Deutsche Exporte schrumpfen – „Handelshemmnisse wachsen“

Ausfuhren fallen im Januar unerwartet um 0,5 Prozent.

Der deutsche Außenhandel ist schwach ins Jahr gestartet: Exporte, Importe und Produktion schrumpften im Januar jeweils überraschend, nachdem zuvor bereits die Industrieaufträge so stark gefallen waren wie seit einem Jahr nicht mehr. Ministerium und Wirtschaft sehen wegen prall gefüllter Auftragsbücher und der anziehenden Konjunktur in Europa keinen Grund zur Panik. Sie warnen aber vor der Gefahr eines weltweiten Handelskrieges angesichts der von US-Präsident Donald Trump beschlossenen Strafzölle auf Stahl und Aluminium.

Die Exporte fielen im Januar um 0,5 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet, nach einer Stagnation im Dezember. Die Importe fielen ebenfalls um 0,5 Prozent, nachdem sie zuvor drei Monate in Folge gestiegen waren. „Zwar erreichen die Exporte nicht ganz die Werte vom Jahresende, die robuste Lage der Weltwirtschaft und vor allem in den EU-Ländern sorgt aber weiterhin für gute Geschäfte bei den Exporteuren“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Nach dem Rekordergebnis von 2017 stünden die Exporteure vor einem handelspolitisch bedeutendem Jahr. „Denn die Strafzölle des US-Präsidenten sind nur der bisherige Höhepunkt einer langen Entwicklung“, sagte Treier. „Seit Jahren verzeichnet die deutsche Wirtschaft zunehmende Handelshemmnisse.“

Auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries befürchtet negative Folgen durch Trumps Zollbeschluss. „Das ist Protektionismus, der enge Partner wie die EU und Deutschland vor den Kopf stößt und den Freihandel begrenzt“, sagte die SPD-Politikerin.

Besser fällt die Exportbilanz im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. Hier gab es einen Anstieg von 8,6 Prozent auf 107,1 Milliarden Euro. Dabei legte das Geschäft mit den Euro-Ländern überdurchschnittlich stark um 11,2 Prozent zu, das mit der EU um 10,7 Prozent. Die Exporte in den Rest der Welt – von China bis zu den USA – stiegen dagegen nur um 5,5 Prozent.

Die Unternehmen traten im Januar leicht auf die Produktionsbremse. Industrie, Bau und Versorger stellten zusammen 0,1 Prozent weniger her als im Dezember – wofür aber nur die beiden letztgenannten Branchen sorgten, während die Industrie ein Wachstum meldete. Experten hatten insgesamt ein Plus von 0,5 Prozent vorhergesagt. „Die Industriekonjunktur bleibt lebhaft“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. „Die weiterhin positive Auftragslage spricht für eine Fortsetzung dieser Entwicklung.“

 

 

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