Keine Kapazitäten: Bauindustrie wehrt sich gegen Vorwürfe

Baulandengpässe und Mangel an Planungskapazitäten für Genehmigungsrückgang verantwortlich.

„Die Bauindustrie verfügt über ausreichende Kapazitäten, die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu bedienen. Die reflexartigen Versuche einiger Kommentatoren, die Verantwortung für den Rückgang der Wohnungsbaugenehmigungen der Bauwirtschaft in die Schuhe zu schieben, gehen an den tatsächlichen Ursachen vorbei. Nicht Kapazitätsengpässe in unserer Branche sind die Ursache für den Rückgang der Genehmigungen, es sind – neben statistischen Effekten – vor allem Baulandengpässe und der Mangel an Planungskapazitäten in den Kommunalverwaltungen, die die Genehmigungsentwicklung bremsen.“

Mit diesen Worten weist Dieter Babiel, neuer Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V., Warnungen u. a. der staatlichen Förderbank KfW zurück, nach denen die Bauwirtschaft aufgrund der anhaltenden Hochkonjunktur inzwischen so stark ausgelastet sei, dass dies zu einem Rückgang der Baugenehmigungen in den ersten neun Monaten von 7 Prozent auf 256.800 Wohnungen geführt habe. „Die Kritiker verwechseln anscheinend Genehmigungen mit Fertigstellungen. Genehmigt ist aber noch nicht gebaut. Dies hat somit noch keine Auswirkungen auf die vorhandenen Kapazitäten.“

„Und wenn dem so wäre, müssten ja insbesondere die Neubaugenehmigungen von Mehrfamilienhäusern einbrechen“, wendet Babiel ein, „das ist aber nicht der Fall.“ Im Gegenteil – in den ersten drei Quartalen seien mit 125.000 Wohnungen knapp ein Prozent Wohnungen mehr genehmigt worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insbesondere in den Ballungsgebieten wie Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Hamburg und München, die – aufgrund hoher Zuwanderung – besonders unter Wohnungsmangel leiden, seien die Genehmigungen in der Summe der Städte mit einem zweistelligen Plus noch einmal stark angestiegen.

„Für den Einbruch der Genehmigungen sind aber auch statistische Effekte verantwortlich“, erklärt Babiel. Zum einen sei seit fast 10 Jahren ein Anstieg der Baugenehmigungen zu verzeichnen. Dies hat zu einem Genehmigungsüberhang von fast 400.000 Wohnungen geführt. Zum anderen sei es im vergangenen Jahr aufgrund eines Vorzieheffektes durch die Verschärfung der Energieeinsparverordnung noch zu einem zweistelligen Genehmigungsplus gekommen. Hinzu komme der abnehmende Bedarf an Flüchtlingsunterkünften: Die Genehmigungen von Wohnungen in Wohnheimen seien um 41 Prozent zurückgegangen, nach einem Plus von über 100 Prozent im vergangenen Jahr.

Babiel: „Der Bedarf ist da, letztendlich fehlen aber die nötigen Flächen und die Planungskapazitäten in den Behörden. Wir appellieren deshalb an die Kommunen, neben ausreichend Bauland auch genügend Personal zur Verfügung zu stellen.“

 

 

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