Maut-Reform: Höhere Kosten für den Mittelstand

Das mautpflichtige Streckennetz erhöht sich deutlich. Die Kosten können aber nur schwer an die Kunden weitergegeben werden.

Der Mittelstand befürchtet, auf einem Teil der Maut-Kosten sitzen zu bleiben. (Foto: dpa)

Der Mittelstand befürchtet, auf einem Teil der Maut-Kosten sitzen zu bleiben. (Foto: dpa)

Auf den Mittelstand kommen neue Kosten zu. Für das Fahren mit LKWs, die 7,5 Tonnen und mehr wiegen, wird ab dem 1. Juli auf allen Bundesstraßen eine Maut fällig. Bisher war nur das Fahren auf Autobahnen sowie auf einigen stark frequentierten Bundesstraßen-Abschnitten für LKWs gebührenpflichtig. Damit erhöht sich das mautpflichtige Streckennetz von 15.000 auf 52.000 Kilometer.

Für die Erhebung der Einnahmen werden die bestehenden Maut-Terminals um 600 Kontroll-Säulen ergänzt. Für den Bund erhöhen sich die Einnahmen durch das Maut-Geschäft um genau die Hälfte: Nahm er bisher 4,8 Milliarden Euro pro Jahr an Gebühren ein, werden es in Zukunft 7,2 Milliarden Euro sein. Es handelt sich dabei um den größten Einnahme-Posten des Bundesverkehrsministeriums. Verkehrsminister Andreas Scheurer (CSU) sagte, die Maut-Gebühren würden ausnahmslos dem Ausbau des Straßennetzes zu Gute kommen. Davon würden alle Regionen Deutschlands profitieren. Von der Mautpflicht befreit sind Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

Während auf den Autobahnen rund 40 Prozent der LKWs aus dem Ausland kommen, werden die Bundesstraßen in erster Linie von den LKWs deutscher Firmen genutzt. Darunter viele, die nie auf Autobahnen unterwegs sind und daher zum ersten Mal mautpflichtig werden. Betroffen sind hier vor allem Handwerker und Kleingebewerbetreibende. Auf sie entfällt ein überdurchschnittlich großer Anteil der Mehrkosten von 2,4 Milliarden Euro. Von den Branchenverbänden kommt entsprechende Kritik. Sie befürchten unter anderem, dass Firmen, deren originäres Geschäftsfeld nicht der Transport ist, es schwer haben werden, die durch die Maut entstehenden Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Speditionen und Transportunternehmen befinden sich in einer besseren Position. Sie können die Mautgebühren leichter als laufende Kosten in ihren Kalkulationen ausweisen. Der Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), Mathias Krage, kündigte gegenüber der „Welt“ an, die Verbandsmitglieder würden die Kosten „eins zu eins an die Kunden weitergeben“. Der Geschäftsführer des Göttinger Unternehmens „Krüger Internationale Spedition“, Andreas Krüger, bestätigt das: „Wir werden mit unseren Kunden entsprechende Gespräche führen.“ Der Inhaber eines kleinen Transportunternehmens, der nicht genannt werden möchte, gab sich im Gespräch mit den DMN allerdings nicht so optimistisch: „Die Großen und Mittelgroßen der Branche können das vielleicht. Wir verfügen nicht über so viel Marktmacht. Ich fürchte, dass wir zumindest auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben werden.“

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