Russland-Sanktionen: Maschinenbauer SHW ist insolvent

Der Werkmaschinenhersteller SHW ist in die Insolvenz gerutscht. Für den Konzern sind die Ausfälle des Russlandgeschäfts nicht kompensierbar.

Durch den Wegfall des Russlandgeschäfts mangelt es SHW an Liquidität, um Rohmaterial einzukaufen. (Foto: © MNR)

Durch den Wegfall des Russlandgeschäfts mangelt es SHW an Liquidität, um Rohmaterial einzukaufen. (Foto: © MNR)

Trotz guter Auftragslage hat der Werkzeugmaschinenbauer SHW mit Sitz in Aalen Insolvenz angemeldet. Grund seien die Sanktionen der EU gegen Russland, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha in Stuttgart laut dpa-AFX. „Noch 2013 hat SHW rund 60 Millionen Euro Umsatz gemacht. Dann kam 2014 das Russland-Embargo, das dazu führte, dass der Umsatz bis 2017 auf 33 Millionen Euro zurückging.“ Zwar habe das Unternehmen neue Aufträge in China ergattert, die Ausfälle des Russlandgeschäfts aber nicht so schnell kompensieren können.

Mucha sieht gute Chancen, das Unternehmen mit Hilfe neuer Eigentümer zu sanieren – man sei auf der Suche. Der Geschäftsbetrieb werde derweil fortgeführt. „Die Auftragsbücher von SHW sind voll, in diesem Jahr sind 50 Millionen Euro Umsatz möglich.“ Das aber sei das Problem: Durch den Wegfall des Russlandgeschäfts mangele es an Liquidität, um Rohmaterial für die die bestehenden Aufträge einzukaufen.

Rund 240 Mitarbeiter betroffen

Betroffen sind am Standort Aalen rund 240 Mitarbeiter, die nun Insolvenzausfallgeld erhalten. Der Maschinenbauer ist auf hochtechnologische Fräsmaschinen spezialisiert, die unter anderem bei der Bearbeitung von Komponenten für Großdieselmotoren oder Turbinen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen betreibt Service-Niederlassungen in China, Indien und den USA.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags zitiert den Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft in Bezug auf die EU-Sanktionen gegen Russland: „Anteilig haben sich die deutschen Exporte nach Russland nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes, ausgehend von 2013 bis Ende 2016, von 35 Milliarden Euro auf rund 21 Milliarden Euro ebenfalls um 40 Prozent verringert. Russland ist damit in der Liste der wichtigsten deutschen Handelspartner hinter Länder wie Tschechien, Ungarn oder Schweden abgerutscht, die nicht einmal ein Zehntel der Einwohner Russlands haben. Umgekehrt verringerten sich die deutschen Einfuhren aus Russland von 40 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 26 Milliarden Euro 2016.”

Auswirkungen weitreichend

Der wirtschaftliche Schaden der realwirtschaftlichen Sanktionen sei für Deutschland weitaus größer als das allein die Exportrückgänge nach Russland ausdrücken. Die indirekten Effekte auf die Beschäftigung seien durchweg höher als die direkten Effekte. Dabei seien die Multiplikatoren der auf die Sanktionen zurückzuführenden Effekte deutlich größer als im Durchschnitt.

Nach einer Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), die im Februar 2018 durchgeführt wurde, sind 94 Prozent der befragten 141 deutschen Unternehmen für den Abbau der Sanktionen gegen Russland. „Deutschland hat nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Interesse, dass die Sanktionen nicht über viele Jahre erhalten bleiben“, so AHK-Vorstandschef Schepp.

Die EU-Staaten hatten 2014 mit den Wirtschaftssanktionen gegen Russland auf die Eingliederung der Krim und Russlands Agieren in der Ukraine-Krise reagiert.

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