Deutschland: Schwache Inflation sorgt für Zuversicht und Skepsis

Nach europäischer Methode (HVPI) stiegen die Verbraucherpreise im Februar um 1,2 Prozent.

Die im Februar in Deutschland schwächer als erwartet ausgefallene Teuerungsrate hat gemischte Reaktionen unter Marktbeobachtern hervorgerufen. Während der Eine schätzt, dass es nun schlimmer nicht mehr kommen kann, glaubt der Andere, dass man sich durchaus noch auf weitere trübe Monate einstellen muss. Einigkeit herrscht hingegen in Sachen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein schneller Kurswechsel wird von den meisten Experten auch weiterhin ausgeschlossen.

Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden nach einer ersten Schätzung mitteilte, lagen die Verbraucherpreise in Deutschland im Februar 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die niedrigste Rate seit November 2016. Im Januar hatte die Inflationsrate noch bei 1,6 Prozent gelegen. Analysten hatten eine Rate von 1,5 Prozent erwartet.

Nach Daten der Statistiker sind im Februar vor allem Energie und Nahrungsmittel schwächer gestiegen als im Januar. Dienstleistungen, darunter Wohnungsmieten, verteuerten sich dagegen in etwa so stark wie im Vormonat.

Mit der abermals schwachen Inflationsrate dürfte nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Marco Wagner nun der Tiefpunkt erreicht worden sein. „In den kommenden Monaten sollte die Inflationsrate allmählich wieder zulegen und im Jahresdurchschnitt 2018 bei 1,8 Prozent liegen“, erwartet der Experte.

Seine Prognose begründet Wagner mit der Wahrscheinlichkeit demnächst steigender Lebensmittel- und Energiepreise sowie mit einer voraussichtlich steigenden Kernteuerungsrate. Zudem geht er davon aus, dass der momentane Engpass am Arbeitsmarkt zu einer höheren Verhandlungsmacht der Gewerkschaften führen dürfte, was den Löhnen Auftrieb geben könnte.

Anders sieht es hingegen der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Seiner Meinung nach wird sich nichts an der Tatsache ändern, dass es selbst in Deutschland mit den von der EZB mittelfristig angestrebten 2 Prozent Preissteigerung nicht klappen will. Dabei sind die Lohnabschlüsse in seinen Augen bereits verhältnismäßig hoch. Die zuletzt aufgekommenen Sorgen vor einer anziehenden Inflation hält er – zumindest was die Eurozone anbelangt – für überzogen.

Auch nach europäischer Methode (HVPI) sind die Verbraucherpreise im Februar unerwartet schwach angezogen – um 1,2 Prozent. Dabei handelt es sich ebenfalls um den aktuell geringsten Wert seit November 2016. Im Januar hatte der HVPI, der unter anderem für die Geldpolitik der EZB relevant ist, noch 1,4 Prozent höher als im Vorjahresmonat gelegen.

„Dieser nach wie vor dezente Anstieg der Verbraucherpreise dürfte die EZB in ihrer Vorsicht bei der Veränderung der geldpolitischen Kommunikation bestärken“, schrieb Jennifer McKeown, Chefvolkswirtin für Europa beim britischen Analysehaus Capital Economics. Den ersten tatsächlichen Zinsschritt erwartet die Ökonomin erst im September 2019 und grenzt sich damit vom Gros der restlichen Marktexperten ab, die eine Erhöhung schon etwas früher kommen sehen.

So oder so: „Höhere Zinsen bleiben vorerst nichts weiter als ein frommer Wunsch“, fasst es VP-Experte Gitzel etwas lapidarer zusammen. Für alles andere fehlten es EZB-Präsident Mario Draghi schlicht an gewichtigen Argumenten.

Der Kurs des Euro fiel nach Veröffentlichung der Preisdaten unter 1,23 US-Dollar auf ein Tagestief.

 

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