Bitcoin stellt Banken vor schwierige Entscheidung

Der Bitcoin-Höhenflug macht es für Banken unmöglich, das Phänomen zu ignorieren.

Jüngst liess der Bitcoin das 5.000-Dollar-Hoch hinter sich und knackte die 6.000-Dollar-Marke. Seither kommen die Banken an der Kryptowährung nicht mehr herum. Allerdings würden sich reiche Investoren eher an der Seitenlinie aufhalten, sagte UBS-Generaldirektor Sergio Ermotti in einem Bloomberg-Fernsehinterview in New York. „Die Leute sind eher neugierig, als wirklich bereit, zu investieren. Ich glaube nicht, dass es ein grosses Interesse von hochverdienenden Einzelpersonen gibt, beträchtliche Wetten auf diese Art von Phänomen zu tätigen“.

Doch während der Vorstandsvorsitzende der JPMorgan Chase & Co., Jamie Dimon, im vergangenen Monat erklärte, er würde jeden Angestellten feuern, der auf Bitcoin wettet, haben viele Finanzunternehmen nach Möglichkeiten gesucht, in die der Blockchain-Technologie unterliegenden Kryptowährungen zu investieren. Sie reagieren zunehmend auf das wachsende Interesse von Kunden, die digitalen Münzen zu verfolgen und sogar zu handeln.

In diesem Jahr ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 300 Prozent gestiegen und hat Hedgefonds und wohlhabende Privatpersonen auf sich aufmerksam gemacht. China ist im September gegen Kryptowährungen eingeschritten, während die US-Börsenaufsichtsbehörde im Juli erklärte, dass die Verkäufe einiger neuer digitaler Währungen genauso geregelt werden würden wie Aktien.

Der Bitcoin-Höhenflug macht es für Banken unmöglich, das Phänomen zu ignorieren. Der Kursboom ist das Top-Gespräch unter den Bankern. Einerseits charakterisierten die Geldhäuser die digitale Währung als „Hokupokus-Geld“, da es keinen zugrundeliegenden Wert besitze. Was schwerlich einhergeht mit den Neigungen am Anfang des Jahrhunderts, den Kunden unausgegorene Tech-Werte als kommende Börsen-Rally anzupreisen.

Doch jetzt, nach den jüngsten Kurssprüngen, beginnt das Einlenken. Wie Bloomberg berichtete, haben Analysten der UBS in einer 25-Seiten-Erklärung über die Blockchain-Technologie analysiert, wo wir aktuell stehen. Sie folgern, dass der starke Anstieg der Kryptowährung-Bewertungen in den letzten Monaten zwar eine spekulative Blase hervorgebracht habe, andererseits Blockchain bis zum Jahr 2027 mehr als 300 bis 400 Milliarden US-Dollar an Wert zur Weltwirtschaft hinzufügen könne.

Der unerbittliche Aufstieg von Bitcoin inspirierte gar Analysten in New York zu der Frage: „Was ist Geld?“ Zwei Experten skizzierten die Geschichte des Geldes von den Fiat-Währungen bis hin zur Vor-Alphabetisierung im Tauschhandel-System. Ihr Fazit? „Währung in einfachen Worten ist etwas, was die Gesellschaft glaubt, universell akzeptabel zu sein“. Dies bedeute, dass die digitale Währung eine grundlegende Funktion des Geldes als Wertschöpfungspotenzial erfülle, die Strategen seien jedoch daran interessiert, die Glaubwürdigkeit der Währung vorerst als Tauschmittel zu betrachten.

Die Schwierigkeit bei Kryptowährungen sei, dass sich die fundamentalen Wertdeterminanten noch nicht genau analysieren liessen, betonte die Leiterin Investment Strategy & Research Nannette Hechler Fayd’herbe von der Credit Suisse. Für Kryptowährungen gelten dieselben Grundsätze wie für andere Anlagen. Investieren solle man nur dann, wenn man sie richtig verstehe.

Unterdessen ist die Schweiz auf dem Krypto-Vormarsch: Die Hochschule Luzern akzeptiert Bitcoin. Studierende können seit Neustem ihre Rechnungen per Bitcoin bezahlen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. samba sagt:

    Sehr guter Artikel, ausgewogen in der Information und Betrachtung.
    Weiter so….Danke