Chinesen wollen bayrischen Auto-Zulieferer übernehmen

Mehrheit an Grammer / Kreditfinanzierung

Der Hersteller von Innenraum-Ausstattungen und Sitzen ist bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem chinesischen Großaktionär Ningbo Jifeng über ein freiwilliges Übernahmeangebot. Die Chinesen, die bereits gut 25 Prozent an Grammer halten, hätten einen Preis von 61,25 Euro je Aktie vorgeschlagen, einschließlich der geplanten Dividende von 1,25 Euro. Damit würde das bayrische Unternehmen mit 772 Millionen Euro bewertet. Ob es tatsächlich zu einem Angebot komme, sei aber noch nicht abzusehen.

Das Unternehmen aus Amberg in der Oberpfalz hatte seinen chinesischen Partner Ningbo Jifeng als Aktionär gewonnen, um eine Machtübernahme durch die Familie Hastor zu verhindern. Die Eigentümer des bosnischen Autozulieferers Prevent halten gut 19 Prozent an Grammer.

Erst kürzlich hatte Grammer die die größte Übernahme seiner Firmengeschichte in Angriff genommen: Das im Kleinwerteindex SDax notierte Unternehmen schluckt den Kunststoff-Spezialisten Toledo Molding (TMD) aus dem US-Bundesstaat Ohio und zahlt dafür rund 271 Millionen Dollar (233 Millionen Euro) einschließlich Schulden. TMD gehörte bisher dem US-Finanzinvestor Industrial Opportunity Partners (IOP). Der Zukauf soll über Kredite finanziert werden.

Die Übernahme eines anderen Mittelständlers durch chinesische Investoren könnte am Veto der Bundesregierung scheitern. Bei dem Unternehmen handelt es sich um die „Leifeld Metal Spinning AG“ aus dem westfälischen Ahlen. Es produziert Werkzeugmaschinen, unter anderem für die Auto- und Luftfahrtindustrie. Diese Maschinen sind so leistungsfähig, dass sie sogar Titanstahl umformen können.

Es wäre das erste Mal, dass einem ausländischen Investor der Kauf von Anteilen an einem deutschen Unternehmen per Außenwirtschaftsverordnung untersagt würde. Aus Regierungskreisen war zu hören, beim Für und Wider des möglichen Investor-Einstiegs handele sich um eine „haarige Prüfung“. Mit einem Umsatz von rund 40 Millionen Euro ist Leifeld nur ein relativ kleiner Mittelständler. Die Produkte der 1891 gegründeten Traditionsfirma sind allerdings dem technologischen Spitzenbereich zuzurechnen.

Marktbeobachter halten es für möglich, dass die Bundesregierung einen Präzedenzfall schaffen möchte. Seitdem der Roboterbauer Kuka im Jahr 2016 durch ein Unternehmen aus China übernommen wurde, schaut Berlin bei chinesischen Investitionen in Deutschland genauer hin. Zumal auch der Verfassungsschutz beim Einstieg chinesischer Firmen zur Vorsicht mahnt, weil dies zulasten des technologischen Vorsprungs gehen und zudem eine Gefährdung deutscher Sicherheitsinteressen darstellen könnte.

Auch die EU will in Zukunft die Investitionen chinesischer Firmen in Europa genauer prüfen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat eine Verordnung abfassen lassen, die eine einheitliche Prüfung chinesischer Investitionsvorhaben vorsieht. Über die Details wird derzeit beratschlagt.

 

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