Europa ist Heimat der ältesten Familienunternehmen

In Europa befindet sich Mehrheit der ältesten, heute noch aktiven, Familienunternehmen / Nachhaltige Geschäftsmodelle

Auf der Suche nach Geschäftsmodellen, die über Jahrhunderte mit ihrer Nachhaltigkeit zur Gemeinwohlmehrung beitragen konnten, wird man in der über 3.000 Jahre bestehenden Hochkultur der ägyptischen Pharaonen fündig. Trotz der Abwesenheit einer regulierenden Währung funktionierte die Wirtschaft mit einem einfachen Tauschsystem. Die Nachhaltigkeit dieses Systems wurde dadurch sichergestellt, dass die Tauschenden immer auf die Gleichwertigkeit der getauschten Waren achten, d.h. diese den jeweils annähernd gleichen Nutzen stiften mussten. Stellten die Menschen fest, dass sie bei einem oder mehreren Tauschgeschäften einen geringeren Nutzen empfangen als sie hergegeben hatten, sank die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass ein weiterer Tausch mit dem jeweiligen Geschäftspartner zustande kommen würde.

Dieser Grundsatz gilt auch noch in der heutigen Wirtschaft. Bei dem Kauf eines konkreten Gutes des täglichen Lebens wie Lebensmittel und Kleidung ist es dem Käufer durch den Vergleich von Preis und Qualität jederzeit möglich, den Nutzen richtig einzuschätzen, den ihm das gekaufte Gut verschafft. Komplizierter wird es bei den abstrakten Produkten, die in den letzten Jahrzehnten insbesondere von der Finanzwelt als Güter angeboten wurden.
Ein positives Beispiel für nachhaltige Geschäftsmodelle liefern Familienunternehmen, die es über Jahrtausende geschafft haben, die an sie herangetragenen Herausforderungen in Form von Regierungskrisen, Kriegen, Naturkatastrophen oder korrupten Geschäftspartnern zu meistern. Das Auswahlkriterium für die Statistik der hundert ältesten Familienunternehmen der Welt ist, dass sie mindestens 235 Jahre alt sind. Von den zehn ältesten Unternehmen der Welt stammen neun aus Europa und eins aus Japan. Von den letzten zehn der 100 ältesten Unternehmen der Welt stammen sieben aus Europa und je eins aus Nord- und Mittelamerika sowie Südafrika.

Das älteste Familienunternehmen der Welt war bis zu seinem Verkauf im Jahr 2006 an die Takamatsu Construction Group das japanische Unternehmen KONGO GUMI, das im Jahr 578 gegründet wurde. Über 51 Generationen hat sich KONGO GUMI als Tempelbauer behauptet. Neben der Planung und dem Bau von Tempeln hat man das Geschäftsmodell im Laufe der Generationen um private und öffentliche Bauten erweitert. Diese zeigen in ihrer Konstruktion architektonische Zitate von Tempeln wie beispielsweise geschwungene Dachlinien. Die kontinuierliche und damit sehr nachhaltige Entwicklung des Unternehmens setzt sich auch mit dem neuen Eigentümer fort und unter anderem dadurch begünstigt, dass seine „Produkte“ auch nach hunderten von Jahren als Gebäude präsent und sichtbar sind und damit Zeugnis von einer mittlerweile über 1.400-jährigen Unternehmensgeschichte geben.

Seit der Übernahme von KONGO GUMI steht das im Jahr 718 gegründete japanische Heilquellenbad HOSHI ONSEN in Komatsu, Präfektur Ishikawa, an erster Stelle auf der Liste der 100 ältesten Familienunternehmen.

Die große Mehrheit der 100 ältesten Familienunternehmen der Welt hat sich im Laufe der Jahrhunderte jedoch in Europa angesiedelt und dort ein Umfeld gefunden, in dem sie sich über Generationen nachhaltig entwickeln konnten.

Dieser Beitrag ist entnommen aus „Profitmaximierung oder Gemeinwohlmehrung. Interne und externe Motive des Umdenkens“ als Teil aus dem Band „Von der sozialen zur ökosozialen Marktwirtschaft“. Erschienen im Springer-Verlag, 2018.

Max W. Römer ist Gründungspartner und Chairman von Quadriga Capital, Gründungsvorstand des Bundesverbands der Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK Berlin, und Past-Chairman von InvestEurope, Brüssel.

 

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