Mittelstand verliert: Axa steigt aus BVG-Vollversicherung aus

Die Axa-Versicherungen steigen aus dem Geschäft mit der Vollversicherung der beruflichen Vorsorge aus. Das Geschäft lohnt sich für die Versicherer nicht mehr.

Der zweitgrößte Anbieter von Kollektivversicherungen, die Axa Versicherungen AG, wird ihren Firmenkunden ab 2019 keine Vollversicherungen in der beruflichen Vorsorge (BVG) mehr anbieten. Derzeit betreut das zur französischen Axa-Gruppe gehörende Unternehmen über 40.000 KMU-Vorsorgewerke mit rund 260.000 aktiven Mitgliedern, die über eine Vollversicherung verfügen. Deren Vorsorgegelder wird Axa in drei teilautonome Stiftungen verschieben, in denen die Axa weiterhin das Todes- und Invaliditätsrisiko abdeckt. Darüber hinaus wird die Axa die gesamte Verwaltung übernehmen und die Kapitalanlagen betreuen. Das Anlagerisiko wird die Axa nicht mehr tragen. Es geht auf die KMUs über. Sollte es – beispielsweise durch einen Börsencrash – zu Unterdeckungen in den Sammelstiftungen kommen, müssten die mittelständischen Unternehmen mit eigenen finanziellen Mitteln für den entsprechenden Ausgleich sorgen.

Der Abschied von der BVG-Vollversicherung wird dazu führen, dass die KMUs durchschnittlich 30 Prozent geringere Risikoprämien für das Todesfall- und Invaliditätsrisiko tragen müssen, sagte Fabrizio Petrillo. Weil die Axa Anlagen in Höhe von 31 Milliarden Euro in die drei Stiftungen transferiert, woraus sich ein Deckungsgrad von 111 Prozent ergibt, könnten die Stiftungen nach ihrer Gründung „aus einer Position der Stärke“ agieren, so der Chef von Axa Schweiz weiter.

Die KMUs haben die Möglichkeit, das Angebot der Axa zu akzeptieren oder zu einem Wettbewerber zu wechseln. Davon gibt es fünf: Allianz Suisse, Baloise (Basler Versicherung), Helvetia, Pax und den Marktführer Swiss Life. Alle fünf erklärten, das System der Vollversicherung auch weiterhin im Angebot zu haben. Garantien, wie sie eben nur die Vollversicherung biete, sei für das System der sozialen Sicherheit in der Schweiz von fundamentaler Bedeutung, so Markus Leibundgut, CEO der Swiss Life. Gleichzeitig kündigten die Versicherungen an, in Zukunft bei Aufnahme von neuen KMUs zurückhaltender zu sein als bisher.

Das Vollversicherungsmodell stellt für die Versicherungen seit einigen Jahren ein immer weniger einträgliches Geschäft dar. Gründe dafür sind die Niedrigzinsen, die steigenden Ausgaben für Leistungen aufgrund der allgemein längeren Lebenserwartung sowie die starke Regulierung der Anlagemöglichkeiten.

Die Allianz Suisse hat die Politik aufgefordert, neue Regelungen zu erarbeiten. Unter anderem fordert die Versicherung eine Senkung des obligatorischen Umwandlungssatzes sowie des Garantiezinses im Obligatorium.

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