Deutsche Wirtschaft: Konjunktur kühlt sich ab

Risiken bei Exporten / OECD revidiert Prognose

In der deutschen Wirtschaft wächst nach neun Jahren guter Konjunktur die Sorge vor einem Rückschlag. Der DIHK senkte seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um einen halben Punkt auf 2,2 Prozent. Mit Blick auf Italien warnte Wansleben: „Es kann auch noch schlechter werden.“

Die Industriestaaten-Organisation OECD senkt ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 2,1 Prozent zulegen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) voraussagte. Im März war sie noch von 2,4 beziehungsweise 2,2 Prozent ausgegangen.

Die OECD warnte zugleich vor Risiken für den Exporteuropameister. „Der zunehmende Handels- und Investitionsprotektionismus könnte den Welthandel beeinträchtigen und die globalen Wertschöpfungsketten unterbrechen, die für den Erfolg der deutschen Exporte entscheidend sind“, erklärte sie. „Dies könnte sich belastend auf das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung auswirken.“

Den Projektionen zufolge werde die Konjunktur aber wegen des robusten Welthandels, der Investitionen und des boomenden Arbeitsmarkts „solide“ bleiben. Der Konsum dürfte zwar langsamer zulegen, da die höhere Inflation an den Reallöhnen nage. „Die niedrigen Zinssätze, die hohe Kapazitätsauslastung und die zunehmende Nachfrage nach Wohnimmobilien stützen aber eine kräftige Entwicklung der Wohnungsbau- und Unternehmensinvestitionen.“

Der im Ausland viel kritisierte deutsche Überschuss in der Handelsbilanz dürfte leicht sinken, bleibe 2019 aber mit 7,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes noch immer klar über dem von der EU-Kommission vorgesehenen Höchstwert von sechs Prozent.
Die Organisation sieht Spielraum für die Regierung, stärker in Bildung, Breitbandnetze und eine emissionsärmere Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Dies verbessere langfristig die Produktivität. „Steuersenkungen für Gering- und Zweitverdiener würden zusammen mit höheren Umwelt- und Immobiliensteuern ein umweltverträglicheres und inklusiveres Wachstum fördern“, betonte die OECD.

DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben ergänzte, die Misstöne für die deutsche Wirtschaft kämen vor allem aus dem Ausland. Das belege auch die aktuelle Umfrage des Verbandes unter rund 24.000 Firmen. Bei den Exporterwartungen gebe es einen deutlichen Dämpfer, was mit drohenden US-Zöllen und generell einem wachsenden Protektionismus zu tun habe. Auch die Folgen der US-Sanktionen gegen den Iran sind nach DIHK-Angaben für deutsche Firmen „ein Riesenthema“. Insgesamt seien sowohl die Urteile zur aktuellen Geschäftslage als auch die Aussichten für die nächsten zwölf Monate weniger zuversichtlich ausgefallen. „Der Aufschwung steht auf dem Prüfstand“, so Wansleben. Im Inland seien die Personalengpässe die größte Wachstumsbremse.

Die politische Krise in Italien ist noch nicht in der Umfrage und DIHK-Prognosen enthalten. Sie habe aber das Potenzial zum „Desaster“ für die Konjunktur und die Euro-Zone insgesamt, warnte Wansleben. Die Handlungsfähigkeit des Währungsraums könne leiden. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die Euro-Zone auseinanderbreche.

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