Gentechniker in Israel entwickeln künstliche Hühner

Synthetisches Fleisch wird im Labor produziert, in dem echte Tierzellen herangezüchtet werden.

Vor 85 Jahren schrieb Winston Churchill einen Artikel, in dem er voraussagte, dass die Menschen bald ihr Fleisch anbauen würden, anstatt Tiere dafür zu kultivieren.

Offenbar wird seine „Vorherhersage“ schon bald Wirklichkeit. SuperMeat, ein israelisches Biotech- und Food-Tech-Startup, das in Labors hergestelltes Hühnerfleisch entwickelt, konnte kürzlich drei Millionen US-Dollar an Startkapital einsammeln. Damit wird SuperMeat das neueste Unternehmen von so genannten „Sauberes Fleisch“-Unternehmen.

Denn auch andere sind in diesem „Business“ aktiv, darunter die Milliardäre Bill Gates und Richard Branson, das große Landwirtschaftsunternehmen Cargill und die Risikokapitalfirma DFJ, alle in der Hoffnung, eine völlig neue Industrie zu schaffen, ebenfalls unter dem Label „Sauberes Fleisch.“

Unterstützt wird das israelische Startup SuperMeat vom US-amerikanischen Risikokapitalfonds New Crop Capital und dem „missionsorientierten“ VC-Unternehmen Stray Dog Capital. Hinzu kommen strategische Investitionen von PHW, einem der größten Geflügelproduzenten Europas. Letzterer signalisiere weniger Störungen und mehr Transformation, wie das geschäftsführende Vorstandsmitglied und SuperMeat Mitbegründer Ido Savir erklärte.

Savir, seit 20 Jahren überzeugte Veganer, ist der Ansicht, die Investition von PHW sei ein Beweis dafür, dass die Nahrungsmittelindustrie bereit sei, neue Technologien zu akzeptieren – insbesondere um die Nahrungsmittelproduktion weiter zu anzupassen – und zwar auf nachhaltigere Art und Weise.

Das ist das langfristige, wenn auch noch nicht realisierte Versprechen von „Sauberem Fleisch“. Es wird im Labor produziert, in dem echte Tierzellen herangezüchtet werden. Im Falle von SuperMeat stammen diese aus einem Huhn. Einfach ausgedrückt, beinhaltet der Prozess die Fütterung der Zellen mit den richtigen Nährstoffen, um Muskel und Fett zu produzieren – wie es normalerweise passieren würde, wenn sie im Körper eines Tieres wachsen.

Wenn im Labor hergestelltes Fleisch die Notwendigkeit ersetzen könnte, Tiere zu züchten (und zu schlachten), wäre es nach Meinung von SuperMeat vorteilhaft, die Umweltauswirkungen der industriellen Landwirtschaft zu verringern und die Ausbreitung lebensmittelbedingter Krankheiten zu verringern. “Die potenziellen Vorteile für die öffentliche Gesundheit und den Tierschutz sind beträchtlich“, betont SuperMeat. Vor allem unter dem Gesichtspunkt des verbreiteten Einsatzes von Antibiotika in der Landwirtschaft und der sich schnell entwickelnden Antibiotikaresistenz.

Das Unternehmen führt zur Begründung der Entwicklung von synthetischem Fleisch auch Untersuchungen an, die von den Universitäten Oxford und Amsterdam durchgeführt wurden. Die Umstellung auf sauberes Fleisch soll – verglichen mit dem Ressourcenverbrauch in der bisherigen konventionellen Tierzucht; allerdings unter der Maßgabe einer völligen Umstellung auf laborgezüchtetes Fleisch – eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um bis zu 98 Prozent, der Landnutzung um 99 Prozent und des Wasserverbrauchs um bis zu 96 Prozent ermöglichen. Die Nachfrage nach Fleisch wird sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln.

Für synthetisches Fleisch ist es in der Praxis jedoch noch zu früh. Wie seine Konkurrenten in diesem Bereich hat SuperMeat einige große Hürden zu überwinden, sowohl in Bezug auf die Kernkompetenz des Fleischanbaus in einem Labor, das dann tatsächlich auch schmackhaft ist, als auch auf die Entwicklung eines Herstellungsprozesses, der diese „Saubere Fleisch“-Farmen skalieren lässt, also über die notwendigen Produktionsmittel verfügt als auch das nötige Kapital – und zu einem Preis, der mit tierischem Fleisch konkurrieren kann. Bis zu drei Jahren könnte es dauern, schätzt SuperMeat, bis seine Produkte in den Supermarktregalen stehen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.