Gift-Papiere: 1,7 Millionen neue Derivate auf dem Markt

Die Banken haben im Jahr 2011 den Markt mit Unmengen an neuen Risiko-Papieren geschwemmt. Niemand kann sagen, welche Gefahren von diesen Papieren ausgehen. Fest steht jedoch, dass die Papiere nicht nur für die Banken gefährlich sind – sondern am Ende auch für die Bundesrepublik.

Aktuell:
ESM: Euro-Staaten können Geld ohne Zustimmung Deutschlands abrufen

Der Streit um mehr Geld für den Rettungsschirm ESM/EFSF geht in die nächste Runde. Christine Lagarde und Mario Monti haben Verdopplung des Rettungsschirms auf 1 Billion Euro gefordert. Deutschland soll dabei erneut die Hauptlast tragen. Es ist eine Schraube ohne Ende. Willem Buiters, der Chefökonom der Citigroup, fordert bereits ein Volumen von 4 Billionen Euro (mehr hier). In der Finanzszene wird bereits mit Summen bis zu 10 Billionen Euro spekuliert (mehr hier). Offenbar gilt hier der Grundsatz: Viel hilft viel.

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“: Man sollte sich doch bitteschön an den alten Lehrsatz von Paracelsus erinnern (mehr hier). Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass immer mehr Geld in Form von Risikoübernahmen durch die EU-Staaten durch Bargeld und Bürgschaften das System auf Dauer stabilisieren kann. Die Forderung wird doch immer wieder von der Finanzindustrie erhoben, um sich ihrer Lasten aus maroden Forderungen sowohl an den privaten Sektor wie beispielsweise den Verbriefungen des Immobiliensektors oder Mitgliedsstaaten, die am Rande der Staatspleite entlang schlingern, an die Allgemeinheit der Steuerbürger abwälzen will.

Statt den Finanzsektor nun drastisch zu konsolidieren und notfalls weitgehend zu verstaatlichen, will man das Zombie-Bankensystem weiterhin am Leben erhalten. Die Banken danken es den Regierungschefs, in dem sie immer mehr Giftmüll produziert. So stieg die Zahl der Finanzderivate auf einen historischen Höchststand in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1,7 Millionen Neue Finanzderivate auf den Markt geworfen (mehr hier). Welche Risiken dort schlummern? Niemand kann es abschätzen. Man hat sich ja inzwischen darauf geeinigt, welches die gefährlichen Banken der Welt sind (mehr dazu hier). Die Deutsche Bank zählt hierzu mit einer Bilanzsumme von über 2 Billionen Euro. Im Vergleich zu den anderen systemrelevanten Banken (Sifis) wird hier nicht konsolidiert (mehr hier). Man vertraut offenbar auf einen Bailout durch die Bundesregierung sollte es mit dem Risiko im Zuge der Krise eng werden, dass man aufgehäuft hat. Mit der lahmen Commerzbank bereits am Tropf des Staates könnte dann Deutschland schnell auch zum lahmen Mann Europas mutieren.

Die Bunderegierung und die anderen Regierungschefs sollten statt immer mehr Geld ins System zu pumpen, die Banken endlich an die Kandare nehmen, um eine Kreditklemme der Realwirtschaft abzuwenden. Durch eine Restrukturierung – weg von den Derivaten und hin zum normalen Kreditgeschäft – ist der Finanzsektor zu stabilisieren. Dringlichkeit mehr Geld ins System zu geben besteht auch deswegen nicht, weil die EZB ja bereits 500 Mrd. Euro auf drei Jahre in diesem Monat an die Sifis verteilt hat. Was machen die? Sie parken es wieder unverzüglich bei der EZB. Und jetzt noch mehr Geld?

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Kommentare

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  1. St.Haben sagt:

    Im Blick behalten und soweit es die Möglichkeiten zulassen muss der „kleine Mann/Frau werden.Bildungsmöglichkeiten(den Neuen Umständen auch angepasst in Form von nachhaltigem Produzieren und ähnlichem)ist notwendig und würde die Fähigkeit schützen und unterstreichen und auch die Perspektive der Menschen in die Zukunft nachvollziehbar stärken.Bleiben diese wichtigen Elemente aus oder werden vernachlässigt,kann bald keine schadstoffarme Dienstleistung und Produktion mehr stattfinden und das Geld wird wohl keinem vernünftigen Zweck mehr erfüllen können.Hoffentlich bleibt uns dies erspart.

  2. HB4242 sagt:

    Was sind schon 1,7 Millionen ???

    Heute wird nur mehr in Milliarden und Billionen gerechnet.

    • Autofokus sagt:

      @HB4242 bei den 1,7 Mio handelt es sich nicht um Geld, es sind neue Finanzprodukte, also Derivate. Die werden gebraucht, um den Investoren möglichst diversifizierte Anlagen für ihr Kapital anbieten zu können, um höchst mögliche Profite und kleinstmögliche Risiken einzugehen.
      Diese Finanzprodukte sind also in diesem Ausmasse kaum noch zu überblicken, geschweige denn zu verstehen.
      Stellen Sie sich ein Ladengeschäft vor, welches ein Sortiment von 1,7 Mio Artikel in der Auswahl hat, die alle für den gleichen Zweck hergestellt wurden, z.B. ein Bäcker mit 1.7 Mio verschiedenen Backwaren, Brötchen in allen Formen, Grössen, Gewicht, Farben etc. . Sie hätten dann während 10 Jahren jeden Tag rund 466 verschiedene Backprodukte zur Auswahl, ohne nur einen einzigen Tag dasselbe Brötchen gegessen zu haben.

      • Autofokus sagt:

        also, um ganz genau zu sein, müssten Sie täglich, während 10 Jahren, 466 Backprodukte essen, ohne ein einziges Mal dasselbe Brötchen gegessen zu haben

  3. ghostdance sagt:

    Dabei ist die Lösung ganz einfach: regionale Wirtschaft mit regionaler Währung. Wenn man dazu einen Tauschsatz vereinbart (z.B. 1 Stunde Arbeit gegen 1 Stunde Arbeit oder 1 l Milch gegen 1 Pfund Pflaumen), dann entsteht kein „Einkommen“ mehr und also auch keine Steuer. Auch keine „Mehrwertsteuer“. An diesem selbst organisierten System kann jeder teilnehmen, der möchte und jeder kann das einbringen, was ihm liegt. Damit wäre die Finanz- und Politmafia unter sich und kann sich gegenseitig verarschen. Die Macht dieser Verbrecher beruht auf nichts anderem als auf bedruckten Papierscheinen. Bedrucktes Papier und heiße Luft, sonst nichts! Davor muß man sich nicht fürchten!

  4. yankeedudle sagt:

    es gibt keine kreditklemme in der realwirtschaft! das ist doch dummschwatz. die realwirtschaft braucht aktuell kein geld weil: die großen schwimmen Cash, die mittleren stehen in einem brutalen konkurenzkampf, weil der deutschen binnenmarkt aufgrund der seit 12 jahren sinkenden reallöhne nix kauft und die kleinen, die kriegen keinen kredit, weil die politischen rahmenvorgaben viel zu streng sind. das ist doch alles nur dumme propaganda. das kapital strebt nach der monopolisierung des angebotes, es hat überhaupt kein interesse an konkurenz. die banken sind die operativen instrumente es kapitals, man müsste sie zerschlagen um einen schritt weiterzukommen, doch das würde keiner der politischen entscheider überleben, er wäre noch bevor er den gedanken zu ende gedacht hätte, ermordet worden. zerschlagt die banken, zerschlagt die großunternehmen, wie auch immer, dann kommt die trendwende, vorher nicht.

  5. murksel sagt:

    Der Streit um die Erhöhung des ESM ist doch lächerlich und lediglich ein Schaukampf.
    Das weiß Merkel ganz genau, deshalb kann sie sich jetzt getrost gegen eine Aufstockung wehren. Sie weiß nach Installation des ESM ist das alles möglich auch ohne Beschluß und ohne Ablehnung ! der nationalen Parlamente.

    Ist der ESM nämlich erst installiert, kann der Governeursrat das Stammkapital beliebig verändern.
    Der Erhöhungsbetrag des Stammkapitals wird dann auf die Mitgliedstaaten umgelegt nach dem Beitragschlüssel der EZB-Garantien. Danach haftet m.E. Deutschland mit 27%.
    Wenn also der Gouverneursrat beschließt das Stammkapital um 500 Milliarden zu erhöhen, müßte Deutschland (ohne Möglichkeit sich dagegen zu wehren !) ,
    27% dieser Summe nämlich 135 Milliarden zusätzlich übernehmen.

    Hier ein Auszug aus der deutschen Übersetzung des ESM:

    (Link: http://eurodemostuttgart.files.wordpress.com/2012/01/120123-esm-vertragstext.pdf

    ARTIKEL 9
    Kapitalabrufe
    1. Der Gouverneursrat kann genehmigtes nicht eingezahltes Kapital jederzeit abrufen und den
    ESM-Mitgliedern eine angemessene Frist für dessen Einzahlung setzen.
    2. Das Direktorium kann genehmigtes nicht eingezahltes Kapital durch Beschluss mit einfacher
    Mehrheit abrufen, um die Höhe des eingezahlten Kapitals wiederherzustellen, wenn diese durch das
    Auffangen von Verlusten unter den in Artikel 8 Absatz 2 festgelegten Betrag – der vom
    Gouverneursrat gemäß dem Verfahren nach Artikel 10 geändert werden kann – abgesunken ist, und
    den ESM-Mitgliedern eine angemessene Frist für dessen Einzahlung setzen.
    VS – Nur für den Dienstgebrauch
    (Inoffizielle Arbeitsübersetzung)

    3. Der Geschäftsführende Direktor ruft genehmigtes nicht eingezahltes Kapital rechtzeitig ab,
    falls dies notwendig ist, damit der ESM bei planmäßigen oder sonstigen fälligen
    Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern des ESM nicht in Verzug gerät. Der
    Geschäftsführende Direktor setzt das Direktorium und den Gouverneursrat über jeden derartigen
    Abruf in Kenntnis. Wird ein potenzieller Fehlbetrag in den Mitteln des ESM entdeckt, so führt der
    Geschäftsführende Direktor (einen) entsprechende(n) Abruf(e) baldmöglichst durch, um
    sicherzustellen, dass der ESM über ausreichende Mittel verfügt, um fällige Zahlungen an Gläubiger
    fristgerecht und in voller Höhe leisten zu können. Die ESM-Mitglieder verpflichten sich
    unwiderruflich und uneingeschränkt, Kapital, das der Geschäftsführende Direktor gemäß diesem
    Absatz von ihnen abruft, innerhalb von sieben Tagen ab Erhalt der Aufforderung einzuzahlen.
    4. Das Direktorium beschließt die ausführlichen Regelungen und Bedingungen, die für
    Kapitalabrufe nach Maßgabe dieses Artikels gelten.
    ARTIKEL 10
    Veränderungen des genehmigten Stammkapitals
    1. Der Gouverneursrat überprüft das maximale Darlehensvolumen und die Angemessenheit des
    genehmigten Stammkapitals des ESM regelmäßig, mindesten jedoch alle fünf Jahre. Er kann
    beschließen, das genehmigte Stammkapital zu verändern und Artikel 8 und Anhang II entsprechend
    zu ändern. Dieser Beschluss tritt in Kraft, nachdem die ESM-Mitglieder dem Verwahrer den
    Abschluss ihrer jeweiligen nationalen Verfahren notifiziert haben. Die neuen Anteile werden den
    ESM-Mitgliedern nach dem in Artikel 11 und Anhang I vorgesehenen Beitragsschlüssel zugeteilt

  6. Robespierre sagt:

    „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“ … und schon lange sehen wir die Symptome der Vergiftung. Aber, Krebs wird mit Krebs bekämpft. Ich sage es hier noch einmal: Das Grundübel ist das Zins und Zinseszinsen System. Die letzten 200 Jahre mit dem Bankensystem der Welt gehören zum grössten Verbrechen der Weltgeschichte. Nur wenige profitieren davon. Die 99 sind Schuldsklaven, an die Galeeren gebunden. Das Gift ist die Lüge, wir müssten immer mehr konsumieren, erarbeiten, ausbeuten – das alles führt zum selbstgemachten Kollaps. Machbare Lösung: Sofortige Abschaffung des Zins und Zinseszinsen Systems. Geldverleih mit Gebühr durch den Staat für alle. Die Gebühr darf nicht mehr als 1% sein. Die Parasitär denkenden Menschen sehen das aber nicht als machbar. Warum: Weil es so Wohlstand für alle gibt und wenige nicht mehr über viele Herrschen können. Das Gift sind also die Korrumpierten Herrschenden.
    Die Theologen wüssten das. Bauen und bewahren haben die Menschen in Herrschen gewandelt.

  7. Blickensdörfer sagt:

    “ . . . den Finanzsektor nun drastisch (zu) konsolidieren . . .“ – “ . . .die Banken endlich an die Kandare nehmen . . . “ – „Durch eine Restrukturierung . . . ist der Finanzsektor zu stabilisieren.“ Das klingt mächtig gewaltig und bringt wohl auch deshalb die Ohnmacht des Verstehens der Krise zum Ausdruck. Und scheinbar gibt es kein anderes Verstehen zu „Krise“. Denn auch der Kanzlerin Bekenntnis, dass aus der Krise zu wenig gelernt worden sei, scheint das zu bestätigen.
    Dabei kann doch die formulierte Schlussfolgerung “ . . . weg von den Derivaten und hin zum normalen Kreditgeschäft . . .“ eine Grundlage für ein anderes („besseres“) Verstehen sein. Bereits eine Auseinandersetzung mit der Bezeichnung „normales Kreditgeschäft“ (worin unterscheidet es sich von einem nicht normalen?) könnte dazu ein erster Schritt sein. (s. „Kredit und Geldware“)

  8. Zeitzeuge sagt:

    Kein Hund hängt sein Herrchen an die Leine…

  9. proWie.....and sagt:

    und genau das ist ja auch eines der ziele…denn dadurch kann der euro und dollar zusammenbrechen um den weg für den eventuell heißenden Bancor frei zu machen

  10. FDominicus sagt:

    Hier ist die Dosierung ganz klar. Da es schon zuviel an Kredit und Schuldgeld gibt, kann hier eine Erhöhung nur noch das Ende schneller herbei führen.