Beschäftigte in der Metall- und Elektrobranche wollen höheren Lohn

In der Metall- und Elektroindustrie beginnen die Tarifverhandlungen in mehreren Bezirken.

Nach Vorstellungen der IG Metall sollen die Beschäftigten ihre Arbeitszeit vorübergehend von 35 auf bis zu 28 Stunden pro Woche senken. (Foto: dpa)

Nach Vorstellungen der IG Metall sollen die Beschäftigten ihre Arbeitszeit
vorübergehend von 35 auf bis zu 28 Stunden pro Woche senken. (Foto: dpa)

Die Gewerkschaftsforderungen nach sechs Prozent mehr Geld und individueller Arbeitsverkürzung sind zum Auftakt der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie auf ein entschiedenes Nein der Arbeitgeber gestoßen. Der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall habe das Forderungspaket beim ersten Treffen am Mittwoch in Hannover brüsk zurückgewiesen, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. „Die Arbeitgeber stellen auf stur und verschließen sich.“ Dies gelte sowohl für die prozentuale Tariferhöhung als auch für den Anspruch einzelner Beschäftigten, die Arbeitszeit befristet auf zwei Jahre verkürzen zu können. Angesichts der hervorragenden Lage in der Branche sei das Verhalten grotesk.

Die IG Metall fordert für die 3,9 Millionen Beschäftigten der größten deutschen Industriebranche neben der Entgelterhöhung ein Recht für Arbeitnehmer, im Einzelfall befristet die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden verkürzen zu können. Dies soll ohne Begründung möglich sein und die Arbeitszeitverkürzung auch blockweise genommen werden können. Wer zur Betreuung von Kindern oder zur Pflege von Angehörigen kürzer treten will, soll vom Arbeitgeber einen Entgeltausgleich von 200 Euro brutto im Monat erhalten. Die Arbeitgeber lehnen das ab, weil die Lohnkosten damit stiegen und sich der aktuelle Fachkräftemangel noch verschärfen könne. „Mehr Geld fürs Nichtstun wird es mit uns nicht geben“, sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger kürzlich der „Nordwest-Zeitung“.

Auch in Berlin-Brandenburg und in Baden-Württemberg kamen die Tarifparteien am Mittwoch zu der ersten Verhandlungsrunde zusammen. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth kritisierte in der „Stuttgarter Zeitung“ die Arbeitszeitforderungen der Gewerkschaft. „Was wir brauchen, ist eine Flexibilität der Arbeitszeiten nach oben“, forderte er. Das wolle auch eine Mehrheit der Arbeitnehmer, die 28-Stunden-Woche sei daher eine Forderung für einen kleinen Teil der Beschäftigten. Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirkschef Roman Zitzelsberger erklärte hingegen, nach einer Umfrage der Gewerkschaft befürworteten 80 Prozent der Beschäftigten, die Arbeitszeit vorübergehend reduzieren zu können. Die IG Metall schalte sich damit in eine gesellschaftliche Debatte ein. Die Wirtschaft stehe in der Verantwortung, ihre Beschäftigten bei sozialen Themen wie Kinderbetreuung und Pflege zu unterstützen.

Beide Seiten erwarten schwierige Gespräche. Für Mitte Dezember ist die zweite Verhandlungsrunde geplant. Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember, so dass ab Januar Warnstreiks möglich wären. Die IG Metall plant neben stundenweise Arbeitsniederlegungen auch ganztägige Warnstreiks schon vor dem Scheitern von Verhandlungen, was die Unternehmen angesichts der brummenden Konjunktur empfindlich treffen würde. Daimler-Vorstand Porth bezog eine harte Haltung: „Es gibt eine klare Entschlossenheit auf Unternehmensseite, zu diesen Konditionen nicht zum Abschluss zu kommen. Dieses Mal sind Grenzen überschritten worden, wo wir deutlich etwas entgegensetzen werden.“

Porth sitzt in Baden-Württemberg mit am Verhandlungstisch. Der nach Nordrhein-Westfalen zweitgrößte Bezirk der Gewerkschaft erzielte in der Vergangenheit häufig den Pilotabschluss für die Branche.

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