US-Strafzölle treffen amerikanischen Mittelstand

Die US-Strafzölle lassen die Stahl-Preise deutlich steigen. Die US-Stahlindustrie kann die Kapazitäten nicht schnell genug hochfahren.

Die angespannte Stahl-Situation in den USA betrifft unterschiedlicher Branchen. (Foto: dpa)

Die angespannte Stahl-Situation in den USA betrifft unterschiedlicher Branchen. (Foto: dpa)

Die US-Strafzölle auf importierten Stahl treffen verstärkt den amerikanischen Mittelstand. Mit den Zöllen wollte US-Präsident Trump angeblich „unfaire Praktiken“ ausländischer Handelspartner bekämpfen – in erster Linie China. Gleichzeitig sollte die amerikanische Stahl-Industrie vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden.

Doch die Strafzölle haben einen Nebeneffekt: Die Preise für Stahl sind in den USA um rund ein Drittel gestiegen. Das zusätzliche Geld, das sie für den Rohstoff ausgeben müssen, belastet die Kassen vieler US-Mittelständler aus stahlintensiven Branchen so sehr, dass sie geplante Investitionen aussetzen. Ohne die Investitionen besteht für sie keine Möglichkeit beziehungsweise keine Notwendigkeit, Neueinstellungen vorzunehmen. Die Strafzölle bedeuten also auch eine indirekte Belastung für den amerikanischen Arbeitsmarkt.

Betroffen von den höheren Stahlpreisen sind eine ganze Reihe von mittelständischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Unter anderem der Maschinen- und Anlagenbau, die Zulieferer-Industrie, der Schiffbau, viele Handwerksbetriebe, aber auch Unternehmen, die eng mit metallverarbeitenden Betrieben zusammenarbeiten. Zum Beispiel Personaldienstleister und Speditionen. Einigen gelingt es, ihre gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Vielen ist das allerdings nicht möglich. Für einige Betriebe sind die gestiegenen Stahlpreise existenzbedrohend.

Trump hatte vorhergesagt, dass die Zollerhöhungen zu einem Anstieg der amerikanischen Stahlproduktion führen würden. Dies ist jedoch nur marginal der Fall. Nach einer Studie des „American Iron and Steel Institute“ (der Branchenverband der amerikanischen Stahlindustrie) beträgt die Produktionssteigerung gerade einmal 1,1 Prozent. Die US-Stahlindustrie ist offensichtlich nicht in der Lage, ihre Kapazitäten schnell genug hochzufahren. Das führt zu längeren Lieferzeiten. Einige Unternehmen, für die ausländischer Stahl zu teuer geworden ist, können Aufträge nicht mehr erfüllen, weil ihnen der Nachschub ausgeht. Teilweise betragen die Wartezeiten viele Wochen.

Deutsche Stahl-Hersteller fürchten Sanktionen nur bedingt

Für die deutsche Stahlindustrie bedeutet diese Entwicklung gute Nachrichten. Trump hatte die Strafzölle für EU-Stahl bis zum 1. Juni ausgesetzt. Es ist gut möglich, dass ihn die derzeitigen Entwicklungen auf dem US-Stahlmarkt davon abhalten, die EU-Sanktionen doch noch umzusetzen.

Die deutschen Stahl-Hersteller fürchten gegen sie gerichtete Sanktionen allerdings auch nur bedingt. Die Stahl-Lieferungen in die USA betragen rund 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht lediglich vier Prozent der deutschen Gesamtproduktion von 42 Tonnen. Mehr Sorge bereitet den Unternehmen, dass die USA die derzeitigen Sanktionen – trotz ihres negativen Effekts auf die amerikanische Wirtschaft – nicht aufheben. Das könnte dazu führen, dass große Mengen an Stahl nicht in die USA gelangen und stattdessen auf den europäischen Markt schwemmen. Das würde den Stahlpreis in die Tiefe treiben.

 

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