Lagarde macht Aufstockung des ESM zur Bedingung für Griechen-Rettung

Nach dem Beschluss der Finanzminister zur Griechen-Rettung hatte sich der IWF auffallend bedeckt gehalten. Nun wird klar: Christine Lagarde hat bemerkt, dass die EU die Rettung über den EFSF (später dann den ESM) abwickeln will. Daher fordert sie als Bedingung für die Beteiligung des IWF eine Erweiterung des europäischen Rettungsschirms ESM.

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Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat offenbar noch Vorbehalte gegen die von den Finanzministern beschlossene Griechenland-Rettung. Lagarde dürfte sich die Zahlen des vertraulichen Berichts der Troika sehr genau angeschaut haben (hier) und zu dem nicht sehr fernliegenden Schluss gekommen sein, dass die aktuelle Rettung nicht mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein. Daher sagte Lagarde in Brüssel, dass der IWF zwar bereit sei, einen „bedeutsamen Beitrag“ zu den geplanten 130 Milliarden zu leisten. Bedingung sei jedoch neben den Reformen in Griechenland, dass die EU „zusätzliche Maßnahmen wie die Schaffung eines ordentlichen Schutzwalls“ ergreife.

Die Forderung von Lagarde zeigt auch, dass es offenbar immer mehr Mißtrauen zwischen dem IWF und den Europäern gibt. Lagarde hatte schon den Fiskal-Pakt hart kritisiert (hier). Jetzt wittert sie, dass die Europäer versuchen könnten, über die noch diversen Rettungs-Vehikel die Euro-Rettung gewissermaßen an die Weltgemeinschaft outsourcen könnten. Das will niemand, daher die unmißverständliche Bedingung, die nichts anderes heißt, dass die Europäer für ihre Rettung selbst zuständig sind.

Unterstützung für diese Forderung kam vom Chef der Euro-Gruppe, Jean Claude Juncker. Juncker erwartet, dass die EU-Staaten den ESM aufstocken werden. Juncker: „Ich gehe davon aus, dass die Regierungen vereinbaren werden, die Kapazität auszuweiten.“ Der ESM wurde beim vergangenen EU-Gipfel beschlossen und dient letzten Endes vor allem zur Umverteilung der Schulden in Europa (mehr hier). Eine Ausweitung des ESM, bevor dieser überhaupt begonnen hat, wurde bisher von Deutschland entschieden abgelehnt.

Lagarde ist offenbar nicht entgangen, dass die neuen Kredite an Griechenland nicht mehr von den einzelnen Euro-Staaten vergeben werden, sondern dass nun der EFSF in Aktion tritt. Damit haben die Staaten den Vorteil, dass sie sagen können, es gehe nicht um Geld, sonderen um Garantien. So gewinnen sie weiter Zeit – etwa die Franzosen bis zu nächsten Wahl. Im EFSF sind von ursprünglich 440 Milliarden Euro noch 250 Milliarden Euro übrig. Ein großer Teil dürfte nun für das Griechenland-Paket verwendet werden. Wenn sich dann erst Portugal, Irland, Spanien und Italien anstellen, kann der EFSF, wie von Lagarde befürchtet, die Rolle nicht mehr spielen, die ihm jetzt zugedacht wird. Die Größe des ESM reicht ebenfalls nicht aus, wenn mehrere europäische Staaten gerettet werden sollen.

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Kommentare

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  1. Munnie sagt:

    @Redaktion

    Würde mich mal interessieren.
    Arbeitet ihr immer bis spät in die Nacht oder seid ihr garnicht in Deutschland?

    • redakteur sagt:

      Liebe Munnie!

      Doch, doch, wir sind schon in Deutschland. 😉

      Beste Grüße
      Die Redaktion

  2. danalytix sagt:

    Lagarde hat „entdeckt“ sagt (fast) alles: Ein obskurer „Bankverein“ gibt anfangs vor, daß man als wichtiger „internationaler“ Bestandteil der Banksterstrukturen „helfen“ werde (natürlich mit dem Geld, das andere vorher eingeschossen haben, und das einem ja ohnehin nicht „gehört“ – in Wirklichkeit „gehört“ denen ja eh‘ alles!). So können unsere transatlantischen Freunde zwei oder mehr Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Europa (praktisch nur „D“!), zahlt, man spart die Geldausgabe und alle, speziell unsere „Verhandlungsführerin“, sind hoch zufrieden. Mein Gott, gibt es den wirklich KEINEN, cder diesem unwürdigen Treiben Einhalt gebietet?

  3. Cecylia sagt:

    Es ist schwierig, Menschen hinters Licht zu führen, sobald es ihnen aufgegangen ist.

    Alfred Polgar

  4. Munnie sagt:

    Und schon geht´s los.
    Deutschland will die Rettungsschirme auch über Kürzung der Sozialausgaben finanzieren.

    http://www.aerztezeitung.de/news/article/805472/bsg-praesident-warnt-griff-sozialkassen.html

    • ursel sagt:

      Das traue ich diesen Ga….. zu ,und Herr Masuch muss aufpassen das er sich nicht zu offen für die sozialgesetzgebung engagiert sonst geht es im wie Richter Meyer!!!! er wurde einfach Mundtot gemacht und weg war er. Unsere Richter sind nicht unabhängig auch sie sind Befehlsempfänger. Auch wenn uns glaubend gemacht erden soll es wäre das gegenteil.

  5. Grauber sagt:

    Es braucht eine Mme Lagarde um gewisse Mängel festzustellen ?

    Der ESM bedeutet die Abschaffung der fiskalischen Souveränität – ganz im Stile des IWF.

    In den USA nenn man den IWF, IMF ( International Monetary Federation ), Beobachter nenen ihn auch “ International Mafia Federation „.

    Wer sich dem Angebot der Abhängigkeit vom IWF oder dem Dollar entziehen möchte, braucht eigene Ölquellen und ein gutes Versteck.

  6. Munnie sagt:

    Konstantin Wecker: Empört euch !

    Ein Lied, das unter die Haut geht.

    Komischerweise empfinde ich seit der Eurokrise eine sehr große Solidarität und Verbundenheit mit den Völkern Europas, nein, mit allen Menschen. Das schließt aber ausdrücklich Politiker, Regierungen und Banken aus.
    Vor der Krise habe ich mir nie so viele Gedanken darüber gemacht.

    Wir sitzen alle in einem Boot!

    http://www.youtube.com/watch?v=Qtqjqs_AuFg&feature=youtu.be

    • Hans-Peter sagt:

      Jetzt kommen Sie bitte nicht mit Koks-Konnie.

    • Piet sagt:

      Jau Munnie
      Wir sitzen alle in einem Boot.
      Nur die einen (wenigsten) haben Schwimmwesten an.
      Und wir dürfen rudern.
      L.G. Piet

    • Michi sagt:

      David Ickes Vorträge berühren beinahe alle Aspekte der menschlichen Kultur und Existenz: Wer sie hört und vor allem Ickes Präsentationen mit über tausend Bildern dabei sieht, wird erleben, wie sich die vielen Puzzlesteine unseres Weltbildes auf überraschende und erschütternde Weise neu sortieren: Auf einmal wird vieles verständlich, was sich uns bisher als Rätsel des menschlichen Daseins darstellt

      Teil 1/3: http://www.youtube.com/watch?v=CeqYho_wYaY
      Teil 2/3: http://www.youtube.com/watch?v=WgLWgefULqw
      Teil 3/3: http://www.youtube.com/watch?v=zhGpTucs1gM

      Egal was man von Icke persönlich denkt.

      • mandelkern sagt:

        Reptiloiden und Area-51-Aliens kontrollieren die Mächtigen der Welt, und uns alle, aus der Sphäre der nichtsichtbaren Frequenzen?
        Und wer sich das nicht vorstellen kann, gehört einfach noch nicht zu den Erwachten?

        Interessante Sicht jedenfalls, sehr originell.

        Liest eigentlich niemand mehr?
        sich 3 1/2 Stunden Video anzusehen kostet viel Lebenszeit, die Kernaussagen Ickes könnte man sich bei Interesse auch in 5 Minuten als Text reinziehen.

  7. Dagmar sagt:

    Ich kann es nicht mehr hören/lesen.

    Jeder, auch jeder Politiker weiß, dass da nichts mehr zu retten ist, am allerwenigsten der Euro. Aber alle machen munter weiter um sich noch ein wenig Zeit für was auch immer zu kaufen.

    Es hieß, wenn der Troikabericht nicht zufriedenstellend ausfällt, gibt es kein weiteres Geld mehr. Und? Der Bericht ist eine Katastrophe, Kohle soll weiter fließen.

    Wie lange halten die Völker noch still? Wann endlich wird der ESM mit allen seinen Fallstricken und Tücken mal der breiten Öffentlichkeit über den Mainstream nahe gebracht? Vermutlich nie, denn da steckt viel zu viel Zündstoff drin.

    Wie bekannt sein dürfte, geht die EU in der jetzigen Form komplett am Völkerrecht vorbei, interessiert das irgend wen? Entscheidet irgend ein Gericht über den Brüsseler Moloch? Nein, denn dann hätten wir einen Haufen neuer Langzeitarbeitsloser, die nicht vermittelbar sind. Lieber verar…t man die Völker weiterhin.

  8. Steuerzahler sagt:

    Ungeliebte Politiker,

    da REICHT überhaupt nichts mehr aus. Ihr habt uns diesen Mist mit eurem „politischen Projekt“ eingebrockt. Wir wollten das nicht und wollen das auch jetzt nicht.

    Prof. Hankel hat recht: „Man kann so unterschiedliche Ökonomien nicht unter einen Währungshut zwingen.“ Wenn man in einer Sackgasse steckt, muss man zurück fahren.

    D.h. ZURÜCK ZUR EWG!!! Es wird schon schwer genug werden, das derzeitige Desaster wieder in normale Fahrbahnen zu bringen.

    Wir haben es hier mit einem kollektivem Gesamtversagen zu tun. Alles zu Gunsten der Hochfinanz und der Großindustrie. Dass dabei die Bevölkerungen Europas um ihren Wohlstand gebracht werden, interessiert die Politiker nicht.

    Größenwahn ist noch nie gut ausgegangen. Das wird es auch diesmal nicht.
    Wir haben die Schnauze gestrichen voll von EU und Euro!
    Daran wird sich auch nichts mehr ändern.

    Die Politik muss diesen Wahnsinn endlich beenden!

  9. EURO sagt:

    Ich glaube nicht daran, dass jener Französin das erst jetzt in den Sinn gekommen ist.

    Ihre Forderung ist Teil der Inszenierung, die unserer Ablenkung dienen soll.

    Träten sie in Filmen auf; sie hätten alle Oskars – für Haupt- und Nebenrollen -verdient! Unser Finanzminister, pardon, meiner ist das nicht, bekäme noch einen sozialistischen Sonderpreis für besondere Verdienste an der heiß umkämpften Desinformationsfront. „Held der finanzpolitischen kollektivistischen Propaganda“, das wäre doch was? Ehrlicher jedenfalls als der Karlspreis, der ihm als Honorierung für seinen Beitrag an der Zerstörung dieses Landes bereits zugedacht ist.

    Bravo, bravo! Madame Lagarde!
    Ob sie aber verstanden hat, dass nur auf der Theaterbühne nicht wirklich Köpfe rollen? Ich denke, die Akteure unterschätzen, welchen Volkszorn sie gerade erregen! Haben die keine aktuellen Nachrichten aus Griechenland? Ihre Friedenswährung, das zeichnet sich ab, wird eine „Bürgerkriegswährung“ werden.

  10. Rainer Golla sagt:

    “ A picture say’s more than thousand words. !“
    Mit unserem Mund können wir lügen das sich die Balken biegen, aber nicht mit unserer Körpersprache und Mimik. Was Madame Lagarde da wohl zum Ausdruck bringen will ?
    Und, „Papa der Demos“ ( Das ist er doch, oder ? ), wie unsere Mutti ( Frau Dr. Angela Merkel ). Die Haltung der Hände, typisch.