau.

 

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