Wirtschaftsweise: Unternehmen investieren wieder mehr

Deutsche Unternehmen legen Zurückhaltung des vergangenen Jahres ab / Politische Unsicherheit im Euro-Raum schrumpft

Die Unternehmen stecken wieder mehr Geld in Ausrüstung, Forschung und Bildung. (Foto: dpa)

Die Unternehmen stecken wieder mehr Geld in Ausrüstung, Forschung und Bildung. (Foto: dpa)

Den von der Bundesregierung beauftragten Wirtschaftsweisen zufolge investieren deutsche Unternehmen wieder verstärkt in ihre Ausrüstung sowie in Forschung und Bildung. Die Ausrüstungsinvestitionen haben die Schwächephase des Jahres 2016 überwunden, schreiben die fünf Ökonomen in ihrem jüngsten Bericht.

Die Belebung der Weltkonjunktur und die anziehenden Exporte dürften hierfür ebenso eine Rolle gespielt haben wie die reduzierte politische Unsicherheit im Euro-Raum. Im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Ausrüstungsinvestitionen annualisiert um 4 Prozent gegenüber dem Vorhalbjahr. Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe sowie der OrderCapacity-Index zeigen an, dass die Produktionskapazitäten in der Industrie bereits überausgelastet sind. Dies deutet wie die Exportaussichten auf eine weitere Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen hin. Die Absatzerwartungen der Unternehmen sind angesichts der guten konjunkturellen Lage im In- und Ausland hoch.

Zudem sind die Finanzierungsbedingungen sehr gut. Dem Bank Lending Survey der Deutschen Bundesbank zufolge haben die deutschen Banken die Kreditkonditionen für Haushalte und Unternehmen in den vergangenen Quartalen gelockert. Gleichzeitig befinden sich die Kreditzinsen für Unternehmen und Haushalte auf einem äußerst niedrigen Niveau. Im Prognosezeitraum dürften die Finanzierungsbedingungen insgesamt günstig bleiben. Die konjunkturelle Aufhellung und eine höhere Preisdynamik im Euro-Raum dürften aber mit einer allmählichen geldpolitischen Straffung einhergehen, weshalb im Prognosezeitraum leicht anziehende Langfristzinsen erwartet werden.

Die Kreditvergabe der Banken an inländische Unternehmen und private Haushalte hat im Verlauf des Jahres spürbar angezogen. Mit Vorjahresraten von 3,4 Prozent für Unternehmen und 3,5 Prozent für private Haushalte expandiert das Kreditvolumen im Juni etwas kräftiger. Vergleichbare Zuwachsraten waren zuletzt Anfang 2012 beobachtbar.

Auch die Private Equity-Firmen haben im laufenden Jahr so viele Kredite vergeben und Investitionen getätigt, wie nie zuvor. „Mit ausgesprochen starkem Rückenwind gehen die in Deutschland tätigen Private-Equity-Häuser in das Jahresendgeschäft, wie das heute veröffentliche FINANCE Private Equity Panel zeigt – eine anonyme Marktumfrage von FINANCE und der Kanzlei CMS unter mehr als 50 führenden Private-Equity-Häusern. Die nochmalige Verbesserung der Investitionsbedingungen führt zu einer unerwarteten Trendumkehr. Wechselten im Lauf des ersten Halbjahrs noch viele Private-Equity-Manager ins Verkäuferlager, kehren sie nun wieder zurück und zeigen sich hungrig auf Neu-Investments“, schreibt das Finance Magazin.

Gleichwohl entwickelt sich das Kreditvolumen in Relation zum nominalen BIP nach wie vor unauffällig, das Verhältnis sinkt sogar leicht. Zudem befindet sich die Kredit-BIP-Lücke, ein Indikator für die Finanzstabilität, noch im negativen Bereich und signalisiert keine Stabilitätsgefahren.

All dies wirkt positiv auf die Entwicklung der Unternehmensinvestitionen. Vor diesem Hintergrund ist in den Jahren 2017 und 2018 für die Ausrüstungsinvestitionen mit Zuwachsraten von 2,3 Prozent beziehungsweise 5,1 Prozent zu rechnen. Dabei ist zu beachten, dass die jahresdurchschnittliche Entwicklung die tatsächliche Entwicklung im Jahr 2017 nur unzureichend abbildet, denn sie wird durch einen hohen statistischen Unterhang aus dem Jahr 2016 nach unten gedrückt. Die Verlaufsrate gibt mit einem Wert von 6,3 Prozent die tatsächliche Dynamik im Jahr 2017 erheblich besser wieder.

Für die Investitionen in sonstige Anlagen, die vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung beinhalten, erwartet der Sachverständigenrat angesichts der guten Ertragslage der Unternehmen und der zukünftigen Herausforderungen durch die Digitalisierung weiterhin kräftige Zuwachsraten. Nach einem Anstieg um 5,5 Prozent im Jahr 2016 prognostiziert er für die Jahre 2017 und 2018 Zuwächse von 4,2 Prozent beziehungsweise 4,9 Prozent.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.