Studie: Individualisten prägen Unternehmen im Mittelstand

Flexibilität und Kundennähe sind aus Sicht von Inhabern und Geschäftsführern die entscheidenden Erfolgsfaktoren mittelgroßer Unternehmen.

Die Grundlage dafür bilden eine direkte Kommunikation im Unternehmen mit wenig Hierarchien sowie die Fähigkeit, auch schnelle Entscheidungen treffen und umsetzen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Black Box Mittelstand“, die das Demografie-Netzwerk ddn und die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) gemeinsam durchgeführt haben.

Rudolf Kast, Vorstandsvorsitzender des Demografie-Netzwerks ddn sieht mit der Studie ein Vorurteil ausgeräumt. „Der Mittelstand hinkt eben gerade nicht in allen möglichen Management-Disziplinen hinterher, sondern hat seine eigenen Wege, zu Lösungen zu kommen“, so Kast. Er sieht insbesondere im Verantwortungsbewusstsein von Inhabern den Grund, dass auch substanzieller über Zukunftsthemen wie die Digitalisierung nachgedacht werde.

Inhaber und Geschäftsführerinnen mittelständischer Unternehmen erleben in der Praxis, dass nicht alle Beschäftigten mit den Anforderungen der Digitalisierung mithalten können oder wollen. Was genau sich hinter der Digitalisierung verbirgt, und inwieweit das eigene Unternehmen oder Geschäftsmodell betroffen ist, wird allerdings sehr unterschiedlich bewertet. Während Effizienzsteigerungen bei administrativen Prozessen überall an der Tagesordnung sind, werden im handwerklich-gewerblichen Umfeld deutlich Grenzen erkennbar. Vielfach sind technische Lösungen nicht ausgereift oder Kunden nicht bereit. Dennoch sehen mehr als zwei Drittel der Befragten in der Digitalisierung Wachstumschancen.

Für Eva Voß, Leiterin New Ways of Working bei EY von EY auch ein Hinweis darauf, dass man den Mittelstand nicht über einen Kamm scheren sollte. „Mittelstand ist absolut vom Markt bestimmt. Wir haben in unserer Studie fünf verschiedene Zugangsmuster gefunden, die teilweise sehr unterschiedliche Anforderungen haben“. Pauschale Lösungen erweckten da zu Recht Skepsis.

Drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass Wissen und Erfahrung älterer Beschäftigter ihrem Unternehmen zukünftig fehlen werde. Für Rudolf Kast ist die Reaktion des Mittelstandes auf Demografie und Fachkräftemangel entscheidend. „Angesichts des leergefegten Arbeitsmarktes erleben wir gerade einen Run for Experience. Die Unternehmen wollen erfahrene Leute halten und beginnen sogar, sich mit der Rekrutierung Älterer anzufreunden.“ Zugleich komme der Wertewandel der jüngeren Generation in den Unternehmen an. Die Ansprüche stiegen, die Loyalität nehme ab, die generelle Bedeutung von Arbeit ebenso. Kritisch äußerten sich die Befragten in der Studie zum Ausbildungsniveau von Schulen und Hochschulen.

Schwer fällt es den meisten der Befragten, sich auf das Thema „Diversity“ einzulassen. Der Begriff ist teilweise sogar gänzlich unbekannt oder wird eher als akademisches Konzept oder als soziale Verpflichtung wahrgenommen, weniger als ein Element der Personalstrategie. Zugleich sind sich alle Befragten einig, dass die Fähigkeit zur Innovation zukünftig mehr unterschiedliche Beschäftigte benötigt. Und auch in der Praxis ist man angesichts des Fachkräftemangels über weite Strecken vorurteilsfrei: Wer arbeiten kann, wird eingestellt. Patricia Heufers, Diversity-Spezialistin bei EY, sieht in diesem Ergebnis auch einen Anlass, Diversity-Konzepte stärker praxisorientiert auszurichten. „Dass die Vielfalt an Menschen eine Vielfalt an Ideen ist, schätzen alle. Wir müssen uns fragen: Wie können wir diese Vielfalt stärker sichtbar machen und aktivieren?“

Ein Problem im Mittelstand bleibt der Fachkräftemangel, aber auch der Wertewandel bei den Jüngeren kommt in den Firmen an und stellt sie vor neue Herausforderungen. Die Bedeutung der Digitalisierung wird je nach Marktumfeld sehr unterschiedlich bewertet. „In mittelgroßen Unternehmen läuft aufgrund ihrer Struktur und Kultur vieles richtig, was Großunternehmen nach einer gewissen Zeit oft wieder neu erlernen müssen“, sagt Eva Voß. Besonders bemerkenswert sei, dass die befragten Inhaberinnen und Geschäftsführer ausdrücklich eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe in ihren Unternehmen bevorzugen und hierarchischem Denken eine Absage erteilen.

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