Portugal: Bailout wird immer wahrscheinlicher

Die Kosten für CDS spiegeln eine angenommene 64-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Pleite Portugals wieder. Zudem konnten die langjährigen Staatsanleihen des Landes bisher nicht von der Geldschwemme der EZB profitieren. Die Investoren sehen Portugals als nächsten Kandidaten für einen Bailout.

Aktuell
Schäuble: Deutschlands Risiko liegt bei 72,9 Milliarden Euro

Die billigen Gelder der EZB (mehr als eine Billion – hier) haben in Spanien und Italien zumindest in den vergangenen Wochen für einen Rückgang des Zinssatzes gesorgt. Doch Portugal profitiert fast gar nicht von der Geldschwemme. Im Gegenteil: Innerhalb der letzten zwei Wochen sind die Zinssätze für zehnjährige, portugiesische Anleihen um fast zwei Prozentpunkte gestiegen. Angesichts dessen scheint der Plan, sich ab September 2013 wieder selbst am Anleihemarkt finanzieren zu wollen, unrealistisch zu sein.

„Das Geld von der EZB schafft Liquidität, aber keine Solvenz“, erklärt Stuart Thomson von Ignis Asset Management in Glasgow. „Wenn die Wahrnehmung so weit ist, dass ein Land schon bankrott ist, werden diese Liquiditätsmaßnahmen (der EZB, Anm. d. Red.) nicht funktionieren.“ Es wachse am Markt die Sorge, dass Portugal wie Griechenland ein zweites Rettungspaket benötige.

Portugals Anleihen sind seit dem ersten Tender der EZB insgesamt nur um 0,4 Prozent zurückgegangen. Bei italienischen Anleihen waren es 13 Prozent und bei spanischen 5,2 Prozent, so die Bank of America. Am Dienstagvormittag lag die Rendite für 10-Jahres-Anleihen beispielsweise bei 13,85 Prozent – im Vorjahr waren es 7,48 Prozent. „Niemand geht mit diesem Niveau an den Markt“, schließt Pavan Wadhwa von JP Morgan den Antritt am Staatsanleihen-Markt für Portugal aus.

Zudem bestehe die „Sorge, dass ein Schuldenschnitt im Stile Griechenlands notwendig wird, wenn Portugal ein zweites Rettungspaket nehmen muss“, so Pavan Wadhwa zur FT (Vorbereitungen werden schon getroffen – hier). Bei JP Morgan gehe man sowieso von einem weiteren Rettungspaket aus. Die portugiesische Regierung versicherte indes Ende Januar, dass die portugiesischen Schuldenanleihen „perfekt nachhaltig“ seien.

Die Angst vor einem weiteren Schuldenschnitt drängt die Investoren, wenn sie vereinzelt doch in portugiesische Anleihen investieren wollen, in die so genannten bills – Anleihen mit einer sehr kurzen Laufzeit von bis zu einem Jahr. Hier sind die Zinssätze gefallen. „Bills sind kurzfristige Papiere, die vor allem für‘s Cash-Management genutzt und wahrscheinlich vom Schuldenschnitt ausgeschlossen werden“, erklärt Pavan Wadhwa die Situation (ähnliches sagte auch der Deutsche Anlegerverein – hier). Und so verkaufte die portugiesische Regierung in diesem Jahr bereits bills im Wert von 8 Milliarden Euro – deutlich mehr als die geplanten 6,5 Milliarden Euro für das erste Quartal. Weil die Finanzierung durch kurzfristige Anleihen einfacher ist, neigen die Staaten seit Mitte der Eurokrise dazu, stark auf diese zu setzen.

Die wirtschaftlichen Daten Portugals verstärken die Sorge der Anleger. Die Arbeitslosigkeit kletterte auf 14 Prozent und die Wirtschaft soll in diesem Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen. Die erhöhten Kosten für CDS auf portugiesische Anleihen signalisieren denn auch, dass der Markt von einer 64-prozentigen Wahrscheinlichkeit ausgeht, dass das Land innerhalb der nächsten fünf Jahre Pleite geht.

Mehr zum Thema
Staatsanleihen: Italien will Ersparnisse der Kleinanleger
Fiskalpakt: Kabinett billigt Gesetzesentwurf
Defizit: Spanien drohen Sanktionen

Kommentare

Dieser Artikel hat 61 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Der Seher sagt:

    Wen wundert’s? Das war doch von vorneherein klar.. Aber der dumme Michel wird natürlich mit Bürgschaften weiterhin das kranke Eurosystem raushauen.

    Schlagzeile 08.03.2013: Deutschland ist pleite. Wer bezahlt den Deutschen Bailout?

    Achso… Keiner mehr da, der noch für „die Nazis“ zahlen könnte… Die Anderen sind ja schon vorher bankrott gegangen. Dann werden es halt die Deutschen Immobilienbesitzer zahlen… Und Rentner… Und der Mittelstand, den es dann bald nicht mehr geben wird.

  2. DR.TOT sagt:

    Und was gedenkt die Kaiserin von Europa dagegen zu tun ? Sie wird ihren Hofnarren losrollen lassen und mit magichen ilosionen geld herbeizaubern . Portugal wird wie Griechenland gerettet ???????????

  3. Anonymus sagt:

    darum muß der ESM vorgezogen werden – ganz schnell noch vor dem Juli dieses Jahres!

    • otto936 sagt:

      Die SPD bockt noch, aber Mutti biegt das hin. Wenn es hart auf hart kommt ist auf die (angeblichen) Sozis Verlass – „aus Verantwortung für Deutschland und Europa“

      Schaulaufen für den Wahlpöbel; bewährte Taktik der Seeheimer Jungs. Schließlich ist man Volkspartei 🙁

  4. Rosa Galler sagt:

    Wer kommt nach Portugal?
    Vielleicht Spanien.

    Kann man eigentlich jetzt schon ausrechnen, wann Deutschland dran ist? Kann auch nicht mehr sooooo lange dauern. Schäuble hat schon weniger Einnahmen.

  5. Steuerzahler sagt:

    Wer noch in Anleihen maroder Staaten investiert, dem ist nicht zu helfen. Als Steuerzahler sollte man sich massivst dagegen wehren, dafür die Haftung zu tragen.

    Also….. alle mitmachen:

    http://www.abgeordnetencheck.de

  6. meinung sagt:

    Ist doch schon bekannt,dass Schäuble einen Schuldenschnitt zugesagt hat,wenn das mit Griechenland durch ist.
    Das kann sich doch jeder bei youtube unter“ Schäuble Hochverrat“ ansehen.

  7. Haikubehindert sagt:

    Ich schlage den Portugiesen vor (bevor es zu spät ist) auf den Euro zu verzichten und via Insolvenz wenigstens noch die eigene Demokratie zu retten. Falls sie glauben Europa sei für sie das Richtige -dann brauchen sie den Euro trotzdem nicht als Währung. Denken sie daran, alle Euroländer ohne Euro haben’s leichter. Ein Rettungspaket der EU ist schlimmer als jeder Bankrott, es kostet eure Mitbestimmung über euren eigenen Boden -und euer Staat löst sich in dubiosen Fiskalpaketen auf. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Der Euro wird euch für Jahrzehnte -sofern es ihn dann noch gibt- infolge Handelungleichgewichten zwischen Nordländern und Südländern erdrücken. Es gibt keine Möglichkeit für ein Recover mit Euro -nicht für Griechenland und nicht für Spanien oder Portugal.

    • Portuguesa sagt:

      das hört sich wirklich behindert an.
      Den Portugiesen geht es mit ihren Regierungen genauso wie den Deutschen !!!!

      Das Volk wird von einer Regierungselite immer mehr ausgequetscht , unsinnige Gesetze , Investitionen die nur den Regierungsclans nützen , Bürokratie und Kontrolle an den falschen Stellen, EU-Gelder versickern im Korruptionssumpf und kommen leider nicht da hin wo sie wirklich nachhaltig nützen können.

      Portugal braucht Hilfe zur Selbsthilfe – ein Bailout wollen die Menschen dort nicht, weil das die Machenschaften die dazu geführt haben nicht abstellen wird.

  8. Peter sagt:

    Was soll man dazu noch sagen!
    Wie soll ein alten Mann das auch wissen wenn er 2 minuten später nicht mel mehr sein Namen kennt.
    Herr S…. leidet leider an Alters Demenz und ich forder euch auf bitte keine Spässe damit du machen er ist halt sehr krank!

    MfG

    Peter

  9. Vanessa_ sagt:

    * Ach nee: Das konnte ja nun wirklich niemand ahnen, oder? *

  10. Werner sagt:

    Die EU ist todkrank .

    mfg. Werner

    • MasseStattKlasse sagt:

      Aber sterben werden die Bürger, stellen wir uns auf Hunger ein.

    • Raus aus Deutschland sagt:

      Werner,
      wenn Du merkst das Du auf einem toten Gaul sitzt dann steige ab und geh zu Fuss weiter.

      Treffender sind noch die Worte:
      Auch andere (Länder)-Mütter haben schöne Töchter!

    • TheSpiritOfTheTimes sagt:

      http://www.xe.com/currencycharts/?from=EUR&to=CNY

      -> 1 year view

      Euro lifesigns are fading.

    • dparvus sagt:

      Nein, leider noch nicht.
      Der Euro ist tot, die Verantwortlichen wollen nur noch nichts davon wissen, sie leben zu gut von unsere aller „Geld“.

      Die Eu gehört auf die Schlachtbank, der Apparat in Brüssel und Luxemburg iat viel zu teuer, ist eben Sozialismus.

      Wir brauchen Freiheit, und dazu gehört Verantwortung, in erster Linie für sich selbst.

      Souvereränität für jeden einzelnen europäischen Staat, und Verantwortung jedes Staates für sich selbst.

      Sonst retten sich die „Retter“ zu Tode, solange sie überhaupt noch „retten“ können.