Venizelos: Deutscher Vorschlag verletzt „nationale Würde“ Griechenlands

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos lehnt einen Spar-Kommissar aus Brüssel entschieden ab. Finanzielle Hilfe und nationale Würde dürften nicht zu einem Widerspruch werden. Auch einen Seitenhieb gegen Deutschland konnte Venizelos sich nicht verkneifen.

Vor seinem Abflug zum Gipfeltreffen in Brüssel erteilte der griechisches Finanzminister Evangelos Venizelos dem deutschen Vorschlag für eine externe Überwachung der griechischen Sparanstrengungen eine deutliche Absage. Er sagte: „Wer auch immer ein Volk vor das Dilemma stellt, zwischen der nationalen Würde und finanzieller Hilfe entscheiden zu müssen, verkennt die grundlegenden Lektionen der Geschichte.“ Ohne Deutschland explizit zu nennen, landete Venizelos damit auch einen dezenten Seitenhieb gegen Deutschland. Wann immer europäische Politiker Deutschland kritisieren, greifen sie gerne zum bewährten Mittel der Erinnerung an die Nazi-Vergangenheit Deutschlands.

Andererseits erwartet Venizelos, dass Deutschland mehr Verantwortung in Europa übernehmen müsse: „Ich bin mir sicher, dass die politische Führung in allen europäischen Staaten – und vor allem jene, die wegen ihrer Größe mehr Verantwortung für den Kurs in Europa tragen – wissen, wie Dinge zwischen Freunden und Partnern besprochen werden, die sich zu einem gemeinsam geschichtlichen Schicksal zusammengeschlossen haben.“

Venizelos sagte, dass der EU-Gipfel vom 26. Oktober 2011 bereits eine Kontrolle installiert habe, und dass diese vollkommen ausreichen, um die griechischen Sparanstrengungen zu überwachen. Die Implementierung bleibe alleinige Sache der griechischen Regierung.

Griechenland ist in die Kritik der anderen EU-Staaten geraten, weil sich die Regierung mitnichten an irgendwelche Vereinbarungen zum Sparen hält (mehr hier). Daher hat Deutschland ein Ultimatum gestellt, in dem weitere Zahlungen von der Abtretung der griechischen Budget-Hoheit an Brüssel abhängig gemacht werden (hier). Das lehnen die Griechen ab (hier). Auch die EU unterstützt den forschen Vorstoß Deutschlands eher halbherzig (hier).

Die Gespräche von Ministerpräsident Lucas Papademos mit der Troika über die weiteren Sparmaßnahmen dauern an, konkrete Ergebnisse liegen nicht vor. Allerdings teilte Papademos mit, er habe alle Parteien, die in der Regierung sitzen, davon überzeugt, mitzumachen. Nun müsse eine gemeinsame Vereinbarung der Regierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften geschlossen werden. Diese beiden hatten erst am Mittwoch wesentliche Vorschläge von Papademos gemeinsam abgelehnt (mehr hier).

Mehr zum Thema
Griechische Ministerin: Deutsche Spar-Kontrolle ist „kranke Vorstellung“
Wirtschaftsweise Franz fordert Beteiligung der EZB an Griechenland Haircut
Griechenland: Gericht ordnet Schuldenerlass für Privatperson an

Kommentare

Dieser Artikel hat 104 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Jemand sagt:

    Die EU funktioniert einfach nicht. Irgendwie muss man das Merkel und ihren Kollegen doch klar machen können!

    • Justin Time sagt:

      Oder so:

      Die EU funktioniert bestens…. für diejenigen, die sich an den Volksvermögen bereichern. Das muss man Merkel und Kollegen nicht klar machen. Das verstehen sie.

  2. Frank sagt:

    Den Schulden Griechenlands steht ein Netto-Privatvermögen in selber Höhe gegenüber. In Italien beträgt das Nettogeldvermögen sogar 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
    http://www.welt.de/wirtschaft/article13839686/Die-Italiener-stecken-jeden-Deutschen-in-den-Sack.html

    Ich frage mich, warum wird nicht endlich über einen Lastenausgleich (wie z.B. in Deutschl. 1952 – 50% des berechneten Vermögenswertes) nachgedacht wird.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenausgleichsgesetz

    Es ist natürlich einfacher, erstmal von anderen Hilfe zu fordern, bevor man an die eigenen Reserven geht.

  3. Stefan sagt:

    Was ist der Unterschied zwischen Griechen und ihren Streunerhunden, die sie massenhaft vermehren, um sie ebenso massenhaft zu Tode zu quälen?

    http://www.google.de/search?um=1&hl=de&gbv=1&ie=UTF-8&tbm=isch&ei=QHwmT8DyJsyOswbNsanCBw&q=streunerhunde+griechenland&start=100&sa=N

    Die Streunerhunde beissen wenigstens nicht ständig in die Hände, von denen sie sich füttern lassen. Die „Nationale Würde“ ist auf den Bildern zu sehen.

  4. Julia sagt:

    Pardon, meine Antwort ging an Fred

  5. Julia sagt:

    „Wuerde“…. mein lieber Monseur hat man sich nicht zu verdienen, sie ist unantastbar….eines jeden Menschen.

  6. bernhard sagt:

    Die große Pleite der Angela Merkel: sie wollte das Chaos ( wie Schäuble der New York Post sagte ), um die Bürger Europas zu zwingen, einer politischen Einheit zuzustimmen. Die Macht des Faktischen heißt es zumeist.

    Der Vorschlag, dass Griechenland seine Finanzhoheit an die EU abgibt entstand vermutlich aus dem Bewusstsein der Führerschaft der Meinungsbildung durch die Bundesregierung, eine Hybris schrecklichen Ausmaßes. Der Vorschlag zeigt auch, zu welcher Diktatur Merkel & Co fähig sind.

    Man mache sich keine Illusionen: die SPD ist ideologisch an der Seite der CDU/CSU!

  7. tomorrow sagt:

    Diejenigen die in Griechenland die Misere verbockt haben, erhalten ihre Kredite zurück.
    Damit sind sie fein raus. An einen Schuldenschnitt der privaten Wirtschaft glaube ich nicht. Die werden sich ihre Dollars anderweitig wieder zurückholen.
    Letzten Endes trifft es wieder die unschuldigen. Das ist so sicher, dass man die Uhr danach einstellen kann.
    Man stelle sich vor, mit Deutschland würde man ein solches Theater veranstalten?

    Wenn das die so supertolle EU ist, sollte man den Laden dicht machen.
    Es sind genug der Beispiele, wie man verfahrene Situationen verschlimmbessert.

  8. Gerlinde sagt:

    Hallo aus Wien! Lese schon lieber eure Zeitung als unsere! Hörte am Samstag in einer oesterr. Reise-Werbesendung ein Statement über den „Vorzug“ der Griechen, nämlich ihre „Langsamkeit“. Gehöre auch zu den „volltrotteln“ die ihr ganzes Leben lang mit
    Schnelligkeit (in der Arbeit) verbracht hat und dafuer heute die „langsamen“ Griechen finanzieren darf, die immer unverschämter unser Geld fordern. Auf der anderen Seite die hoffnungslosen Augen der Spanier, die in der Schlange der Arbeitslosen stehen u. v. Auswandern sprechen. Das Traurige daran ist, dass wir Österreicher einen Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften hatten u. Mit Mises einen ebenso beruehmten. Genützt hat’s uns nichts. Es fehlen die profilierten Politiker.

    Schaut doch einmal bei http://www.hartgeld.at hinein. Sehr vielseitig. Gruesse aus Wien.

    • tomorrow sagt:

      Hallo nach Wien!

      Wenn ich auf der Titelseite Ihres Lesevorschlags die uralte Propaganda sehe, ist mir schon klar, warum Sie qualitativ hochwertigere Medien bevorzugen. Ich bin sicher, sie befinden sich hier in guter Gesellschaft.

      Freundliche Grüße aus dem Deutschen Nordwesten!

  9. Fred Kirchheimer sagt:

    Nu ja, die Griechen sehen sich gerne als Opfer, wobei mir bis heute keiner ein Video vorlegen konnte, in dem gezeigt wird, wie ein Grieche zum Mercedes-Händler verschleppt wurde um dort unter Gewaltandrohung einen Wagen zu bestellen.

    Es ist auch befremdlich, wenn nun von einer „nationalen Würde“ gesprochen wird. Man hat sich doch jahrzehntelang würdelos verhalten und mehr Geld ausgegeben, als verdient wurde.

    Üblicherweise sollte die Würde doch schon einen Knacks bekommen, wenn man den ersten Euro Kredit aufnimmt.

    Und dann gibt es auch noch den Spruch, daß beim Geld die Freundschaft aufhört. Und es mag ja löblich sein, daß die gr. Finanzbehörden der Freundschaft zu Betrügern jeglicher Coleur den Vorrang gegeben hat. Aber damit bezahlt man keine Rechnungen.

    Warum sieht Venizelos die „nationale Würde“ nicht getroffen, wenn es darum geht, Schulden auch ehrenvoll zurückzuzahlen?

    Würde und Respekt muß man sich verdienen. Und Venizelos soll sich nicht beschweren, denn immerhin wird er noch vom Flughafen abgeholt und muß nicht mit dem öffentl. Bus zum Tagungsort fahren.