Überproduktion: China wirft ausländische Autobauer aus dem Land

Bis vor kurzem waren ausländische Investoren in der chinesischen Automobilbranche willkommene Gäste. Nun streicht China sie von der Liste. Überproduktion und das abgeschöpfte Know-How lassen die Investoren nun zu knallharten Konkurrenten werden, von denen man sich lieber früher als später trennt.

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China hat sich entschlossen, die ausländischen Investoren nicht mehr am Automarkt teilhaben zu lassen. Zum ersten Mal seit 2007 sind sie nicht mehr willkommen, um Autofabriken zu bauen. Um die „Automobilbranche in einer gesunden Art und Weise weiter wachsen zu lassen, entschlossen wir uns die Autoproduktion von der Liste zu nehmen“, heißt es in dem offiziellen Statement der nationalen Entwicklungs- und Reform Kommission (NDRC), die Agentur für Wirtschaftsplanung. Die Rede ist von einer Liste, die hervorhebt, in welche Industrien Chinas ausländisches Kapital fließen soll. 2007 war die Automobilindustrie noch Teil dieser Liste.

Das ist nur ein weiterer Schritt Chinas, Know-How aus den westlichen Ländern zu generieren und sie anschließen wieder fallen zu lassen. Erst kürzlich wurden so genannte Strafzölle auf Autos erhoben, die aus den USA nach China geliefert wurden (auch deutsche Autobauer sind davon betroffen – mehr hier). Immerhin machen Ausländische Marken wie Volkswagen und General Motors 70 Prozent der Verkäufe auf dem chinesischen Markt aus. Zu viel für China.

Aufgrund der wirtschaftlich turbulenten Zeit und einer deutlichen Überproduktion gerät der chinesische Automarkt unter Druck, so die NDRC. Wuchsen die Verkäufe 2010 noch um 32 Prozent, konnte in den ersten 11 Monaten bisher nur ein Wachstum von 2,42 Prozent erzielt werden. Im November sanken die Autoverkäufe sogar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,56 Prozent auf 1,6 Millionen. Die ausländischen Investoren werden so nicht mehr zu Partnern, sondern knallharten Konkurrenten in einem Verdrängungswettbewerb.

Allerdings, so die chinesischen NDRC, werde sich China für andere Produktionsfelder „um direkte ausländische Investitionen bemühen“. Unterstützung für Krankenhäuser und Finanz-Leasing Firmen ist dem NDRC zufolge nun erwünscht. Bereiche, in denen sich die Chinesen durch ausländische Investoren sicher mehr Know-How erhoffen, als sie bisher haben. Know-How, das sie seit geraumer Zeit auch schon durch Unternehmenskäufe im Ausland generieren (mehr hier). Die Frage ist nur, inwiefern sich ausländische Investoren in diesen Bereichen engagieren wollen. Besonders Investitionen aus den USA und Europa sind in der vergangenen Zeit stark gesunken (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Ketzer sagt:

    Wie schön, dass es auch einmal die von der Bundesregierung gehätschelten „deutschen“ Großkonzerne trifft! Finde ich prima. Nur schade, dass diese Sklaventreiber nicht gleich ganz enteignet wurden sind. Das hätten die verdient!

  2. Ketzer sagt:

    Was hat denn Ideen-Klau mit China zu tun. Das macht „unsere“ Bundesregierung doch genauso mit den kleinen und mittelständigen Unternehmen. Denen werden die besten Geschäftsideen geklaut und wer bekommt diese? Natürlich die Begünstigten der Staatsmafia. Ich will nicht behaupten, dass das ausschließlich die gewerkschaftlich organisierten Großkonzerne sind, die dann in trauter Zusammenarbeit mit der Geheimdienstmafia die Innovationen abgreifen. Auch in den USA darf man diese Erfahrung, abgegriffen und dann entsorgt zu werden, machen. Dazu kommt, dass nach meinen Erfahrungen Verträge dort keinerlei Empfinden von Verbindlichkeit auslösen…
    Nun denn, das ist also ganz gewiss kein chinesisches Problem, sondern ein generelles Verhalten der Staatsmafia, wie es gerade im Westen normal ist.

  3. conforma sagt:

    Haben deutsche in China tätige Unternehmen, speziell unsere großen Personenwagen-Bauer, so wenige Erfahrungen mit chinesischem Denken und Verhalten machen können, dass sie die jetzige Entwicklung nicht haben einkalkulieren können? War das etwa nicht abzusehen? Die Begeisterung für China, geradezu eine „Chinesiche Krankheit“, schlägt jetzt so negativ zurück, dass wir in Deutschland ein neues Problem mit negativen Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft bekommen werden.
    Außerdem sollten wir die immer weiteren Millionen PKWs im Zusammenhang mit unseren Klima-Vorstellungen sehen. Durban war bisher der Klima-Gipfel mit dem größten sinnlosen „Diskussions-Schadstoff-Ausstoß“, weil ein Ergebnis von real null-Komma-null erreicht wurde. Und noch mehr Millionen PKWs, noch mehr Milliarden an Flug-Kilometern und immer weiteres Wachstum bedingen synchron ein entsprechendes Ansteigen von CO2. Bei uns wollen wir die nervigen Klima-Schutz-Bevormunder für die ganze Welt spielen und lassen aber in den asiatischen Ländern alles produzieren, was nur CO2-Rang und -Namen hat. Auch die Chinesen haben langsam die Nase voll. Die Vielfalt an Widersprüchlichkeiten sind wirklich nur noch ätzend. Und die von uns nach Asien exportierten Autos – haben die eigentlich auch alle die bei uns eingebauten Filter zum Schutz der Umwelt? Würde mich nicht wundern, wenn das nicht der Fall wäre.

  4. Maurizio V. sagt:

    Aber Bitte was soll das Gejammer wer wollte den möglichst billige Autos, Fernseher zum Spottpreis den Pc als kleines Geldbeutel Geschenk ? Ja wir haben den Chinesen das Know How gebracht und wundern uns nun ? ich bin selbst Modedesigner und schaffe es nicht mal mehr einen guten Job zu bekommen ..ehm ach ja auch mein Know How steckt in China drin ,.,,,

    Frohes Neues 2012 🙂

    • Küstennebel sagt:

      Nicht „WIR“!!!! mich hat keiner gefragt!!!

    • baaba sagt:

      Werter Maurizio V,
      die Chinesen brauchen auch Ihr „Know How“ nicht, denn dort gibt es eine Unzahl begnadeter Designer, Techniker, Künstler, Entwickler auf sehr hohem Niveau.
      Das Bild, welches unsere NWO Politiker und NWO Medien von China seit Jahrzehnten und besonders in den letzten 10 Jahren zeichnen, ist schon lange überholt.
      Aus Feigheit oder beauftragt wird das Lügengebilde weiter aufrecht erhalten.
      Übrigens, die Autos, die derzeit im weltweit grössten Fahrzeug- Erzeugerland hergestellt werden, werden weitestgehend im derzeit weltgrössten Auto- Verbrauchermarkt vermarktet.

  5. Munnie sagt:

    So blöd können auch nur die deutschen Unternehmer in ihrer Profitgier sein.
    Bringen die ganzen technischen Innovationen und Errungenschaften nach China und sind hinterher die Gelackmeierten.

    Aber nicht nur die Unternehmen….
    Wie schrieb schon Dirk Müller in seinem Buch „Crashkurs“ zu China:
    (ich hoffe, ich darf das hier wiedergeben)

    „Wir selbst haben fleißig zu dieser Beschleunigung beigetragen. Tausende chinesische Studenten kamen nach Deutschland, um sich an unseren Universitäten ausbilden zu lassen. Sehr nobel, sehr edel. Diese ehemaligen Studenten lehren jetzt als Professoren an den chinesischen Universitäten und dienen so als Multiplikatoren. Wir haben unsere eigene Konkurrenz ausgebildet…… Wieso tut man so etwas?
    Können sie sich vorstellen, dass der HSV seine Jugendspieler zu einjährigen Trainingslagern zum FC Bayern schickt? Und vor allem, dass der FC Bayern diese Jungs ausbildet und nach einem Jahr sagt: „So, jetzt seid ihr richtig fit, jetzt geht nach Hamburg und haut uns beim nächsten Bundesligaspiel mal ordentlich vom Platz!“

    Dieses Buch kann ich wirklich nur empfehlen!!!
    Es war mein Einstieg in die ganze Thematik Geld. Er schreibt so lebendig und spannend, dass man einfach nur immer noch mehr wissen möchte.

    • Karl Heinz sagt:

      Zitat:“Tausende chinesische Studenten kamen nach Deutschland, um sich an unseren Universitäten ausbilden zu lassen. “

      Dann brauchen wir ja keine Angst zu haben. An unseren Unis werden nur lange überholte Wissenschaftsparadigmen gelehrt, keine Wissenschaft.

      Oder wie erklärt man sich den technologischen Stillstand, seit Ende des Krieges?

      Alles ist ausgelegt, um das Erdölzeitalter möglichst lange aufrecht zu erhalten. Da kann man richtungsweisende Neuentwicklungen nicht gebrauchen.

      In den 60gern war Deutschland auf dem Wege sich, mit der Kernenergie, energetisch unabhängig zu machen. Ohne Anti-Atomkraft-Bewegung und Grüne (man frage sich wer die finanziert hat) hätten wir heute sichere AKWs der vierten Generation und die Probleme mit der Hinterlassenschaft wären auch gelöst.

      Von Bologna-Schmalspur-Ingenieuren, die unkritisch nur Vorgekautes auswendig lernen, kann man natürlich nichts Innovatives erwarten, und das ist gewollt.

      Auch interessant: Es gibt bereits Haus-Blockkraftwerke auf Basis der kalten Fusion. Hört man was davon? Stattdessen werden ineffiziente Solaranlagen gefördert.
      (googeln sie nach Andrea Rossi)

    • mandelkern sagt:

      Ja, Dirk Müller ist äusserst lesenswert, und sein Video-Blog bietet börsentäglich Klartext.

      Immerhin haben wir vor 2 Jahren aufgehört, Entwicklungshilfe-Millionen an China zu verschenken.
      Wir leisten aber immer noch Aufbauhilfe besonderer Art:
      Das THW (untersteht dem Innenministerium) sendet Lehrkräfte nach China, die dort Techniker und Ingenieure ausbilden sollen, bwz. die chinesischen Lehrinstitute effektiver strukturieren sollen. China hat schliesslich kein duales Ausbildungssystem, so wie wir, und da müssen wir ihnen unter die Arme greifen, damit ihre technischen Leistungen sich verbessern können…

      Ein Bekannter von mir, pensionierter Berufsschullehrer, leistet solche Arbeit für das THW. Er hält sich für gutes Geld regelmässig 2-3 Monate in China auf, um dort eine Art Berufsschule für Ingenieure auf den neuesten Stand des Know-How zu bringen.
      (Dafür darf er sich kritisches von mir anhören. Aber da er gerne reist und damit seine Pension aufbessert, nimmt er solche Aufträge mit Freuden an.)
      Und ich erfahre von ihm interessantes aus 1. Hand über den chinesischen Alltag, die dortige Mentalität, den Lebensstandard und den Ausbildungsstand der künftigen Konkurrenz.
      Der hält sich bislang in Grenzen:
      das Wissen und die Fertigkeiten, die in China ein „Ingenieur“ hat, entspricht nach Aussage meines Bekannter derzeit dem Stand eines deutschen Auszubildenden im 2. Lehrjahr eines technischen Berufs.
      Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie uns eingeholt haben.

  6. Küstennebel sagt:

    Die deutschen Konzernchefs wollten ihre Gewinne maximieren, indem sie teure Produkte durch chinesische Arbeiter zu niedrigsten Löhnen produzieren. Daraus wird langfristig nichts. Und auch die deutschen Konzernchefs erhalten keine lukrativen Posten in der Volksrepublik China. Da denken die Chinesen wohl ähnlich wie Churchill, der sagte: „ich liebe den Verrat, aber ich verachte den Verräter“.
    Vielleicht könne sie ihre Konzerne jetzt nach Nordkorea verlagern, da sind die Löhne noch niedriger.
    War ohnehin merkwürdig, dass so viele Firmenchefs ihre Produktion in die Volksrepublik China verlagerten und in Deutschland vor einem „Linksruck“ warnten.

  7. hunsrückbäuerchen rülps sagt:

    wer sein know how auf dem silbernen tablett serviert um damit ein paar rosinen zu ernten, statt damit weiterhin rebstöcke zu pflanzen, tja, dem werden die rosinen dann schon irgendwann sauer aufstoßen.

    kein mitleid mit dem kapital, es war uns ist gierig und Gier ist eine der sieben Todsünden.

  8. EuroTanic sagt:

    Das man sein Wissen nicht mit seinem Konkurrenten teilt wissen selbst die dümmsten Bauern. Vielleicht sollten wir unsere dümmsten Bauern in die Regierung und die Vorstandssessel wählen?

  9. Otto sagt:

    Tja wer nur nach Profit giert wird alles verlieren! Langsam kommt der wahre Hintergrund der Chinesischen strategie zum Vorschein. Nur, die anderen könnten Ihre Märkte für Chinesische Produckte auch schließen, mal sehen, ob Cina dann noch ein halbes jahr durchhält, denn der Exportmotor könnte das gesamte Chinesische System sofort zum wanken bringen, und eine Revolte ungeahnten Ausmasses zum zünden bringen!

    • baaba sagt:

      Werter Otto,
      bitte vergessen Sie nicht, dass China einen Binnenmarkt von mehr als 1.3 Milliarden Menschen hat. Dieser Binnenmarkt wurde in den vergangenen 15 Jahren und wird weiterhin rasend schnell entwickelt.
      In Zukunft werden chinesische High Tech Produkte den Weltmarkt überfluten, dann gnade uns Gott. Die Haushaltsartikel und das Spielzeug können wir dann wieder in Deutschland produzieren

  10. N38001 sagt:

    Ausländische Investoren haben vor allem an der Börse mitgespielt.

    Viele westliche Konzerne haben sich schnell wieder aus China zurückgezogen, weil sie ihre Fähigkeit überschätzt haben, sich in die fremde Mentalität hineinzudenken.

    Die Chinesen drehen ihr eigenes Ding und der Vorteil des Protektionismus ist für sie ausgemachte Sache. Der asiatische Nationalismus wird völlig unterschätzt.

    Zudem sind die USA erpressebar. Die Chinesen könnten ihre Kredite zurückforden und damit die Hyperinflation im Dollarraum anheizen.

    http://www.atimes.com/atimes/Front_Page.html

    Es mag uns gefallen oder nicht, aber die Abhängigkeit vom asiatischen Markt hat den Westen in eine äußerst mißliche Lage gebracht. Das Epizentrum der Weltwirtschaft hat sich verschoben.