China: Längst im deutschen Mittelstand angekommen

Investoren willkommen / Alle Branchen im Blick

Deutsche Unternehmen stehen in China hoch im Kurs. Vor allem Maschinen- und Anlagenbau, Autozulieferer und Umwelttechnik stehen im Fokus der übernahmehungrigen Chinesen. Denn in diesen Branchen gilt Deutschland weltweit als führend. Anfangs kamen Bieter aus dem Reich der Mitte auf ihrer Einkaufstour im deutschen Mittelstand nur zum Zug, wenn sich sonst kein Käufer fand. Inzwischen treten sie deutlich selbstbewusster auf und wagen sich längst auch an Großkonzerne heran. Der Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler zeigt eine neue Dimension.

In den meisten Fällen sind Unternehmen aus China als Investoren in Deutschland willkommen. Als sich Widerstand gegen einen Einstieg beim Lichttechnik-Konzern Osram regte, zogen sich die Bieter rasch wieder zurück. Beim Chip-Anlagenbauer Aixtron scheiterte der chinesische Investor Fujian Grand Chip Investment am Widerstand der US-Behörden. Eine Übersicht über die wichtigsten Zukäufe chinesischer Unternehmen in Deutschland:

Kuka
Der Klimaanlagen- und Kühlschrank-Hersteller Midea zahlte 2016 mehr als 4,5 Milliarden Euro für den Augsburger Automatisierungs-Spezialisten, damals die größte Übernahme eines chinesischen Konzerns in Deutschland. Midea stieg erst mit 15 Prozent ein und unterbreitete dann ein Übernahmeangebot, hinter das sich der Kuka-Vorstand stellte. Das Aushängeschild deutscher Robotertechnik erhofft sich zusätzliche Geschäftschancen in China.

Ista
Der Essener Heizungs- und Wasserableser gehört zum Imperium des Milliardärs Li Ka-shing aus Hongkong. Mit mehr als fünf Milliarden Euro ist es die bisher teuerste Übernahme chinesischer Unternehmen in Deutschland. Als Käufer traten der Infrastruktur-Investor CK Infrastructure aus Hongkong und dessen Schwesterfirma Cheung Kong Property auf.

Banken
Der aus dem Tourismus stammende Großaktionär HNA hielt zeitweise fast zehn Prozent an der Deutschen Bank, hat seine über den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat gehaltene Beteiligung aber angesichts finanziellen Drucks auf 8,8 Prozent reduziert. Der chinesische Finanzinvestor Fosun hat für das Frankfurter Bankhaus Hauck & Aufhäuser 210 Millionen Euro gezahlt. Zusammen mit der BHF-Bank tritt Fosun auch als Käufer deutscher Lebensversicherungspolicen auf.

Putzmeister
Der schwäbische Betonpumpenhersteller war der erste aufsehenerregende Verkauf eines deutschen Unternehmens nach China. Der Baumaschinen-Konzern Sany zahlte 2012 rund 360 Millionen Euro für das Familienunternehmen aus Aichtal bei Stuttgart. Als Firmengründer Karl Schlecht Putzmeister zum Verkauf stellte, hatten sich gleich fünf Bieter aus China gemeldet. Wenig später griff die chinesische XCMG beim Putzmeister-Konkurrenten Schwing zu.

Kion
Im Sommer 2012 nahmen die Eigentümer des Gabelstapler-Herstellers, die Finanzinvestoren Goldman Sachs und KKR, die chinesische Weichai Power als Miteigentümer mit 25 Prozent an Bord. Die ehemalige Linde-Tochter Kion war mit dem Nutzfahrzeughersteller bereits über eine Gemeinschaftsfirma verbunden. Nach dem Börsengang von Kion stockten die Chinesen in mehreren Schritten auf und kommen inzwischen auf 43 Prozent. Ihr Aktienpaket ist heute 3,6 Milliarden Euro wert.

Autozulieferer
Auch für Töchter börsennotierter Konzerne ist ein Käufer aus China kein Tabu mehr: Thyssenkrupp verkaufte die auf Blechplatinen spezialisierte Sparte „Tailored Blanks“ 2012 an Wuhan Iron and Steel (Wisco). Bosch fand sowohl für seine Turbolader-Gemeinschaftsfirma mit Mahle in China einen neuen Eigentümer als auch für die Anlasser-Sparte. Beim Sitze-Hersteller Grammer stieg Ningbo Jifeng sogar als „weißer Ritter“ gegen den ungeliebten Großaktionär Hastor ein und hält inzwischen 25,5 Prozent. Der Türschloss-Hersteller Kiekert, damals ein Sanierungsfall, und die Zulieferer Hilite, Preh, Schumag, KSM Castings sowie Saargummi sind ebenfalls in chinesischem Besitz.

Umwelttechnik
Der Finanzinvestor EQT verkaufte 18 ehemals zu E.ON gehörende Müllverbrennungsanlagen mit dem Namen „Energy from Waste“ an Beijing Enterprise. Mit 1,8 Milliarden Euro war das Anfang 2016 die ersten Milliarden-Übernahme eines chinesischen Käufers in Deutschland überhaupt. Der Schrottverwerter Chiho-Tiande übernahm den in Schieflage befindlichen Metallrecycler Scholz aus Essingen bei Aalen. Chengdu Techcent Environment schluckte das Geschäft mit Wassertechnologie vom Baudienstleister Bilfinger. Techcent-Eigentümer Deng übernahm Teile des Berliner Müll- und Recycling-Konzerns Alba.

Kraussmaffei
ChemChina zahlte 925 Millionen Euro für den Spezialmaschinenbauer. Das Münchener Traditionsunternehmen stellt Spritzgießmaschinen für die Verarbeitung von Kunststoff und Gummi her. Noch in diesem Jahr soll KraussMaffei als erstes deutsches Unternehmen an die Börse in Shanghai gehen.

Glühbirnen
Osram verkaufte sein traditionelles Geschäft mit Glühlampen an den LED-Spezialisten MLS für rund 500 Millionen Euro. Die in „Ledvance“ umgetaufte Sparte macht seither vor allem mit Stellenstreichungen von sich reden.

Biotest
Fast ein Jahr zog sich die Übernahme des hessischen Biotech-Dienstleisters hin, vor allem weil die US-Behörden für Auslandsinvestitionen (CFIUS) Widerstand anmeldete. Die chinesische Creat Group bot 1,3 Milliarden Euro.

Autohändler
Auch der größte Mercedes-Händler in Deutschland kommt aus China. Daimler verkaufte sieben eigene Niederlassungen in Ostdeutschland an die Hongkonger Lei Shing Hong (LSH), mit der der Autobauer auch in China und Australien zusammenarbeitet.

 

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