Euro-Zone wächst robust: Arbeitslosigkeit sinkt

Überraschend starkes Wachstum / niedrigste Arbeitslosigkeit seit 2009

Die Arbeitslosenquote war im September so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. (Foto: dpa)

Die Arbeitslosenquote war im September so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. (Foto: dpa)

Die Konjunktur in der Euro-Zone schlägt sich trotz Risiken wie dem EU-Abschied Großbritanniens überraschend gut. Zugleich sinkt die Inflation. Das dürfte die Verbraucher erfreuen, der Europäischen Zentralbank (EZB) dagegen Kopfschmerzen bereiten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September um 0,6 Prozent zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat in ihrer Schnellschätzung mitteilte. Ökonomen hatten lediglich 0,5 Prozent erwartet. Im zweiten Quartal gab es revidierten Angaben zufolge ein Plus von 0,7 (bisher: 0,6) Prozent. „Es läuft derzeit rund in der Euro-Zone“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Das sei noch zu Jahresbeginn kaum für möglich gehalten worden. „DieWachstumsraten dürften aber vorerst ihr Hoch hinter sich haben“, betonte Gitzel. „Für einen höheren Zuwachs wäre mehr Rückenwind von der Weltwirtschaft erforderlich.“

Zu den Wachstumslokomotiven zählt Spanien. Trotz der Katalonien-Krise legte das BIP dort im Sommerquartal um 0,8 Prozent zu. Österreich wuchs genauso schnell. Frankreich schaffte ein Plus von 0,5 Prozent. Für die deutsche Wirtschaft erwarten Ökonomen ebenfalls ein Wachstumvon etwa 0,5 Prozent. Eine erste Schätzung gibt das Statistische Bundesamt am 13. November bekannt.

Der Aufschwung bringt immer mehr Männer und Frauen in der Währungsunion wieder in Lohn und Brot: Mit 8,9 Prozent fiel die Arbeitslosenquote im September so niedrig aus wie seit Januar 2009 nicht mehr. Insgesamt hatten 14,513 Millionen Frauen und Männer keinen Job – 96.000 weniger als im Vormonat und 1,463 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Die Unterschiede bleiben aber groß: Deutschland wies mit 3,6 Prozent die niedrigste Quote aus, während sie in Griechenland mit 21,0 Prozent (im Juli) und Spanien mit 16,7 Prozent am höchsten ist.

Trotz der guten Konjunktur verringerte sich der Inflationsdruck im Euro-Raum im Oktober überraschend. Die Verbraucherpreise stiegen nur noch um 1,4 Prozent zum Vorjahresmonat. Ökonomen hatten mit unverändert 1,5 Prozent gerechnet. Die EZB erachtet einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung. Sie versucht seit längerem, mit einer Geldflut die unerwünscht niedrige Inflation nach oben zu treiben. Die EZB hatte vorige Woche beschlossen, ihre umstrittenen Anleihekäufe ab Anfang 2018 auf monatlich 30 Milliarden Euro für zunächst neun Monate zu halbieren. Ein mögliches Ende der Käufe bleibt dabei offen. Auch eine baldige Abkehr von der Null-Zins-Politik ist nicht in Sicht.

Stärkster Preistreiber war im Oktober einmal mehr die Energie. Allerdings verteuerte sie sich mit 3,0 Prozent nicht mehr so stark wie noch im September mit 3,9 Prozent. Lebensmittel, Alkohol und Tabak kosteten diesmal 2,4 Prozent mehr. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,2 Prozent.

 

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