Teilzeit-Gesetz: Scharfe Kritik aus dem Mittelstand

Neue Teilzeit-Regelung erschwert Personalplanung erheblich / Fachkräftemangel künftig deutlich spürbarer

Die Bundesregierung hat einen Gesetzesentwurf zur Einführung einer Brücken-Teilzeit vorgelegt. Das Gesetz besagt, dass alle Beschäftigten, die länger als sechs Monate in einem Unternehmen angestellt sind, künftig einen Rechtsanspruch auf Verringerung ihrer Arbeitszeit für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren haben.

Begründet werden muss der Antrag nicht. Die Regelung gilt nur für Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten. Für Firmen zwischen 45 und 200 Mitarbeitern gibt es eine besondere Zumutbarkeitsklausel. Sie besagt, dass die vorübergehende Teilzeit nur einem von 15 Beschäftigten gewährt werden muss.

Nicht genügend Angestellte

Vor allem im Mittelstand trifft das geplante Gesetz auf Kritik. Es erschwere die Personalplanung der betroffenen Unternehmen erheblich, so ein Sprecher der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT). Großunternehmen könnten die zusätzliche Arbeit, die sich daraus ergibt, dass der bisherige Inhaber einer Vollzeitstelle in Teilzeit geht, vergleichsweise leicht auf unter den anderen Arbeitnehmer verteilen, sagt die Geschäftsführerin des Mittelstandsverbunds, Judith Röder. Das sei einem kleineren Unternehmen mit vergleichsweise wenig Mitarbeitern kaum möglich. Hinzu komme ein weiteres Problem: In kleineren Unternehmen gebe es häufig nicht genügend Angestellte, die über die gleichen Kenntnisse wie der in Teilzeit gegangene Kollege verfügen. „Die Fähigkeiten des Bilanzbuchhalters, der in Teilzeit geht, wird in vielen Fällen kein anderer Mitarbeiter aufweisen“, sagt Röder. Die Konsequenz: Die Firma müsse einen neuen Bilanzbuchhalter einstellen – und zwar in Teilzeit. Doch das werde sich häufig als schwierig erweisen. „Wie viele hochqualifizierte Fachkräfte bewerben sich wohl auf eine befristete Teilzeitstelle?“, so Röders rhetorische Frage.

Geeignete Mitarbeiter werden rar

Besonders in Ballungsräumen, wo der Arbeitsmarkt häufig leergefegt ist, dürfte es dem Mittelstand schwerfallen, für in Teilzeit gegangene Mitarbeiter Ersatz zu finden. Der Fachkräftemangel dürfte für die betroffenen Betriebe in Zukunft also noch stärker spürbar werden als bisher. Vor allem in Regionen mit vielen Großunternehmen – die von den meisten Bewerbern als Arbeitgeber bevorzugt werden – wird es sich für den Mittelstand zunehmend schwierig gestalten, geeignete Mitarbeiter zu finden.

 

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