Schweizer Elektrotechnik investiert in Künstliche Intelligenz

KI verbessert Qualitätskontrolle / ABB steigert Investitionsvolumen auch 2018

In die Produktion von Solar-Modulen sind Roboter involviert. (Foto: ABB)

In die Produktion von Solar-Modulen sind Roboter involviert. (Foto: ABB)

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB blickt zuversichtlich auf das laufende Jahr. „Das Marktumfeld für 2018 hat sich aufgehellt“, sagte Firmenchef Ulrich Spiesshofer in einer zur Generalversammlung. Für Solar-Installationen würden Experten dank der starken Nachfrage aus China und Indien ein weiteres „Spitzenjahr“ erwarten. Zudem steige die Nachfrage nach Robotern in Fabriken und mittelfristig zeichne sich ein Durchbruch der Elektromobilität ab, weshalb man weiter in das Gebiet der Künstlichen Intelligenz investieren werde.

Bereits im Jahr 2017 hatte das Unternehmen eine solche strategische Partnerschaft vermeldet, die das branchenführende Digitalangebot ABB Ability mit den kognitiven Fähigkeiten von IBMs Watson IoT zusammenführen und dadurch neuen Mehrwert für Kunden in der Energieversorgung, der Industrie sowie im Transport- und Infrastruktursektor schaffen wollte.

„Diese leistungsstarke Kombination stellt wirklich die nächste Stufe der Industrietechnologie dar. Sie geht über die aktuellen angeschlossenen Systeme hinaus, die lediglich Daten sammeln, und ermöglicht Industriebetriebe und Maschinen, die Daten für die Erfassung von zentralen Informationen, für die Analyse und Optimierung nutzen. So können Massnahmen ergriffen werden, die bei Kunden aus der Industrie die Anlagenverfügbarkeit, Schnelligkeit und Rendite verbessern“, sagte Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB. „Mit einer installierten Basis von 70 Millionen verbundenen Geräten, 70.000 digitalen Steuerungssystemen und 6.000 Softwarelösungen der Enterprise-Klasse ist ABB ein bewährter Marktführer im Industriesektor und entwickelt seit mehr als 40 Jahren digitale Kundenlösungen. IBM ist Marktführer in den Bereichen künstliche Intelligenz und kognitives Computing. Gemeinsam werden IBM und ABB leistungsstarke Lösungen schaffen, mit denen Kunden von der Vierten Industriellen Revolution profitieren können.“

Neue Palette zukunftsweisender Lösungen

Mit den von ABB und IBM entwickelten bahnbrechenden Lösungen werden Unternehmen in die Lage versetzt, einige ihrer grössten industriellen Herausforderungen wie bessere Qualitätssicherung, geringere Ausfallzeiten, Schnelligkeit und Ertrag auf völlig neue Weise angehen zu können. Diese Lösungen gehen über die aktuellen angeschlossenen Systeme hinaus, die lediglich Daten sammeln, und ermöglichen kognitive Industrieanlagen und Maschinen, die Daten nicht nur verarbeiten, sondern verstehen, Rückschlüsse ziehen und entsprechende Massnahmen ergreifen, um die Arbeiter in der Industrie effektiv zu unterstützen. Somit werden ineffiziente Prozesse und redundante Aufgaben vermieden, und Mitarbeiter erhalten mehr Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten.

Kognitive Erkenntnisse in Echtzeit für die Produktion nutzbar machen

ABB und IBM werden beispielsweise die künstliche Intelligenz von IBM Watson nutzen, um Fehler mit Hilfe von Echtzeit-Produktionsbildern zu finden, die von einem ABB-System erfasst und anschliessend mit IBM Watson loT for Manufacturing analysiert werden. Diese Prüfungen wurden zuvor manuell durchgeführt, ein oftmals langsamer und fehleranfälliger Prozess. Die kognitiven Echtzeit-Erkenntnisse von IBM Watson in der Produktion verbunden mit der industriellen Automationstechnologie von ABB wird es Unternehmen ermöglichen, ihr Produktionsvolumen zu steigern und gleichzeitig die Genauigkeit und Konsistenz zu verbessern. Während Teile den Herstellungsprozess durchlaufen, macht die Lösung den Hersteller auf kritische Mängel hinsichtlich der Montagequalität aufmerksam, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Dies ermöglicht ein schnelles Eingreifen von Qualitätskontrolleuren. Die einfachere Erkennung von Fehlern wirkt sich auf alle Produkte in der Produktionslinie aus und hilft dem Unternehmen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und gleichzeitig kostspielige Rückrufaktionen und Imageschäden zu vermeiden.

Kognitive Erkenntnisse in Echtzeit für Smart Grids nutzbar machen

ABB und IBM werden zum Beispiel mit Hilfe von IBM Watson auch die Angebots- und Nachfragemuster für Strom anhand von historischen Daten und Wetterdaten vorhersehen können und damit den Betrieb und die Wartung der heutigen Smart Grids optimieren, deren Komplexität aufgrund des neuen Verhältnisses von konventionellen und erneuerbaren Energiequellen zunimmt. Anhand der Vorhersagen für Temperatur, Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit kann die Nachfrage prognostiziert werden, wodurch Energieversorger das Lastmanagement und die Echtzeit-Preisbildung optimieren können.

Neuronale Netzwerke in der Realität

Während die Technologie bei ABB vor allem die Qualitätskontrolle unterstützt, ist sie in anderen Sparten wie dem Finanzwesen und der Medizintechnik gescheitert. So hatte sich der Schweizer Rückversicherer Swiss Re einen Vorteil bei Cyber-Risiken versprochen, meldet das Online-Portal Golem. Mittlerweile seien einige der Projekte jedoch eingestellt worden oder werden von der Konkurrenz betreut.

Hart für IBM: Viele datenbasierte Unternehmen wie die großen Versicherer nutzen seit Jahren die leistungsstarken IBM-Rechner. Besonders bei diesen Bestandskunden wäre ein Erfolg der Software von Bedeutung gewesen.

ABB bleibt zuversichtlich

Der Elektrotechnikkonzern ABB ist offen für Zukäufe. Dies gelte vor allem für den Bereich der Künstlichen Intelligenz, sagte Firmenchef Ulrich Spiesshofer am Rande der Generalversammlung. „Wir werden das Portfolio von ABB weiterhin kontinuierlich ausbauen“, sagte er. Dazu gehörten auch andere Investitionen – etwa in Partnerschaften mit anderen Firmen. Zudem könnte ABB selektiv in Start-Ups investieren.

 

 

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