Neue Führung: Aufsichtsrat beschließt Hebelung der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank hat entschieden, ihren Erfolg künftig mehr in der Finanz- und weniger in der Realwirtschaft zu suchen. Damit steigen die Chancen auf hohe Profite, nach denen eine weithin überschuldete Gesellschaft lechzt. Die Risiken werden, weil die Deutschen Bank „systemrelevant“ ist und daher eine Bailout-Garantie hat, vom deutschen Steuerzahler übernommen.

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Die Deutsche Bank ist im Grunde das Traumziel eines jeden Investment-Bankers: Sie hat eine solide Basis, jede Menge Privatkunden, viele gute Kunden im deutschen Mittelstand. All deren Assets stehen den neuen Herren nun zur Verfügung: Wenn Anjhu Jain – und neben ihm Jürgen Fitschen – im Juni das Ruder übernimmt, wird die Struktur der Bank schon soweit umgebaut sein, dass nichts mehr an die alte Deutsche Bank erinnern wird.

Die Personalentscheidungen, die der Aufsichtsrat am Freitag abgesegnet hat, sind nur das sichtbare Zeichen der tiefen inneren Veränderung, die in der Bank vorgenommen wird. Die neue Struktur der Bank, die vom designierten Vorstand präsentiert und vom Aufsichtsrat abgesegnet wurde, zeigt ein glasklares Bild: Es wird vier Geschäftsbereiche geben: Investmentbanking, Privatkunden, Transaction Banking und Vermögensverwaltung.

Das Investment-Banking wird künftig das Herz der Deutschen Bank sein. Es wird von den zwei bisherigen Top-Investmentbankern Colin Fan und Rob Rankin geleitet. Fan wird das Herzstück der Bank übernehmen, das Trading. Von diesem Posten aus hatte Jain seine Karriere als Kronprinz gestartet. Ranking wird den Beratungsbereich für große Unternehmen bei Börsengängen, Fusionen und Finanzierungen leiten.

Diesem Bereich sehr nahe wird die neue Vermögensverwaltung sein, in der die Aktivitäten der Fondsgesellschaft DWS und der Private Wealth Management PWM zusammengeführt. Geleitet wird dieser Bereich vom Italiener Michele Faissola, der bisher für Staatsanleihen und Rohstoffe zuständig war.

In diesen beiden Bereichen wird die Deutsche Bank künftig ihre Finanzprodukte handeln. Hier wird der „Hebel“ angesetzt, mit dem wirklich Geld gemacht werden kann. Es ist dies das Herzstück des Investment-Bankings, jener den Deutschen immer etwas suspekte Bereich, wo aus dem Nichts Milliarden werden. Denn „Investment-Banking“ heißt, dass aus realen Werten virtuelle Reichtümer gezaubert werden. Das Investment Banking wurde von den Briten erfunden, die traditionell leidenschaftlich gerne wetten. Man könnte das Investment-Banking auch das Wettbüro der Deutschen Bank nennen.

Wetten kann man natürlich nur mit realen Einsätzen. Das sind in der Banker-Sprache die sogenannten „Assets“. Assets kann man bei riskanten Geschäften als Sicherheiten geben. Man kann sie aber vor allem „hebeln“: Das bedeutet, dass man reale Werte so lange durch komplizierte Formeln hochrechnet, bis am Ende ein Vielfaches des Nennwerts zur Verfügung steht. Man kann Assets auch selbst erzeugen, wie es viele Banken tun: Sie gehen zum Drucker, drucken „Anleihen“ für das eigene Unternehmen. Dann reichen sie diese bei der Europäischen Zentralbank ein, und bekommen dafür reales Geld.

Bei der Deutschen Bank geht es freilich viel seriöser zu: Deshalb dürfen die für das große Rad der Wetten unerlässlichen Assets zwei Deutsche herbeibringen: Rainer Neske wird der Privatkundenbetreuer der DB, Werner Steinmüller kümmert sich um das wenig glamouröse Transaktion-Banking: Dieser Bereich war früher Teil des Investment-Bankings, wurde aber jetzt aus dem inneren Kreis verschoben: Es geht um Abwicklungs-Dienstleistungen für große Kunden, wie etwa den Zahlungsverkehr. Da merkt sogar der Laie: Hier geht es zwar um sehr viele Erbsen, die man auch redlich vermehren kann. Aber in diesem Geschäft ist kein „Hebel“. Und nur dieser zählt.

Damit alles seine Ordnung hat, wird es zwei Risikomanager geben: Den Amerikaner Stuart Lewis und den ehemaligen McKinsey Mann Stephan Leithner aus Österreich. Lewis wird für die wirklich riskanten Geschäfte aus dem Investmentbanking zuständig sein, Leithner verwaltet eher das bodenständige Geschäft und wird quasi der Personalchef der DB. Hier hatte es vor der Berufung einige Irritation gegeben, weil Jains Favorit, William Broeksmit, wegen zu geringer Personalerfahrung von der Bafin überraschend abgelehnt wurde. Broeksmit ist Jains engster Weggefährte, sie waren die Ziehsöhne des bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen, legendären Edson Mitchell.

Die Ablehnung ist zwar eine Petitesse, zeigt aber: Anshu Jain wird aus der Deutschen Bank eine Investment-Bank mit angeschlossener Geschäftsbanken-Abteilung machen. Er weiß: Nur mit der Investment-Bank kann er richtig Geld machen. Das wird von ihm auch erwartet – Pensionsfonds, Anleger, Regierungen – das gesamte Kapital der Welt will vermehrt sein. Und zwar nicht mit 2% Sparbuchzinsen. Alle fordern von den Banken die großen Renditen. Wie diese produziert werden interessiert niemanden. Wenn es einer kann, wie Anshu Jain, dann soll es allen recht sein.

Alle wissen auch: Mit Bankgebühren und Krediten an mittelständische Unternehmen kann man zwar auch Geld verdienen. Den großen Hebel jedoch, mit dem die gewaltigen Schuldenberge abgetragen und die im Grunde nicht finanzierbaren Renten von vielen überalterten Gesellschaften bezahlt werden müssen, den kann die Gesellschaft nur mit den Zauber-Algorithmen des Anshu Jain bekommen.

Daher ist es auch nur logisch, dass in dem neuen Unternehmenskonzept der deutsche Mittelstand vergeblich nach seiner Erwähnung suchen wird. Natürlich wird der auch noch einige Brotkrumen unter der gut gedeckten Leverage-Tafel finden. Zum Kerngeschäft der Banken gehört der Mittelstand schon lang nur noch, wenn er selbst „Assets“ beibringen kann, die dann wieder gehebelt werden.

Dass Anshu Jain auf Teufel komm‘ raus hebeln wird, belegt auch die Tatsache, dass die Deutsche Bank erstmals billige EZB-Kredite aus dem Februar-Tender in Anspruch genommen hat: Ein unter Josef Ackermann unvorstellbares Tabu. Ackermann ist zwar noch Chef in Frankfurt, aber im Zeitalter des Roboter-Tradings gehen Führungswechsel eben noch schneller vor sich – so schnell können die physischen Personen gar nicht weg sein.

Darin könnte auch Jains großer Nutzen für Angela Merkel bestehen: Jain wird Merkel nicht, wie der bedächtige Ackermann, mit gutem Rat zur Seite stehen. Er wird mit guter Tat vorneweggehen. Denn der Hebel der Deutschen Bank soll für alle Gutes bewirken – von den maroden europäischen Staaten bis hin zu den maroden asiatischen Staaten. Alle lechzen ob ihrer Schulden oder wegen der schlechten Konjunktur nach mehr Milliarden.

Das Tolle für Jain an dem neuen Konzept: Die Deutsche Bank hat mit Deutschland als Nation selbstverständlich nicht mehr das Geringste zu tun. Im neuen, von 12 auf 18 Personen aufgestockten Group Executive Committee sitzen gerade mal 6 Deutsche. Viele Mitarbeiter in Deutschland bestätigen hinter vorgehaltener Hand, dass sie die Entwicklung für undurchschaubar halten. Sie sagen, dass sie sich jetzt schon entfremdet fühlen von der „Deutschen“ Bank.

Dennoch wird es weiter eine enge Bande zwischen Deutschland und der Deutschen Bank geben: Die Deutsche Bank ist als systemrelevant eingestuft worden. Sie ist also, wegen ihrer globalen Verflechtungen, „too big to fail“. Wer aber zu groß zum Scheitern ist, den retten die Steuerzahler. Im Fall der Deutschen Bank wären das dann wieder die Deutschen. Sollten also wider Erwarten zu viele von Jains Buchmacher auf zu viele falsche Pferde setzen, dann wird die DB gerettet werden. Bis dahin werden jedoch noch einige Boni auf die Konten des neuen Managements fließen und hoffentlich viele Milliarden für jene sprudeln, die die Deutsche Bank zu dem gemacht haben, was sie ist: Die reale Gelddruckmaschine für eine im unersättlichen Finanzierungsbedarf versinkende Gesellschaft.

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Kommentare

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  1. Stefan G. Weinmann sagt:

    Ex General: Afghanistaneinsatz gescheitert !

    http://hintergruende2012.blogspot.de/2012/03/ex.html

  2. Toni-Ketzer sagt:

    „Wetten das!“
    Im allgemein gibt es beim Wetten entweder ein Gewinner welcher zur Ermunterung gerne dargestellt wird, und es gibt mindest ein Verlierer dessen Situation, falls überhaupt und je nach Sachlage, zur Abschreckung, ggf. nicht dargestellt wird.
    Bei den künftigen Wetten der Banker sind die Regeln, Gewinner und Verlierer bereits bekannt. Ich möchte es einmal wie folgt beschreiben:
    In Afrika muß eine Mutter mit mehren Kinder mit einen Dollar pro Tag auskommen. Da sie aufgrund des geringen Budget auf z.B. westeuropäische Abfälle angewiesen ist, welche aufgrund der Geldpolitik der z.B. „Deutschen Bank“ über Nacht unerschwinglich teuer werden, dürfte diese Familie ihren Schicksal entgegen gehen.
    Wenn nun jemand glaubt das Afrika weit weg von „RTL-Blöd.TV“ ist, jener irrt. Der Unterschied zwischen einen Westeuropäer und ein Afrikaner besteht nur noch in der Sozialausweisnummer. Ist diese des Westeuropäers aufgrund aufgezwungener und natürlich verlorener Wetten „negativ“, heißt es auch für ihn ebenso schlicht „verrecken“.
    Wetten das!

  3. jay twelve sagt:

    In ihrem krankhaften Bestreben die Profitte zu maximieren, überhören-übersehen die Banker die Werkrufe: „He Leute, euer Schiff ist aus Pappe, sieht ihr es nicht, es brennt.“
    Man zwitschert sich beim Gipfeltreffen ins Ohr und Bauch, alles das was dem Volk längst an die Substanz geht, wäre nicht nur belanglos, vielmehr, es wäre zu spät.
    Man erheitert sich mit dem Trugschluss: „Wer Geld kontrolliert, beherrscht die Welt.“

    Mein guter Rat: „Wer dem Volk nicht aufs Maul schaut, der erwacht als Vogelscheuche im Kornfeld.“

  4. crisiswhatcrisis sagt:

    Guter Artikel, keine Frage. Bleibt zu ergänzen, daß sich die DBK gerade einen kräftigen „Schluck aus der Pulle“ gegönnt hat. Branchenbeobachtern zufolge hat sich die DBK bei der letzten LTRO der EZB am 29.2.2012 zwischen 5 und 10 Mrd geliehen. Ein Jahr etwa zuvor hieß es hinter den Kulissen, daß man das Eigenkaptial um 9 Mrd aufstocken wolle, passt also. Schick ist natürlich auch, daß man dafür jetzt nicht einmal mehr die Aktionäre bemühen mußte.

    Aktien dieses Instituts würde ich auch nicht mal mit der Kneifzange anfassen, die DBK ist ein Riese auf tönernen Füßen. Auch in deren Bilanz schlummern noch jede Menge nicht wertberichtigter „Assets“, die sie uns allen eines Tages zur Entsorgung rüberschieben wird…

    Aber gut, daß es es dann dafür den ESM gibt, der notleidenden Banken Kredite in unbegrenzter Höhe gewährt. Schön, daß auch der einen Hebel hat. Ironie off.

    Auf die Gefahr, daß ich mich ständig wiederhole: wer dafür wie für die „Schulden“ anderer die unbegrenzte Haftung ablehnt, ist gut beraten, jetzt was zu unternehmen.

    Ich bin fest davon überzeugt, daß hinsichtlich des ESM zu einer Volksabstimmung kommen muß. Entscheiden muß das natürlich jeder für sich selbst. Die Abgeordneten im Bundestag haben das (mindestens innerlich) bereits, wie man der Umfrage hier auf DMN entnehmen kann.

    Für alle Interessierten hier noch mal der link, meines Wissens die bislang einzige Möglichkeit derzeit im Internet, dabei geht es überhaupt erst um den Antrag auf einen Volksentscheid:

    http://www.mehr-demokratie.de/europa-kampagne.html

    Kürzlich bin ich auch noch über diesen Artikel gestolpert, in dem sehr klar dargelegt wird, weshalb hinsichtlich des ESM eine Volksabstimmung notwendig ist. Man sehe und staune – und das in der FAZ.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/gastbeitrag-nicht-ohne-uns-11675748.html

  5. Hoppe007 sagt:

    Ein unglaubliches Vorhaben!

    Abgesichert durch den deutschen Steuerzahler wird in riesigem Stil gewettet.
    Beim Investmentbanking werden keine Werte geschaffen. Es kommt nur darauf Dumme zu finden, die man bescheißen kann.

    Das lässt unsere Regierung und die Bankaufsicht zu?

  6. Staatsbürger sagt:

    Nie würde ich bei dieser Bank zur Türe reingehen

  7. inderpampa sagt:

    Wann bricht dieses verdammte System endlich zusammen?

    Es war doch mal die Rede davon, dass das amerikanische Trennbankensystem wieder eingeführt werden soll, so dass das Investment-Banking vom realwirtschaftlichen Teil wieder getrennt wird.

    Ist das alles schon wieder vergessen und wer ist wirklich bereit diesen Verbrechern durch eine angemessene Regulierung endlich das Handwerk zu legen? Ach so, vor Gericht wg. schweren Betrugs müssen die auch alle!

    • Erasmus alias Omnius sagt:

      Sie sprechen den Glass-Steagall Act. an . Diese Gesetzgebung, ist für das Trennbankensystem zuständig . Ich denke mal, das die Finanzlobby alles daran setzt, dies zu verhindern ! Der Kampf zwischen Gut und Böse, läuft natürlich weiter im Hintergrund statt !
      Wie man sieht, gibt es noch US-Abgeordnete ,die das Spielchen durchschauen !

      siehe Lyndon Hermyle LaRouche

      http://larouchepac.com/webcasts/20110419.html

      German Video 384 kbps Abspielen und ab 1:15:00 Zeit genau hin hören !

      Das ganze ist spannender als alle Tatort-Krimis und Actionfilme zusammen !

      Au revoir,
      Erasmus alias Omnius

      • Anna sagt:

        Vielen Dank für diesen Link.

        Ich habe mir das ganze Video angesehen (3 1/2 Std.) Genau so denke ich auch. Die Bänker davonjagen und neu anfangen. Aber mit der Deutschen
        Regierung ist dies leider nicht zu machen, schade.

        So wird alles seinen Lauf nehmen wie es uns vorbestimmt ist.

  8. Munnie sagt:

    Ich denke, damit ist die Deutsche Bank nicht „to big to fail“ sondern „to big to bail-out“.

    Hat eigentlich schon mal jemand von denen „da oben“ darüber nachgedacht, dass wir als Volk „to big to fail“ sind?

  9. papperlapap sagt:

    Schöne Mikado-Stäbchen auf dem Bild. Profite machen, bis die Bude wackelt.