Innogy hüllt sich zu Plänen von RWE und E.ON in Schweigen

Innogy will vorerst nicht zu den Zerschlagungsplänen des Mutterkonzerns RWE und von E.ON Stellung nehmen.

Für den Energiekonzern Innogy kommt die bevorstehende Zerschlagung völlig überraschend. „Wir haben Samstagabend Kenntnis von den Plänen erhalten“, sagte Vorstandschef Uwe Tigges auf der Pressekonferenz zum vergangenen Geschäftsjahr. Äußern wollte er sich zur geplanten Übernahme und anschließenden Aufteilung nicht. „Zum Bestand der Innogy können wir gar nichts sagen.“

So konzentriert die Führungsmannschaft des Ökostrom-Konzerns sich zunächst auf das, was sie beeinflussen kann: Das laufende Geschäft. Innogy wolle am Investitionskurs festhalten und den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben, kündigt Tigges an. Auch wenn hinter dem Vorhaben ein großes Fragezeichen steht, seitdem am Wochenende bekannt wurde, dass Großaktionär RWE und Konkurrent Eon die Geschäftsfelder von Innogy unter sich aufteilen wollen.

Tigges bemühte sich, Innogy in gutem Licht darzustellen. Es ist erst die zweite Bilanzpressekonferenz des noch jungen Unternehmens und könnte schon die letzte sein. „Innogys Gründung inmitten der Krise konventioneller Stromerzeugung wurde von Ihnen und vielen anderen als der richtige Schritt gewertet“, sagte er zu den anwesenden Journalisten. Dafür gebe es gute Gründe, etwa den Siegeszug der erneuerbaren Energien, Innovationen im Netzbereich und Vertrieb oder auch die Digitalisierung. Innogy sei und bleibe ein „kerngesundes Unternehmen“. Die „gute Substanz“ von Innogy solle weiter gestärkt werden.

Ungeachtet der Turbulenzen hinsichtlich der eigenen Zukunft hält das Management daher an seiner Wachstumsstrategie fest: Bis 2020 will der Konzern netto 2,0 Milliarden bis 2,5 Milliarden Euro jährlich investieren. Schwerpunkt sollen die drei Kernbereiche des Unternehmens sein. Dazu sind Investitionen in Solar, Breitband und Elektromobilität geplant.

Wenn die Pläne der Stromriesen Eon und RWE aufgehen, könnte sich ein Großteil dieser Pläne als überflüssig herausstellen. Eon will in einem ersten Schritt Innogy komplett übernehmen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. Eon würde das lukrative Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten, das im vergangenen Geschäftsjahr mit 1,9 Milliarden Euro den Löwenanteil zum bereinigten operativen Konzernergebnis (Ebit) von 2,8 Milliarden Euro beitrug. Die erneuerbaren Energien beider Konzerne würden unter dem Dach von RWE vereint werden. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit aufhören zu existieren.

Innogy ist damit zum Spielball der großen Energiekonzerne RWE und Eon geworden, die für sich selbst bislang noch keine adäquaten Lösungen für die Energiewende in Deutschland gefunden haben und sich bislang mit gesundem Misstrauen gegenüberstanden.

Mit der Entscheidung der Bundesregierung vor einigen Jahren, aus der Atomenergie auszusteigen, gingen die beiden Stromkonzerne zunächst unterschiedlich um. RWE spaltete sein Geschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb unter dem Namen Innogy ab, Eon sein konventionelles Kraftwerksgeschäft als Uniper. Gefragt, ob der Umbau der deutschen Energielandschaft mit Blick auf die neue Situation damals richtig war, sagte Tigges: „Ich habe keinen Zweifel, dass unser Schritt der richtige war.“

RWE setzt nach der Abspaltung von Innogy ganz auf konventionelle Energie. Doch der Strom aus Kohlekraftwerken steht wegen der hohen CO2-Emissionen in der Kritik – ein Ausstieg aus der Kohle hängt zudem langfristig wie ein Damoklesschwert über den Essenern. Die Ergebnisse von Innogy sind schon jetzt ein wichtiger Bestandteil in der RWE-Bilanz.

Eon verdient hingegen schon aktuell den Löwenanteil seines Ergebnisses mit Netzen, nicht mit der Erzeugung von grünem Strom. Seinen Anteil an Uniper hat Eon bereits im Januar an die finnische Fortum verkauft. Geht der Plan durch, stünden an dessen Ende zwei Unternehmen mit klar voneinander abgrenzbaren Geschäftsmodellen, die sich nicht mehr in die Quere kommen: RWE als Energieerzeuger, der künftig wieder auf erneuerbare Energien als Zukunftsmodell setzen kann; Eon als Netzbetreiber mit einem verlässlichen, rentablem Geschäft – was den RWE-Aktionären, etwa den Kommunen, auch weiter auskömmliche Dividenden sichern soll. Hinzu kommt der Vertrieb.

In einer ersten Einschätzung sehen die Analysten von JPMorgan den besseren Deal für Eon. Der Konzern erhalte ein sicheres Geschäft, in dem Synergien gehoben werden könnten. Aber auch für RWE werden Vorteile gesehen: Das Unternehmen könnte seine Stromproduktion wieder stärker diversifizieren und wäre auch nach einem möglichen Kohle-Aus zukunftsfähig.

Am Aktienmarkt stießen die Pläne zu Wochenbeginn auf große Zustimmung. Die Kurse von Innogy, RWE und Eon schossen am Montagmittag in die Höhe. Das Papier von Innogy als Objekt der Begierde sprang um mehr als 13 Prozent nach oben und erreichte zwischenzeitlich die Marke von 40 Euro – den Preis, den Eon allen Innogy-Aktionären anbieten will. Die Aktie war zuletzt schwer gebeutelt – nach einer Gewinnwarnung und dem anschließenden Abgang von Peter Terium als Vorstandschef im vergangenen Dezember stürzte der Kurs ab. Vom Hoch Anfang November letzten Jahres bei über 42 Euro ist Innogy noch entfernt. RWE-Aktien konnten am Montag zuletzt um 8 Prozent auf mehr als 19 Euro zulegen, Eon-Anteile stiegen um mehr als 5 Prozent auf fast 9 Euro.

 

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