Belgien möchte aus Sparern Besitzer von Staatsanleihen machen

Die belgische Regierung möchte die eigenen Bürger zum Kauf von Staatsanleihen bewegen und lockt mit Zinsen von vier Prozent. So sollen die Sparguthaben in Staatsanleihen umgeschichtet werden.

Geplagt von den immens steigenden Zinsen auf belgische Staatsanleihen (mehr hier) in den letzten Wochen hat die belgische Regierung in der vergangenen Woche damit begonnen, das Privatvermögen der eigenen Bürger zu akkreditieren, indem sie Staatsanleihen an private Anleger verkauft (auch in Italien hofft man auf die eigene Bevölkerung – mehr hier). Am Freitag endet die zehntägige Sonderausgabe von belgischen Anleihen im Wert von 5,7 Milliarden Euro, die von der staatlichen Schuldenagentur koordiniert wird. Der Schuldenagentur zufolge verläuft die Aktion bereits erfolgreich.

Ob die Aktion ein gutes Geschäft für die Sparer ist wird sich erst noch weisen. Die Regierung köderte die belgischen Bürger mit moderaten 4 Prozent Zinsen für fünfjährige Anleihen. Das ist mehr, als die Bürger auf ihre üblichen Sparkonten erhalten, aber deutlich unter dem, was die Regierung am Schuldenmarkt zahlen müsste. So lagen etwa die Zinsen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren am internationalen Schuldenmarkt bei 5,9 Prozent bevor die Sonderemission gestartet wurde. Eine Sicherheit für die gekauften Staatsanleihen, wie sie die institutionellen Investoren durch den Kauf von CDS abschließen, haben die Belgier ebenfalls nicht, zumindest wird dies mit keinem Wort von der Schuldenagentur erwähnt.

Die hohen Ersparnisse der Belgier und die für sie guten Zinsen haben zu einer unerwartet positiven Aufnahme dieser Emission geführt, so die Schuldenagentur. In Zeiten der Krise und der hohen Zinsen nutzt der belgische Staat die Angst der Bevölkerung vor einer Verschärfung der Situation und appelliert an ihren Patriotismus. So wurde die öffentliche Kampagne von Yves Leterme, dem mittlerweile ausgeschiedenen Premierminister, geführt, der selbst versprach belgischen Staatsanleihen zu kaufen. Wie sehr Verlass auf die belgischen Politiker ist, haben sie in den vergangenen eineinhalb Jahren gezeigt, in der sie nicht einmal in der Lage, waren eine Regierung zu bilden. Selbst der Blick auf den International Transparency Report zeigt Belgien auf Platz 22, weit hinter Schweden, Dänemark und Norwegen beispielsweise – kein sehr vertrauenerweckendes Ranking.

Ziel der Aktion der Regierung ist, die Menge des Geldes, das sich Belgien im nächsten Jahr am internationalen Schuldenmarkt besorgen muss, zu reduzieren. „Das gibt uns ein bisschen mehr Luft zum atmen“, sagte Anna Leclercq, die Leiterin des Bereiches Staats- und Kapitalmarkt bei der Schuldenagentur, der FT. Wenn die Eurokrise die Zinsen für Staatsanleihen im nächsten Jahr weiter oben hält, kann sich Belgien ein paar Monate vom Schuldenmarkt zurückziehen und auf bessere Konditionen warten. Zudem soll die Tatsache, dass sogar die eigenen Bürger die Schulden Belgiens finanzieren, die Märkte davon überzeugen, dem Land Geld zu vernünftigen Raten zur Verfügung zu stellen. „Es zeigt internationalen Investoren, dass es inländische Ersparnisse gibt, die eine glaubwürdige Alternative sind“, erklärte Peter Vanden Houte, Ökonom der ING Bank in Brüssel.

Wenngleich Didier Reynders, der stellvertretende Premierminister, zuversichtlich ist, dass private Investoren pro Jahr Staatsanleihen im Wert von bis zu 40 Milliarden Euro – immerhin die Hälfte der Refinanzierungskosten – kaufen, ist es ungewiss, ob die Belgier tatsächlich weiterhin die Schulden des eigenen Landes kaufen. Und spätestens, wenn auch in Belgien Haushaltskürzungen in großem Maße durchgeführt werden müssen, wird es mit diesem von der staatlichen Schuldenagentur vermeldeten positiven Feedback ein jähes Ende haben.

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Kommentare

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  1. Kein Eurofan sagt:

    Da bin ich aber tatsächlich äusserst erstaunt, dass die Belgier noch Vertrauen zu ihrem Staat haben sollen. Ich stelle genau das Gegenteil fest, dass nämlich immer mehr Belgier, die etwas Kohle haben, in den Schweizer Bergen Immobilien kaufen mit der Begründung, in Belgien keine Zukunft mehr zu sehen, da ihr Land in einigen Jahrzehnten islamisiert sein werde und dann sei es dann total fertig mit lustig.

    • Margrit Steer sagt:

      Stimmt.
      Brüssel ist ja schon fest in islamischer Hand.
      Wird aber bei un auch noch kommen

  2. nonamesname sagt:

    Ich bin belgischer Beamter und Staatsbürger. Ich habe einen relativ großen Bekanntenkreis und auch dienstlich recht viele Kontakte.
    Tatsächlich ist es so, dass vor allem die wallonische Presse seit etwa einer Woche massiv für die Staatsanleihen wirbt und auch behauptet, dass schon sehr viele Bürger gezeichnet hätten. Teilweise läuft das wirklich nach dem Motto „Kauft schnell, es ist nicht mehr viel da!“ und somit nach klassischer Werbestrategie.
    Umso erstaunlicher finde ich es, dass wirklich niemand aus meinem privaten wie dienstlichen Bekanntenkreis Staatsanleihen gekauft hat. Im Gegenteil! Alle Befragten und Gesprächspartner winken ab, wenn es um dieses Thema geht. Niemand würde so leichtsinnig sein, zum jetzigen Zeitpunkt zu zeichnen.
    Es gibt daher zwei Möglichkeiten:
    1. Der Staat lügt.
    2. Verschiedene „flexible“ Spareinlagen, Fonds etc. sind ohne Wissen der Kapitaleigentümer in Staatsanleihen investiert worden.
    Ich halte letzteres für wahrscheinlicher.

  3. liberty sagt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass soetwas in einem unabhängigen, gesunden Staat mit eigener Währung eine gute Möglichkeit wäre. Da würden dann die Vermögenden in ihr eigenes Land investieren und das Bewusstsein der Selbstverantwortung der Bürger, dass sie der Staat sind würde steigen. Aber in diesem Fall ist es für die Belgier sowas wie Selbstmord. Wenn der Euro fällt, dann fällt auch der Euro in Belgien und dann ist alles futschi. Da wird Belgien einfach mitgerissen, egal was es jetzt macht.

  4. Gast sagt:

    Wer so behämmert ist sein Geld für 4 % Zinsen und 5 Jahr Laufzeit an einen drittklassigen
    Schuldner zu geben ist kein Patriot sondern ein Idiot. Wahrscheinlich verzögert die belgische
    Bevölkerung damit unbewusst die Zwangsanleihe.
    Patriotismus war noch nie ein guter Ratgeber und wenn man sich mal den Patriotismus der
    Europäischen Regierungen der letzten 2 Jahrzehnte ansieht dann ist wohl die Finanzindustrie
    der Staat.

  5. common sense sagt:

    „ist es ungewiss, ob die Belgier tatsächlich weiterhin die Schulden des eigenen Landes kaufen“

    kann man doch auch als *Kriegsanleihen* bezeichnen, oder ?

    Und mir ist kein einziger Fall bekannt, dass Kriegsanleihen ein „Geschäft“ gewesen wären…

    Bin gerade dabei, das Elternhaus nach mum`s stroke tlw. umbauen zu lassen.
    habe vergeblich Eltern seit 2 Jahren rational und emotional auf sinnvolle investments (insulation etc.) einschwören versucht, die verdammten Sturböcke werden jetzt das komplette Vermögen erodiert bekommen.
    Wenn sie weiter so stur beliben, lass ich sie noch in 10 Tagen besachwalten.

    Bin nur gespannt, wann Kontensperre und Währungsreform kommen, mein „Stuhl“ tippt da auf Mitte Jänner, Anfang Feber, sobald auch dem letzten Fuzzi klar sein wird, dass Greece ua ihre Zins/Zinseszins – Last erdrückt hat.

    Und nach 3 Monaten Sperre, civil unrest/war in den Strassen,
    Mann oh Mann es wird saukalt werden all over the place..

    • Livia sagt:

      Früher unterstellten sich die Eltern, sobald sie endgültig aus dem Erwerbsleben ausschieden, ihrem ältesten Sohn, der seinerseits dann für die Eltern zu sorgen hatte.
      Jedenfalls im bäuerlichem und mittelständischen Schichten war das so. Mit Einführung der Altersrente für (fast) alle hat man den Alten auch beigebracht, daß unterordnen nicht mehr nötig ist und daß sie in ihrem Altersstarrsinn voll ausleben können und sollen.
      Dazu hat man die Großfamilie schon in den 1960er Jahren durch solchen Blödsinn wie (Pop-)Musikgeschmack auseinandergebracht und wo das nicht „half“, andauernd den Spruch rausgelassen, daß Alt und Jung auf keinen Fall (in einer Wohngemeinschaft) zusammenpaßt!
      In den 80ern hat man dann den Rückweg verunmöglicht, indem man alles, was größer war als eine 3-Zimmerwohnung hat wegmodernisieren lassen (Schaffung von Wohneinheiten) und das Ehe- und Erbrecht familienfeindlich gemacht! Wenn Sie also Pech haben, die Mutter stirbt und der Vater noch einmal heiratet, erbt alles, wofür Sie sich heute krumm legen, möglicherweise seine 2.Frau!
      Man braucht gar keinen Bürgerkrieg mehr, man hat ihn schon in den Familien!

  6. FDominicus sagt:

    Jeder Euro der mit Staatsanleihen verloren wird ist ein guter Euro.

  7. Mark sagt:

    Scheint mir der einzige Weg zu sein aus der Solarsubvention in einem Alpengefälle raus zu kommen 😉

  8. Rico Coracao sagt:

    Das dauert doch Alles nur noch ein paar Tage, ich tippe auf den 13.12, Dienstag..
    da rauscht -Alles- ab, Europaweit… gewürzt mit einem gigantischen Bankenrun und
    dem folgenden Supermarktrun..ein Winter der Anarchie steht uns bevor (Ausgangssperren!) , hoffentlich ist gegen März dann der Spuk erstmal vorbei, warscheinlich ne Währungsreform, Essensmarken etc.. kennt man ja..
    Die Medien können sich die bürgerkriegsähnlichen Aufstände dann aussuchen: Spanien, Italien, Griechenland oder auch hier..hot like fire (;
    Der Mittelstand ist natürlich mindestens für die nächste Dekade Geschichte

    • Micha sagt:

      Spielen Sie Lotto? Schon mal Glück gehabt mit dem „Tippen“ und ein 6 er mit Zusatzzahl „getippt“ ?

      So einen Text wie Ihren, lese ich auch nur im Internet.

      Niemand in meinem Umfeld, privat oder geschäftlich, gibt so eine dünne Soße von sich und das Umfeld erstreckt sich dabei vom Hartzler bis hin zu Firmeninhabern von Mittelstandsunternehmen.

      Das muß wohl ein Phänomen im Internet sein, wo sich ein täglich ein paar 100 zum Armageddon treffen. Wo dann wieder einmal wild mit Zahlen um sich geworfen wird, die keinerlei Substanz haben.

      Tun Sie sich selbst einen Gefallen, sichern Sie sich gegen ein Währungszusammenbruch ab und genießen Sie das Leben. Zuviel Schwarzmalerei, hat schon so manchen in den vorzeitigen Selbstmord getrieben.

      Ist nur ein gut gemeinter „Tipp“.

      Gruß der Micha

    • Zeitzeuge sagt:

      Ich glaube Sie haben zuviel Hollywood Filme geschaut oder leben Sie in Griechenland ?Anarchie….Mord und Totschlag, Ihnen gehts doch nicht ganz gut. Ich glaube Sie sollten sich mal eine Ausgangssperre oder Internetsperre verordnen.

  9. Skydiver sagt:

    Wenigstens die Deutschen wären hoffentlich nicht mehr so dämlich, Gold für Eisen zu geben. Staatsanleihen kann man nicht essen und die fünfjährige Laufzeit ist ja wohl ein Witz.

    • Sir Edward Ross sagt:

      Doch, die Deutschen wären so dämlich. Sie dürfen nicht von Ihrer Person auf die Allgemeinheit schliessen.

    • Margrit Steer sagt:

      Doch leider sind die Detuschen imemr noch strunzdumm und vor allem enorm obrigkeitshörig.
      Ich dachte auch immer, das wäre vorbei nach dem Krieg, erelbe es aber leider anders.

  10. Milton sagt:

    Was ist schon von einem Sozialisten zu erwarten?