Generationswechsel wird für Mittelstand zum Problem

In Deutschland ist der Fortbestand zehntausender Familienbetriebe ungewiss / Geeignete Nachfolger finden sich nicht

Der anstehende Generationswechsel im deutschen Mittelstand entwickelt sich laut einer KfW-Studie in wachsendem Maße zu einem Problem. Die Zahl der Inhaber, die in absehbarer Zeit aus ihrem Unternehmen ausscheiden, aber noch keinen Nachfolger gefunden haben, steigt.

840.000 Unternehmer wollen in den nächsten fünf Jahren aus ihrer Firma ausscheiden. In den nächsten zwei Jahren sind es 236.000. Von diesen haben allerdings nur 30 Prozent ihre Nachfolge bereits geregelt. 28 Prozent haben einen Nachfolger gefunden, befinden sich mit diesem aber noch in Verhandlungen. Auf der Suche befinden sich noch 17 Prozent. 20 Prozent haben mit der Suche noch nicht begonnen. Und fünf Prozent haben sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist es ratsam, drei Jahre vor der Übergabe mit der Suche zu beginnen.

Demografischer Engpass

Deutlich gestiegen ist in den letzten Jahren der Altersdurchschnitt der mittelständischen Unternehmer. 2002 waren 28 Prozent von ihnen jünger als 40 Jahre. 2016 waren es nur noch 16 Prozent. 60 Jahre oder älter waren 2002 nur 12 Prozent der Firmeninhaber. 2016 waren es 21 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung spricht Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt der KfW, von einem „deutlichen demografischen Engpass bei der Nachfolge“. In diesem Zusammenhang macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar – Anfang der 70er Jahre brachen die Geburtsraten in Deutschland ein und befinden sich seitdem auf einem kontinuierlich niedrigen Niveau.

Angesichts dieser Zahlen warnen Experten vor einem Rückgang bei der Zahl der mittelständischen Unternehmen. Rund 3,7 Millionen gibt es in Deutschland. Sie erwirtschaften etwas mehr als ein Drittel aller Umsätze und beschäftigten 31 Millionen Menschen, was mehr als zwei Dritteln aller Arbeitsplätze entspricht. Darüber hinaus schließen sie 90 Prozent aller Lehrverträge ab. Aktuell planen bis 2022 etwa 330.000 dieser Mittelständler die Geschäftsaufgabe. Die meisten von ihnen sind kleinere Unternehmen mit nicht mehr als fünf Mitarbeitern. Dennoch würde ihr Verschwinden zu einem Gesamtverlust von 1,6 Millionen Arbeitsplätzen führen, wenn sie nicht durch Neugründungen ersetzt werden.

Im Visier ausländischer Investoren

Das Schließung von größeren Mittelständlern ist ein eher unwahrscheinliches Szenario. Allerdings gerät eine wachsende Zahl von ihnen ins Visier ausländischer Investoren und Konkurrenten. „Im Ausland existiert ein riesiges Verlangen nach mittelständischen deutschen Firmen“, zitiert die Financial Times Oliver Rogge, den Leiter der Deutschen Zentral Genossenschaftsbank (DZ Bank). Vor allem Hidden Champions, die in ihren jeweiligen Nischen zu den Weltmarktführern gehören, sind nachgefragte Übernahmekandidaten.

 

Kommentare

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  1. esboern sagt:

    Das größte Problem für Mittelständler, dürften die hohen Schulden, der am Papier geringe Umsatz u. die Schwarzgeldkonten sein, aber keine Angst, unsere etablierten Parteien werden alle Unternehmerwünsche gerne erfüllen.