Studie: Mittelstand mit guter Eigenkapitalquote

Rentabilität leicht rückläufig / Investition in Digitalisierung

Die Lage im deutschen Mittelstand ist ebenso hervorragend wie die gesamtwirtschaftliche Situation und die öffentliche Finanzlage in Deutschland. Die neue Ausgabe der „Diagnose Mittelstand“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) belegt diese Konstellation: Verschlechterungen der Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr werden aus keiner einzigen Region gemeldet. Ein solch einhelliges Ergebnis hat es in der Geschichte dieser Studie laut DSGV noch nie gegeben. Mehr als die Hälfte der Einschätzungen meldet eine Verbesserung zwischen Sommer 2016 und Sommer 2017, die verbleibende knappe Hälfte ein „unverändert“. Und auch zukunftsgerichtet, für 2018, wird mit großer Mehrheit erwartet, dass die Lage im Mittelstand mindestens unverändert gut bleibt (83 Prozent) oder sich sogar noch weiter verbessert (gut 14 Prozent). Für den Umgang mit den staatlichen Haushaltsüberschüssen gibt die Diagnose Mittelstand klare Hinweise zu den Erwartungen und Prioritäten des Mittelstandes – ein Aspekt, der gerade mit Blick auf die neue Legislaturperiode der neuen Koalition auf Bundesebene von hohem Interesse ist. Vorrang sollte der Ausbau der staatlichen Infrastruktur genießen. Erst danach wünschen sich die Mittelständler steuerliche Entlastungen. Sie sehen ein Problem auch nicht in erster Linie in der Höhe der Steuern, sondern vielmehr in deren Komplexität. Hier sollte vereinfacht werden.

Die Bilanzen des deutschen Mittelstandes zeigen sich aktuell in einem sehr aufgeräumten und komfortablen Zustand. Teil der Diagnose Mittelstand ist regelmäßig die Auswertung der Bilanzdatensammlung der Sparkassen-Finanzgruppe. Sie ist mit bis zu 300.000 Abschlüssen pro Jahr die größte systematisch analysierbare Datenbank dieser Art in Deutschland.

Auf Grundlage der bisher vorliegenden Jahresabschlüsse zum Bilanzjahrgang 2016 errechnet sich im vorläufigen Mittel zwar ein leichter Rückgang der Umsatzrentabilität (auf 7,4 Prozent als Median). Doch der endgültige Wert wird nach allen Erfahrungen der Vorjahre nach Eingang aller Bilanzen noch ein Stück besser ausfallen. Und auch auf dem einstweiligen Niveau zeigt der Wert im langjährigen Vergleich eine gute Ertragslage an. Ähnliches ergibt sich aus den Trends der anderen in der Diagnose verwendeten Kennzahlen zur Ertragslage (Gesamtkapitalverzinsung, Personalaufwandsquote). Noch robuster zeigt sich die Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes. Die Eigenkapitalquote ist erneut kräftig angestiegen: Der Median der bisher vorliegenden Mittelstandsbilanzen aus dem Jahr 2016 liegt bei 28,3 Prozent (gegenüber endgültigen 24,2 Prozent 2015).

Die Bankenregulierung aufgrund von Basel II und III dürfte auch in den Unternehmen zu einer Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis geführt haben. Denn eine gute Eigenkapitalausstattung erleichtert den Zugang zu externen Finanzierungsmitteln – darauf werden sie von den Firmenkundenberatern regelmäßig hingewiesen. Der Mittelstand kann auf Grundlage des soliden Eigenkapitals nunmehr verstärkt Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen finanzieren. Mit einbehaltenen Gewinnen lassen sich zudem immaterielle Kapitalgüter wie Software oder Lizenzen einfacher finanzieren, betriebliche Altersvorsorgerückstellungen garantieren und Auslandsinvestitionen realisieren. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass gerade die mittelständische Wirtschaft, deren Eigentümer langfristorientiert handeln und in Generationen denken, ihre Eigenkapitalbasis auch im Bilanzjahr 2016 gestärkt hat. Aber auch Großunternehmen verfolgen zur Festigung ihrer Unternehmensstabilität dieses Motiv.

Über alle Unternehmensgrößen hat sich die Ausstattung mit Eigenkapital auch im Bilanzjahr 2016 weiter aufgebaut. Der Median der Eigenkapitalquote liegt im Mittelstand bei 28,3 Prozent und damit nochmals gut vier Prozentpunkte über dem Wert des Bilanzjahres 2015 – mit Einlaufen weiterer Bilanzen dürfte sich dies aber etwas abschwächen. Auch Großunternehmen haben ihr Eigenkapital ausgebaut. Der Median, also der Wert, den die Hälfte der Unternehmen überschreitet und die andere Hälfte unterschreitet, ist bei Großunternehmen über 50 Millionen Euro Umsatz von 32,6 Prozent 2015 auf nunmehr 33,5 Prozent für das Bilanzjahr 2016 angestiegen.

Der größte Anstieg zeigt sich bei Unternehmen bis eine Million Euro Jahresumsatz. Bei den Kleinbetrieben liegt die Eigenkapitalausstattung zuletzt im Mittel bei 28 Prozent, was gegenüber dem Bilanzjahr 2015 ein beachtliches Plus von sieben Prozentpunkten bedeutet. Mit diesem Wert konnten die Kleinbetriebe mit ihrer Eigenkapitalausstattung erstmals seit Bestehen der Diagnose Mittelstand an den Durchschnitt aller mittelständischen Unternehmen anknüpfen. Allerdings gilt diese Aussage unter Vorbehalt: Denn gerade Kleinunternehmen mit schwacher Eigenkapitalausstattung gehören zu den Betrieben, die ihre Bilanzen recht spät einreichen, sodass sie in dieser Auswertung noch nicht vollständig berücksichtigt werden konnten.

Trotz dieses Vorbehalts lässt sich für die Kleinbetriebe aber eine positive Eigenkapitalentwicklung festhalten. Die mittleren Betriebe mit einem Umsatz von einer bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz konnten eine Eigenkapitalquote von 28,4 Prozent realisieren – auch für sie gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg, und zwar um mehr als zwei Prozentpunkte. Entsprechend der positiven Entwicklung bei der Stärkung der unternehmerischen Eigenkapitalbasis zeigt auch der Anteil der Unternehmen, die ohne Eigenkapital oder sogar mit negativem Eigenkapital arbeiten, – dargestellt als Nullpunktquote – eine positive Entwicklung.

Insgesamt reduziert sich der Anteil dieser Unternehmen im Mittelstand auf 16 Prozent. Bis einschließlich Bilanzjahr 2008 war noch ein Drittel aller mittelständischen Unternehmen ohne oder sogar mit negativem Eigenkapital aktiv. Auch bei Kleinunternehmen bis zu einer Million Euro Umsatz im Jahr, die noch im Bilanzjahr 2014 eine Nullpunktquote oberhalb von 30 Prozent aufwiesen, ist eine deutliche Reduzierung sichtbar: Nur noch etwas mehr als jedes fünfte Unternehmen verfügt nun über kein Eigenkapital. Bei den mittleren Unternehmen, die im Jahr einen Umsatz von einer bis zu 50 Millionen Euro erwirtschaften, reduzierte sich die Nullpunktquote von 15,7 Prozent 2014 über 14,7 Prozent im Bilanzjahr 2015 auf 11,3 Prozent im Berichtsjahr. Auch bei den Großunternehmen oberhalb von 50 Millionen Euro Jahresumsatz sank die Zahl der Unternehmen ohne bzw. mit negativem Eigenkapital, und zwar auf 4,1 Prozent.

Anfang des Jahrzehnts lag diese Quote noch bei fast sechs Prozent. Mit Ausnahme des Bilanzjahres 2015, als der Anteil der Unternehmen ohne Eigenkapital bei Großunternehmen vorübergehend auf 5,3 Prozent anstieg, konnte in den übrigen Bilanzjahren seit 2013 die Nullpunktquote auf unter fünf Prozent gedrückt werden.

Die Eigenkapitalquote von Großunternehmen im Bausektor hat sich vom Bilanzjahr 2015 auf 2016 zwar von 17,0 Prozent auf 17,4 Prozent erhöht. Die Quote an eigenkapitallosen Unternehmen in diesem Bereich ist jedoch ebenfalls wieder etwas höher ausgefallen. Sie stieg von 3,5 auf 5,5 Prozent. Allerdings waren die niedrigen 3,5 Prozent für 2015 auch der Ausreißer in der längeren Zeitreihe. Eine mögliche Interpretation wäre allerdings auch, dass die Unternehmen infolge der hohen Kapazitätsauslastung verstärkt Erweiterungs- und/oder Rationalisierungsinvestitionen zulasten ihrer Eigenkapitalbasis veranlasst haben. Das wäre dann eine positiv zu interpretierende Entwicklung. Wenn diese Deutung zutrifft, dann wird sich mit Ausweitung der Bauproduktion infolge erweiterter Kapazitäten aus künftigem Cash-flow die Eigenkapitalbasis auch wieder deutlich erholen. Zwar ist auch bei den Bauunternehmen mittlerer Größe von einer bis 50 Milionen Euro Jahresumsatz eine Reduzierung der Eigenkapitalbasis festzustellen. Bei diesen ist zugleich aber auch die Zahl der Unternehmen ohne Eigenkapital zurückgegangen, von 13,8 Prozent 2015 auf 12,0 Prozent im Berichtsjahr 2016.

Mit 28,7 Prozent der Nennungen weisen die Sparkassenexperten auf die Finanzierung von Erweiterungsinvestitionen hin. Gegenüber den Vorjahren bleiben die Erweiterungen damit auf erneut hohem Niveau. Dies ist nicht verwunderlich: Mit anhaltendem wirtschaftlichem Aufschwung und steigender Kapazitätsauslastung müssen Anlagen ausgebaut werden. Erfreulich ist dies: Damit stellen die mittelständischen Unternehmen die Grundlage für weiteres Wachstum in Deutschland. Gegenüber den Vorjahren sind die Finanzierungsmittel für Ersatzinvestitionen zurückgegangen, Rationalisierungsmaßnahmen wurden ausgeweitet, während sich die Erweiterungsinvestitionen in etwa auf Stand der Vorjahre hielten. Die Finanzierungsbedingungen werden weiter günstig bleiben: Die Forschungsinstitute rechnen in ihrem Herbstgutachten erst im Verlauf des Jahres 2019 mit leicht anziehenden Zinsen. In allen Bundesländern liegt der Anteil der Ersatzinvestitionen über dem Anteil der Investitionen, die für Rationalisierungsmaßnahmen vorgesehen sind.

 

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