Umfrage: Fachkräftemangel bremst Deutschlands Mittelständler

Steigende Arbeitskosten / Belastete Wettbewerbsfähigkeit

Um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren, müssen die Beschäftigten oft mehr arbeiten. (Foto: dpa)

Um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren, müssen die Beschäftigten oft mehr arbeiten. (Foto: dpa)

Der Fachkräftemangel belastet einer Studie zufolge die Geschäfte mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Bei einer Umfrage unter 800 Firmen gaben 57 Prozent an, Auswirkungen zu spüren, wie aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der DZ Bank hervorgeht.

Um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren, müssten die Beschäftigten oft mehr arbeiten. Dadurch stiegen die Arbeitskosten, das belaste die Wettbewerbsfähigkeit. 56 Prozent der Mittelständler mit einem Jahresumsatz von 0,5 bis 50 Millionen Euro mussten sogar Aufträge ablehnen. Über die Studie hatte zuerst die „Welt“ berichtet.

Zugleich sind fehlende Fachkräfte für 61 Prozent der Firmen ein Investitionshindernis. „Wenn der Fachkräftemangel das Geschäft der Unternehmen bremst und Zukunftsinvestitionen verhindert, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet“, warnte DZ Bank-Firmenkundenvorstand Stefan Zeidler.

Gesucht sind den Angaben zufolge unter anderem Spezialisten für IT- und Digitalisierung. 29 Prozent der großen Mittelständler, die die Folgen des Arbeitskräftemangels im Tagesgeschäft spüren, konnten den Angaben zufolge deswegen entsprechende Projekte nicht realisieren.

Ein Problem aus Sicht der Unternehmen: Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal treibt die Löhne nach oben. Drei Viertel der großen Mittelständler mit einem Jahresumsatz zwischen 50 und 125 Millionen Euro leidet den Angaben zufolge darunter. Die Hälfte der kleineren Firmen, die Probleme bei der Mitarbeitersuche haben, gab an, dass sie die geforderten oder von anderen Unternehmen gebotenen Löhne nicht bezahlen könnten.

„Die mittelständischen Unternehmen warten bislang vergeblich darauf, dass eine zielgerichtete Zuwanderungspolitik oder Bildungsinvestitionen der öffentlichen Hand die Situation verbessern“, mahnte Zeidler.

Mehr offene Stellen

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab es im dritten Quartal in Deutschland fast 1,1 Millionen offene Stellen. Dies waren 174 400 Stellen mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal, wie aus einer repräsentativen Betriebsbefragung des Instituts hervorgeht. In Westdeutschland waren 842 200 offene Stellen zu vergeben, in Ostdeutschland 255 400. Fast zwei Drittel der Stellen waren bei kleinen Unternehmen mit maximal 49 Beschäftigten zu finden.

„Besonders stark gestiegen ist die Personalnachfrage gegenüber dem Vorjahr im verarbeitenden Gewerbe und im Bereich Verkehr und Lagerei“, sagte Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis nach IAB-Angaben vom Montag. Mit ihrer Stellenerhebung untersuchen die Nürnberger Forscher viermal jährlich das gesamte Angebot – also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Sie werteten dafür Antworten von rund 6000 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche aus.

 

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