Studie: Deutschland großer Verlierer bei US-Steuerreform

Deutschland und seine Wirtschaft werden nach einer Studie zu den Verlierern der sich abzeichnenden US-Steuerreform mit der massiven Absenkung der Unternehmenssteuersätze zählen.

Die Reform werde nicht nur den Steuerwettbewerb zwischen Amerika und Europa anheizen, sagte der Studienleiter Christoph Spengel vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. „Zusätzlich wird der Wettbewerb zwischen den EU-Mitgliedern um US-Investitionen zunehmen; Deutschland ist dabei der Verlierer“, wird Spengel von Reuters zitiert. Eine der Konsequenzen sei eine grundlegende Veränderung der Investitionsströme in der Welt, die stärker in die USA geleitet würden. Die EU werde als Folge davon Einnahmen verlieren.

Die nächste Bundesregierung sei daher gut beraten, eine Strategie zur Steigerung der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu entwickeln, schlagen die Autoren der Studie vor. „Deutschland ist nunmehr angehalten, sein System der Unternehmensbesteuerung wettbewerbsfähig zu halten“, sagte er. Zwar müsse man hierzulande nicht die Sätze auf das künftige Niveau in den USA senken, helfen würden aber eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags, bessere Abschreibungsmöglichkeiten und eine steuerliche Forschungsförderung.

Nach den bisherigen Reformkonzepten würde die effektive Steuerlast von US-Konzernen von bisher 36,5 Prozent im Durchschnitt auf 22,7 Prozent abgesenkt, heißt es in der Studie einer Forschergruppe der Universität Mannheim. Damit läge die Belastung der US-Firmen deutlich unter dem Vergleichssatz in Deutschland von 28,2 Prozent und nahe dem EU-Durchschnitt von 20,9 Prozent. Verbunden damit komme es zu einer grundsätzlichen System-Änderung. Entgegen dem global vorherrschenden Steuersystem werde nicht mehr das Welt-Einkommen von US-Unternehmen besteuert, sondern in Zukunft nur die in den USA erzielten Gewinne.

Grundsätzlich wird nach dem Expertenbericht von der US-Steuerreform eine Sogwirkung auf Investoren aus aller Welt in Richtung USA ausgehen – auch auf deutsche. Die deutschen Direktinvestitionen in den USA könnten als Folge mittelfristig um 39 Milliarden Euro steigen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.