Deutsche Industrie erhält deutlich weniger Aufträge

Minus von 3,9 Prozent im Januar / Nachfrage aus Euro-Zone schrumpft besonders deutlich

Die deutsche Industrie hat einen Fehlstart ins Jahr 2018 erwischt: Ihre Aufträge schrumpften im Januar nicht nur mehr als doppelt so stark wie erwartet, sondern zugleich so kräftig wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Unternehmen sammelten 3,9 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat – vor allem wegen der geringeren Nachfrage aus der Euro-Zone, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit lediglich mit einem Minus von 1,6 Prozent gerechnet. Im Dezember hatte es noch ein Wachstum von 3,0 Prozent gegeben.

Ministerium, Wirtschaftsverbände und Ökonomen sehen trotz des schwachen Abschneidens keinen Grund zur Panik. Allerdings drohen im Falle eines von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Handelskrieges weitere Rückschläge. „Damoklesschwert bleibt die an Schärfe gewinnende Diskussion um mögliche US-Strafzölle für Stahl und Aluminium“, sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. „Auch wenn das Risiko eines eskalierenden Handelskrieges gering sein dürfte, verunsichert alleine die Diskussion.“ Ähnlich schätzt das der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger, ein: „Von den von Trump ins Auge gefassten Handelszöllen gehen klare Wachstumsgefahren aus.“ Die USA sind der größte Abnehmer von Waren „Made in Germany“.

Noch sind die Auftragsbücher aber prall gefüllt. Zudem lagen die Bestellungen um mehr als acht Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. „Ebenso deuten die internationalen Stimmungsindikatoren auf eine Fortsetzung des globalen Aufschwungs hin“, so das Ministerium. „Die deutsche Industrie dürfte daher ihre positive Entwicklung fortsetzen.“ Das schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) genauso ein. „Angesichts der Belebung des Handels insbesondere in Europa, des gestiegenen Investitionsvertrauens und der guten Beschäftigungsentwicklung dürfte die Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten im In- und Ausland vorerst hoch bleiben“, sagte DIHK-Expertin Sophia Krietenbrink.

Die Aufträge aus dem Inland schrumpften zum Vormonat um 2,8 Prozent, die aus dem Ausland um 4,6 Prozent. Dabei sanken die Bestellungen aus der Eurozone mit 5,9 Prozent besonders stark. Der deutliche Rückgang zu Jahresbeginn liegt auch an der schwankenden Entwicklung der Großaufträge, die diesmal deutlich geringer ausfielen.

 

 

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